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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 27/2001)

Die Stammzellforschung - Sachstand und ethische Problemstellungen


Christine Hauskeller
Inhalt

I. Die Knochenmark-Transplantation als erste bewährte Stammzelltherapie

II. Die Ausgangslage und die aktuelle Diskussion um die Stammzellforschung

III. Der Stand der Forschung mit Stammzellen von Mäusen und Menschen

IV. Die Fachbegriffe der Stammzelldiskussion

V. Die ethischen und juristischen Probleme der Stammzellforschung

II. Die Ausgangslage und die aktuelle Diskussion um die Stammzellforschung
Diese Hoffnungen auf die Stammzellen als Multifunktionsheilmittel sind erst mit dem Erfolg der Klonierung des Schafes Dolly (1997) und den In-vitro-Züchtungserfolgen von humanen Stammzellen in den Forschungsgruppen um Thomson und Gearhart 1998 [1] zu mehr als einer rein spekulativen Idee geworden. Denn im Falle Dollys wurde aus einer Körperzelle eines Schafes, die in eine entkernte Eizelle injiziert worden war, ein Embryo erzeugt, aus dem sich ein gesundes Schaf entwickelte (ein gesund geborenes Schaf aus ca. 280 solchen Klonierungsversuchen!). Dieser "Klonierungserfolg" lässt es möglich erscheinen, vielleicht sogar aus beliebigen Körperzellen von Menschen einmal die Gewebetypen und Organe zu erzeugen, die man für deren jeweilige Krankheitsbehandlung brauchen könnte. Die Vermehrung von humanen embryonalen Stammzellen in der Petrischale über mehrere Wochen, ohne dass sie ausdifferenzieren, gilt als weiterer wichtiger Schritt in diese Richtung. Damit wurde gezeigt, dass auch humane Embryonalzellen und nicht nur - wie längst bekannt ist - Stammzellen von anderen Säugetieren in Kultur gehalten und vermehrt werden können. Das Fachorgan SCIENCE feierte Ende 1999 die Ergebnisse der Stammzellforschung auf dem Titelblatt und im Leitartikel als "Breakthrough of the Year" [2] und stützte die Hoffnungen auf bald mögliche Therapien mit der Schlagzeile "Capturing the Promise of Youth" [3] .

Die öffentliche Diskussion über die Stammzellforschung hat sich seit Anfang diesen Jahres noch einmal dramatisch intensiviert. Die Stammzellforschung wird dabei zumeist in einem Atemzug mit der Präimplantationsdiagnostik (PID) verhandelt, wie z. B. in der Artikelserie in der Wochenzeitung Die ZEIT Anfang diesen Jahres [4] . Die Kontroverse der EthikerInnen drehte sich dabei um die Benutzung von Embryonen in der Forschung, die deren Tod zur Folge hat, und damit zusammenhängend um die Frage, wie wir die grundgesetzliche und kulturelle Leitidee von der Würde des Menschen weiterhin verstehen und aufrechterhalten wollen. In vielen Tageszeitungen und Fernsehberichten wird über die Forschungsentwicklung und über das ethische Dilemma berichtet, das zwischen zukünftigen Möglichkeiten, verbreitete und bisher unheilbare Krankheiten behandeln zu können, und der dafür notwendigen biotechnologischen Forschung und ihren Erfordernissen besteht.

Am 3. Mai 2001 veröffentlichte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) eine neue Stellungnahme zur Forschung mit humanen Stammzellen [5] , deren für die Forschenden unmittelbar wichtigster Punkt - die Zusage, einen Bonner Forschungsantrag zu fördern, der auf der Arbeit mit aus dem Ausland importierten embryonalen Stammzellen basiert - am nächsten Tag infolge politischer Vetos aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Bundeskanzleramt zurückgenommen wurde. Die DFG ist in dieser Stellungnahme mit der Meinung an die Öffentlichkeit gegangen, dass im Ausland legal hergestellte embryonale Stammzellinien in Deutschland nicht rechtlich verboten sein könnten. Nach den Forschungserfolgen der letzten zwei Jahre müssten zudem die grundrechtlich geschützte Forschungsfreiheit und die hochrangigen Forschungsziele neu abgewogen werden gegen das Verbot der Embryonenforschung im Embryonenschutzgesetz (ESchG). Es sollte auch in Deutschland mit embryonalen Stammzellen geforscht werden dürfen, um deren Potential zu erkunden, allerdings nur, wenn die importierten Linien auch sicher aus überzähligen Embryonen aus der In-vitro-Fertilisation (IVF) stammen.

Diese Forderung in ihren wissenschaftlichen, gesellschaftspolitischen und ethischen Zusammenhängen beurteilen zu können, soll die folgende Rekapitulation des Standes der Forschung mit humanen Stammzellen und der juristischen und ethischen Argumentationen Orientierungen geben.
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10. Februar 2012
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Inhalt
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Gentechnik - Biopolitik
Editorial
Forschung an humanen Stammzellen: ethische und juristische Grenzen
Die Stammzellforschung - Sachstand und ethische Problemstellungen
Zur Problematik der Präimplantations-
diagnostik
Vom genetischen Wissen zum sozialen Risiko: Gendiagnostik als Instrument der Biopolitik
Neue Formen gespaltener Elternschaft
Fortpflanzungsmedizin im europäischen Rechtsvergleich
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Die Neuerungen auf den Gebieten der Bio- oder Nanotechnologie haben die Frage nach möglichen Grenzen wissenschaftlichen Handelns aufgeworfen. Aber was nützt ein Verbot in Deutschland, wenn gen- und biotechnische Forschungen überall sonst erlaubt sind?
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