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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 26/2004)
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Mittendrin statt nur dabei? |

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Zur Entwicklungsdynamik von Fußball, Medien und Kommerz Dirk Schindelbeck
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Toni Schumacher und das Entertainment |
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Doch erst mit der Einrichtung des dualen Fernsehsystems 1983 zeichnete sich ab, dass ausschließlich das große Geld zur eigentlichen Triebfeder all dessen, was auf dem grünen Rasen als heute tägliches Medienspektakel geschieht, werden sollte. Das Vermittlungsmonopol des öffentlich-rechtlichen Systems war aufgehoben, Sender wie RTL und SAT 1, selbst über Werbung finanziert, nahmen sich des Fußballs an. Nicht gegenläufige, sondern parallele, aus seinem "Warencharakter" abgeleitete Interessen bestimmten fortan die Präsentation der Inhalte. Dass dieses System freilich seine eigenen Gesetzmäßigkeiten produzierte, wurde spätestens 1987 am "Enthüllungsbuch" Toni Schumachers deutlich, das seinerzeit vor allem wegen der darin enthaltenen Doping-Vorwürfe Aufsehen erregte. Aus heutiger Sicht sind eher die Einsichten in die Denkweise der Profis interessant; zudem gibt es Aufschluss über den Pegelstand des Kommerzialisierungsprozesses zu jener Zeit. "Wie ein Damoklesschwert hängen finanzielle Einbußen über unseren Köpfen", bekannte der Nationaltorwart: "Rummenigges größter Geldgeber nach Adidas ist Fuji. Klar wie Quellwasser ist, dass Karl-Heinz ein goldenes Angebot von mindestens einer Million DM bekommen hat. Schließlich war er Nationalspieler und potenzieller Teilnehmer an den Weltmeisterschaften 1982 und 1986. Er fühlte sich beruflich und moralisch verpflichtet, jedes Risiko einzugehen, nur um spielen zu können. Ähnlich hatte ich in Rom bei der EM 1980 gehandelt und mit gebrochenem Finger gespielt. Was wäre passiert, hätte ich einen oder zwei Bälle verpasst! Eine ungeheure Belastung!" Längst spielte kein Profi mehr der "edlen Sache" wegen in der Nationalmannschaft: Aus Sicht Schumachers war sie nichts anderes als der Multiplikator seiner Popularität - und damit Instrument zur Steigerung seines individuellen Marktwerts: "Erst nach der gewonnenen Europameisterschaft in Rom 1980 wurden die Angebote richtig aufregend. Nur ein Mitglied der Nationalmannschaft kommt an Werbeverträge von jährlich 100 000 DM und mehr. Als ich meine erste Adidas-Abrechung erhielt, war ich sehr angenehm überrascht."
Mit dem Einzug solcher Summen war zwangsläufig auch die internationale Härte (die "Blutgrätsche") in die bundesdeutschen Stadien eingekehrt, stieg das Verletzungsrisiko für die Spieler stark an, ebenso wie die Zahl echter Frühinvaliden, und beendete dieses "Ausleseprinzip" zunehmend die Karrieren der oft sensiblen "Supertechniker" wie etwa des genialen Heinz Flohe abrupt. Auf der anderen Seite profitierten aber nun auch zweitrangige Spieler wie der Ersatztorwart des SV Werder Bremen, Jürgen Rollmann, von der immer stärker Fahrt aufnehmenden Geldmaschine Profifußball. So lag Rollmanns Einkommen bereits Ende der achtziger Jahre weit über dem bundesdeutschen Durchschnittsverdienst. Zum monatlichen Grundgehalt von 10 000 DM kamen allein für das Tragen einer bestimmten Handschuhmarke weitere 10 000 DM, neben 75 Prozent der eingespielten Prämien der Stammmannschaft für Punktspiele; hinzu kamen Prämien für Pokalsiege (25 000 DM pro Spiel und Spieler), Honorare für Fernsehauftritte (über 10 Sekunden in der entsprechenden Kleidung), Tantiemen für Sammelbilder und anderes mehr. Es verwundert nicht, dass schon bald erste bekannte Fußballer wie etwa Norbert Nachtweih Opfer dubioser Vermögensberater und Geschäftemacher wurden, die ihnen unseriöse Abschreibungsmöglichkeiten wie z.B. Bauherrenmodelle aufgeschwatzt hatten. Selbst Ersatztorwart Rollmann kaufte sich sicherheitshalber gleich vier Dachgeschosswohnungen als Anlageobjekte: "Damit hatte ich Ende 1991 mehr Eigentumswohnungen als Bundesliga-Einsätze." Doch Rollmann, dessen Buch über den Profifußball noch heute aufschlussreich ist, lernte auch bald die Kehrseiten des Geschäfts kennen: "Ein moderner Sklavenhandel mit überwiegend zufriedenen Sklaven: Langsam, aber sicher kann ich begreifen, warum der Profifußball schon mal abfällig als Hurengeschäft bezeichnet wird." |
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10. Februar 2012
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Aus Politik und Zeitgeschichte |
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Körperkult und Schönheitswahn
Körperkult und Schönheitswahn sind keine Erfindungen der modernen Gesellschaft. Aber heute bestimmt der Markt die Ideale - und der Körper verkommt zunehmend zum Objekt. |
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