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Informationen zur politischen Bildung (Heft 282)

Ergebnisse international vergleichender Forschung


Herwig Birg
Inhalt

Einleitung

Demographisch-ökonomisches Paradoxon

Demographisch bedingte Problemketten

Einleitung
In den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war das reale Pro-Kopf-Einkommen in der früheren Bundesrepublik weniger als halb so hoch wie am Ende des 20. Jahrhunderts, aber die Geburtenrate hatte dennoch im statistischen Durchschnitt mit 2,5 Lebendgeborenen pro Frau ein doppelt so hohes Niveau wie heute. In den anderen hochentwickelten Industrieländern verlief die Entwicklung ähnlich. So sank zum Beispiel die Geburtenzahl pro Frau in den USA vom Zeitraum 1960-1965 bis zum Zeitraum 1995-2000 von 3,3 auf 2,1 Lebendgeborene pro Frau, in Japan von 2,0 auf 1,4 und in Westeuropa von 2,7 auf 1,5.
Diese Zahlen verweisen auf einen wichtigen Sachverhalt: Ob ein Einkommen zur Erfüllung von Kinderwünschen oder zur Erreichung irgendwelcher anderen Ziele als zu niedrig oder als ausreichend betrachtet wird, hängt im Urteil der Menschen offenbar nicht in erster Linie von dessen absoluter Höhe ab, sondern von der Differenz zum angestrebten Einkommen und vom Abstand zum Einkommen anderer Menschen, mit denen sie sich vergleichen.
Ein einprägsames Beispiel für die Relativität von Urteilen wie "viel" und "wenig", das für die Interpretation des Rückgangs der Geburtenraten wichtig ist, bietet der Begriff "Armut". Die international gebräuchliche Definition lautet: Arm ist, wer über die Hälfte oder weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens verfügt. Diese Definition hat zur Folge, dass in einem reichen Land, in dem das Durchschnittseinkommen in überspitzter Annahme beispielsweise zwei Millionen Euro betrüge, alle Menschen mit einem Einkommen von einer Million Euro arm wären. Wer von Jahr zu Jahr mehr verdient, läuft eben dadurch Gefahr, am Ende zu den Armen zu gehören, falls der prozentuale Zuwachs seiner Einkünfte geringer ist als der der Verdienste aller, und zwar unabhängig von der absoluten Höhe des Einkommens.
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10. Februar 2012
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