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Gesicherte Existenz Israels - Teil der deutschen Staatsräson - Essay


4.4.2005
Deutsche Politik steht unter der Maxime, die Regierungsvertreter und alle Fraktionen des Bundestages immer wieder deutlich gemacht haben: Die gesicherte Existenz Israels liegt im nationalen Interesse Deutschlands, ist somit Teil unserer Staatsräson.

Einleitung



Vier Jahre in Israel leben und arbeiten bedeutet, sich einem permanenten Zielkonflikt ausgesetzt zu sehen. Einerseits hat man das Empfinden, bereits seit 15 Jahren im Land zu sein. Andererseits frage ich mich: Wo sind diese vier Jahre geblieben? Meinem ersten Arbeitstag am 1. September 2000 folgte vier Wochen später, am 28. September, der Beginn der so genannten zweiten Intifada. Der Ablauf schrecklicher Ereignisse mit traumatischen Folgen hat das Land in Atem gehalten.

Die israelische Presse veröffentlichte Ende September 2004 eine "Intifada-Bilanz", die der Allgemeine Sicherheitsdienst (Shabak), nach deutschem Verständnis der Verfassungsschutz, "vier Jahre Terror ohne Pause" nannte: 1 017 tote Israelis insgesamt, davon 703 Zivilisten und 314 Soldaten oder Polizisten; 5 598 Verletzte, davon 4 566 Zivilisten und 1 032 Soldaten oder Polizisten; 138 Selbstmordanschläge; 13 370 Schussanschläge; 460 Beschießungen durch Kassem-Raketen. In diesen vier Jahren haben die Israel Defense Forces (IDF) 98 Tunnel ausfindig machen können, die zwischen dem palästinensischen Flüchtlingslager Rafah und Ägypten ausgehoben und zum Schmuggel von Kampfmitteln verwendet worden waren.

Der Shabak bezifferte das eingeschmuggelte Material auf ca. zwei Tonnen Sprengstoff, 6 700 Kalaschnikow-Gewehre, 750 Raketenwerfer, 33 Granaten, 18 Maschinengewehre und fünf Flugabwehrraketen, ferner 580 000 Patronen und andere Munition sowie Dutzende Panzerfäuste R-P-G. Die Tiefe der Tunnel beträgt zwischen sechs und zehn Meter. Nach Angaben von Palästinensern, die gefasst und verhört wurden, dauert die Aushebung eines Tunnels von 250 Metern Länge zwischen drei und vier Monaten. Dafür würden mindestens acht Personen benötigt. Nach der Shabak-Bilanz sind seit Beginn der Intifada 959 Terroristen getötet worden, davon 191 gezielt. Die Zahlder Verhaftungen wird mit 6 000 angegeben. Nach offiziellen Verlautbarungen der Palästinensischen Autonomiebehörde, deren Zahlen die Terroraktivisten und Selbstmordattentäter einschließen, wurden 3268 Palästinenser getötet und 23 930 verletzt.

Israel erlebte vier Jahre lang durchschnittlich an jedem zehnten Tag ein Selbstmordattentat und täglich zehn Schussanschläge. Dass dieser Schrecken nicht spurlos an einer Gesellschaft vorbeizieht, kann nicht verwundern.

Aus vier Flugstunden Entfernung die veröffentlichte Meinung in Deutschland zum Nahen Osten, besonders zu Israel, in diesen Jahren zu lesen, zu hören und zu sehen provoziert eine Frage: Was und wie würde in Deutschland berichtet und kommentiert, wenn sich das tragische Ereignis von Erfurt im Jahre 2002 - der Amoklauf, der 16 Menschen das Leben kostete - alle zehn Tage wiederholen würde? Wenn in Deutschland durchschnittlich zehnmal täglich Schussanschläge gezählt würden - bliebe die Bevölkerung weitgehend gelassen? In welcher Verfassung wäre mein Land, wenn - übersetzt auf unsere Bevölkerungsrelation - in vier Jahren über 12 000 Tote und annähernd 70 000 Verletzte zu beklagen wären? Terror aus weiter Entfernung zu kommentieren ist etwas grundlegend anderes, als Terror zu erleben.




 
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