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Informationen zur politischen Bildung (Heft 268)
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Editorial |

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Christine Hesse
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Älteste Demokratie, größte Wirtschaftsmacht (vor Japan und Deutschland) und einzige Supermacht nach Ende des Ost-West-Konfliktes in den 1990er Jahren - mit diesen und ähnlichen Superlativen lässt sich die Rolle der Vereinigten Staaten von Amerika in der Welt charakterisieren. Bei genauerem Hinsehen erscheinen die USA häufig widersprüchlich, ergeben sich Diskrepanzen zwischen hehrem Selbstverständnis und politischer Praxis. So blieben die in der Verfassung von 1789 garantierten Bürgerrechte lange Zeit den afroamerikanischen Sklaven sowie den Frauen und der indianischen Urbevölkerung verwehrt. Weltoffenheit und ein missionarischer Sendungsgedanke werden immer wieder unterlaufen vom Rückzug auf sich selbst, Toleranz Andersdenkenden gegenüber trifft auf fast fundamentalistisch anmutende Religiosität, selbstloses Engagement für das Allgemeinwohl steht neben rüde vertretenem wirtschaftlichem Eigennutz, Multilateralismus neben der Neigung zu politischen Alleingängen.
Um die Vielfalt dieser Erscheinungsformen zu erklären, unternimmt das vorliegende Heft einen Streifzug durch die nordamerikanische Geschichte, von den Anfängen kolonialer Besiedlung bis in die Gegenwart. Schnell werden Grundzüge erkennbar, die bis heute das nationale Selbstverständnis der USA bestimmen:
Mut, Energie und Erfolgsstreben der Einwanderer, die in die "Neue Welt" kamen, weil sie mehr vom Leben erwarteten, als ihre Heimatländer ihnen bieten konnten; die Erfahrung des entbehrungsreichen, unsicheren aber auch selbstbestimmten Daseins an der frontier, der Siedlungsgrenze, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts immer weiter nach Westen verschoben wurde.
Dazu kamen religiös untermauerte Selbstgewissheit, Skepsis gegenüber staatlicher Gewalt und der solidarische Zusammenhalt innerhalb der vielen "Nachbarschaftsinseln" (Peter Lösche), aus denen sich die US-Gesellschaft zusammensetzt.
Als Folge des jeweils kriegsentscheidenden Eingriffs in zwei Weltkriege erwuchs den USA in der ers-ten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht nur eine politische und moralische Führungsrolle, sie wurden auch zur stärksten Wirtschaftsmacht und sind bis heute der Motor der globalen Öffnung der Weltmärkte.
Die bislang ungebrochen erfolgreiche Entwicklung wurde aber auch immer wieder von Traumata erschüttert, wie dem Vietnam-Krieg der 1960er und 1970er Jahre und den Angriffen vom 11. September 2001 auf New York und Washington, D.C. Während die Vietnam-Erfahrung die US-Gesellschaft zutiefst spaltete, bewirkten die Terrorangriffe zunächst ein engeres Zusammenrücken der Bevölkerung.
Unter dem Deckmantel des gemeinsamen Glaubens an die "amerikanischen Werte" wie Freiheit, Demokratie und Individualität und an die amerikanische Vorbildrolle verbirgt sich nach der Sozialhistorikerin Gertrud Himmelfarb (1999) allerdings eine Nation, die in zwei Kulturen gespalten ist. Die eine religiös, puritanisch und familienorientiert sowie zu einem gewissen Grad konformistisch, die andere tolerant, hedonistisch, weltlich, überwiegend von Singles dominiert und dem Multikulturalismus zugetan.
Unterschiede und soziale Spannungen zwischen Arm und Reich, zwischen Stadt und Land, zwischen Nord und Süd sowie zwischen den vielfältigen Ethnien bieten ein heterogenes Bild der USA, vor dem bei näherer Betrachtung gängige Stereotype verblassen. |
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10. Februar 2012
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Dossier |
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USA
Die Vereinigten Staaten von Amerika: Vorbild für die einen, Feindbild für die anderen. Kaum eine andere Nation vermag es, die Gemüter so intensiv zu vereinen oder zu spalten. Die USA, das Land der Superlative und Extreme, in einem Dossier. |
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