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Informationen zur politischen Bildung (Heft 268)

Kalter Krieg von 1945 bis 1989


Jörg Nagler
Inhalt

Einleitung

Wohlstandsgesellschaft

Zwischen Reform und Protest

Vietnam-Krieg

Gesellschaftskrise in den siebziger Jahren

Konservative Wende 1980

Vietnam-Krieg
Die Weiterführung der Sozialprogramme Johnsons und des Abbaus der Rassendiskriminierung scheiterten letztendlich an einem außenpolitischen Ereignis, dem Vietnam-Konflikt, der den gesellschaftlichen Konsens auseinander brechen ließ. Er eskalierte unter Johnson zu einem Krieg und stürzte die Nation in die tiefste Krise seit dem Bürgerkrieg. Angesichts der Komplexität der Entscheidungsmöglichkeiten, die die Situation des Kalten Krieges ihm abverlangte, zeigte sich der Präsident überfordert. Wie seine Vorgänger glaubte er fest an Eindämmungsstrategie, Dominotheorie und an die Demonstration militärischer Stärke. Als Anfang August 1967 zwei amerikanische Kriegsschiffe - aus nach wie vor ungeklärter Ursache - von nordvietnamesischen Torpedobooten angegriffen wurden, ließ Johnson deren Marinestützpunkte bombardieren. Kurz danach gab der Kongress mit der Gulf of Tonkin-Resolution dem Präsidenten quasi eine Blankovollmacht für die militärischen Operationen in Vietnam. Dies markierte den Höhepunkt der so genannten imperialen Präsidentschaft und hatte fatale Folgen. Von nun an entschied Johnson allein über die weitere Eskalation des Krieges und informierte dabei die Öffentlichkeit nur unzureichend. Die Truppenpräsenz wurde innerhalb von drei Jahren verzwanzigfacht: von 23000 im Jahre 1964 auf 475000 Ende 1967. Doch weder die Bodentruppen noch der Einsatz aufwändiger Technologie und neuer chemischer Kampfstoffe ermöglichten es den beharrlich optimistischen Militärs, den Widerstandswillen der Nordvietnamesen zu brechen.
In den USA selbst formierte sich dagegen eine zunehmende Protestbewegung, die sich mit Teilen der Bürgerrechtsbewegung zusammenschloss. Sie setzte sich hauptsächlich aus Jugendlichen und Studenten zusammen, deren größte Organisation, die Students for a Democratic Society (SDS), Ende der siebziger Jahre über 100000 Mitglieder zählte. Das öffentliche Verbrennen von Einberufungsbefehlen und Demonstrationen zugunsten der Ziele Nordvietnams und der Dritten Welt allgemein gelangten über das Fernsehen in alle amerikanischen Haushalte. Die täglichen Bilder von heimkehrenden Särgen gefallener US-Soldaten - bis 1969 waren es 23000 - unterminierten das Vertrauen in Johnsons Beteuerung, dass der Sieg bald errungen sein werde. Als die kommunistischen Angreifer in der Tet-Offensive vom 30. Januar 1968 bis nach Saigon vordringen konnten und dort sogar bis an die US-Botschaft, schwand die Siegeszuversicht, und es kam zu Verhandlungen beider Seiten in Paris. Ende März 1968 kündigte Johnson die Beendigung der Bombardierung Nordvietnams an und erklärte seinen Verzicht auf eine weitere Kandidatur als Präsident.
Johnsons Amtszeit endete mit einem starken Prestigeverlust der Vereinigten Staaten, ausgelöst durch den Vietnam-Krieg. Dieser hatte enorme Ressourcen verschlungen und damit die Durchführung der Programme für Armutsbekämpfung und soziale Absicherung verhindert. Allerdings waren Teilerfolge zu verzeichnen: Zwischen 1960 und 1970 konnte die Zahl der unter dem statistischen Existenzminimum lebenden Personen von 22,4 auf 12,6 Prozent gesenkt werden; bei Afroamerikanern von 55 auf etwa 31 Prozent.
Das Land war tief gespalten und verunsichert, und große Bevölkerungsteile sehnten sich nach Ordnung und einer baldigen Beendigung des Krieges. Genau diese Themen griff der Republikaner Richard M. Nixon (1969-1974) während des Präsidentschaftswahlkampfes 1968 auf, womit er sich gegen seinen demokratischen Gegner Hubert Humphrey durchsetzen konnte, nachdem Anfang Juni mit Robert F. Kennedy, einem jüngeren Bruder des früheren Präsidenten, der zunächst chancenreichste Anwärter auf die Präsidentschaft einem Attentat zum Opfer gefallen war.
Mit Nixon war ein vorrangig an der Außenpolitik interessierter Präsident ins Weiße Haus gezogen, der zusammen mit seinem Sicherheitsberater und späteren Außenminister Henry A. Kissinger als Begründer einer außenpolitischen Neuorientierung galt, die mit den Mitteln von Realpolitik ein weltweites Mächtegleichgewicht anstrebte.
Innenpolitisch nahm Nixon Abstand von Johnsons Reformplänen, zeigte sich skeptisch hinsichtlich der Rassenintegration und sprach in seinen Reden insbesondere die Mittelschicht - die "schweigende Mehrheit" - an, die seines Erachtens schon immer für "Recht und Ordnung" eingetreten sei und Proteste sowie Demonstrationen abgelehnt habe. Parallel zu diesen Entwicklungen erreichte nun die jugendliche Hippie-Protestbewegung ("make love, not war"), die weniger an ideologischen Fixierungen interessiert war als die Studentenorganisationen, ihren Höhepunkt mit dem Woodstock-Festival, an dem über 400000 zumeist jugendliche Zuschauer teilnahmen. Allerdings hielt die Dynamik der Anti-Kriegsbewegung an. Im November 1969 demonstrierten 250000 Menschen in Washington, D.C. Das Bekanntwerden des My-Lai-Massakers vom März 1968, in dem US-Soldaten etwa dreihundert vietnamesische Zivilisten brutal ermordet hatten, löste kurz darauf erneute Protestwellen aus und sorgte für internationale Entrüstung. Als Nixon Ende April 1970 den Einmarsch von US-Truppen in Kambodscha befahl, wurde deutlich, dass er nicht vorhatte, den Krieg in Indochina bald zu beenden. An vielen Universitäten in den Vereinigten Staaten kam es daraufhin zu Ausschreitungen, die an der Kent State University in Ohio beim Einsatz der Nationalgarde sogar vier Todesopfer forderten. Obwohl die erste Mondlandung der Apollo-Astronauten Neil Amstrong und Edwin Aldrin am 21. Juli 1969 internationalen Prestigegewinn beschert hatte, überschattete der Vietnam-Krieg alle Bereiche der US-Innen- und -Außenpolitik und stellte den moralischen Führungsanspruch der USA grundsätzlich in Frage.
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10. Februar 2012
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USA -Geschichte, Wirtschaft, Gesellschaft
Die Autoren
Editorial
Von den Kolonien zur geeinten Nation
Weg zur Weltmacht 1898 bis 1945
Kalter Krieg von 1945 bis 1989
Aufbruch in eine "Neue Weltordnung"
Grundzüge des Wirtschaftslebens
Gesellschaftsstruktur und -politik
Vereinigte Staaten im Vergleich
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Die Vereinigten Staaten von Amerika: Vorbild für die einen, Feindbild für die anderen. Kaum eine andere Nation vermag es, die Gemüter so intensiv zu vereinen oder zu spalten. Die USA, das Land der Superlative und Extreme, in einem Dossier.
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