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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 2-3/2010)

Politische Führung im Parlament


Suzanne S. Schüttemeyer
Inhalt

Einleitung

Zur Handlungslogik des Parlamentarismus

Gleichheit der Abgeordneten

Arbeitsteilung und sachpolitische Führung

Hierarchisierung und richtungspolitische Führung

Einleitung
Als "Sternstunden" des Parlaments werden in den Medien in der Regel nur jene Debatten des Deutschen Bundestags gefeiert, in denen einzelne Abgeordnete unter Berufung auf ihr Gewissen die Gründe für ihre Entscheidungen darlegen und diese - solchermaßen ethisch-moralisch aufgeladen - als "frei" und "ungebunden" erscheinen, während offenbar der Alltagsbetrieb des Parlaments nicht nach diesen hehren Prinzipien verläuft. Auf diese Weise wird das Ideal eines Abgeordneten suggeriert, der als "Einzelkämpfer" in offenem Diskurs seine Entscheidung fällt, nur "der Sache" verpflichtet ist, nicht aber Gruppenloyalitäten oder Interessenbindungen unterhält.

Zur Person
Suzanne S. Schüttemeyer
Dr. rer. pol., geb. 1953; Chefredakteurin der "Zeitschrift für Parlamentsfragen"; Professorin und Lehrstuhlinhaberin für Regierungslehre und Policy-Forschung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Universitätsplatz 10, 06099 Halle/Saale.
E-Mail: suzanne.schuettemeyer@ politik.uni-halle.de

Solch ein Bild entspringt dem Modell des so genannten klassisch-liberalen Parlamentarismus, wie es ihn - wenn überhaupt - nur kurze Zeit im 19. Jahrhundert gegeben hat. Die Phase der konstitutionellen Monarchien in Europa vor der Parlamentarisierung, also vor der Einführung der parlamentarischen Verantwortlichkeit der Regierung, und auch präsidentielle Regierungssysteme stehen Pate, wenn immer wieder Vorstellungen einer dualistischen Gewaltenteilung formuliert und in die Öffentlichkeit transportiert werden: Danach tritt das Parlament als Ganzes der Regierung gegenüber; die enge Beziehung der Abgeordneten der Mehrheitsfraktionen zur Regierung wird als Verlust gewaltenteiliger Kontrolle interpretiert. Geschlossenes Abstimmungsverhalten erscheint in dieser Sicht als Ergebnis von Zwang und Schwäche des Parlaments.

Diese - häufig anzutreffende - öffentliche Darstellung und die entsprechende Wahrnehmung des Parlaments durch die Bürger illustrieren tief sitzende Missverständnisse der Grundlagen und Funktionsbedingungen moderner parlamentarischer Demokratie.
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10. Februar 2012
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Editorial
Leadership- Forschung als Demokratiewissenschaft
Politische Führung in der "Postdemokratie"
Politische Führung im Parlament
Politische Führung: Max Weber heute
Kommunalpolitische Führung im europäischen Vergleich
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