|
|
 |

 |

Schriftenreihe (Bd. 386)
 |
 |
 |
 |
 |
5.3 Biometrie |

 |
 |
|
 |
|

Einsatzgebiete von biometrischen Technologien |
   |
 |
 |
 |
 |
 |
Bewachung
Identität hat etwas mit Verortbarkeit zu tun. In weniger mobilen Gesellschaftsformen ist der Ort ein aussagekräftiges Kriterium für die Identität einer Person. Vor dem industriellen Zeitalter wurde der Zugang zu bestimmten Orten durch Wachpersonal reguliert. Diese identifizierten die ankommenden Personen und entschieden dann, ob der Person tatsächlich der physische Zugang zu einem bestimmten Ort wie einer Stadt, einem Gebäude oder einem Fortbewegungsmittel genehmigt wurde.
In den modernen Gesellschaften wurde die Eindeutigkeit des Ortes geschwächt, die körperliche Mobilität hat enorm zugenommen. Die Virtualisierung von Orten findet speziell seit der Verbreitung von elektronischen Kommunikationstechnologien statt, wo der Raum zum virtuellen Raum wird. Die Frage nach der eigenen Identität ist nicht mehr an einen physischen Ort gebunden. Die in höchstem Maße mobilen und virtualisierten sozialen Kontexte erfordern daher neue Technologien der Identifikation im Hinblick auf die Zugangskontrolle, welche man sich von der Biometrie erhofft.
|
 |
 |
 |
 |
 |
Web-Seite von Visionics
© Visionics, Inc.
Körperliche Zugangskontrolle
Dies ist der größte Anwendungsbereich von biometrischen Technologien und auch der Bereich, bei dem der Vergleich mit dem feudalen Wachpostensystem am passendsten ist. Die körperliche Zugangskontrolle mittels biometrischer Technologien kam ursprünglich vorwiegend beim Militär und anderen Hochsicherheitsanlagen zum Einsatz, mittlerweile hat sich der Anwendungsbereich allerdings stark verbreitert. Biometrische Technologien für die Zugangskontrolle werden bereits in Schulen, Supermärkten, Spitälern und Einkaufszentren verwendet, wo sie den Zutritt des Personals regeln.
Eine elektronische Variante des feudalistischen Bewachungssystems ist in den USA bereits an mehreren Grenzübergängen im Einsatz, um „riskante“ Reisende aus der Menge herauszufiltern. Als Nebeneffekt hat die Effizienz dieser Inspektionssysteme dazu geführt, dass die Anzahl der Drogenbeschlagnahmungen gestiegen ist, da den Inspektoren mehr Zeit zur Verfügung steht, Fahrzeuge zu untersuchen, die mit einem hohen Risikofaktor eingestuft sind.
Biometrische Kontrollsysteme verhindern aber nicht nur, dass Personen in bestimmte Bereiche oder Orte eindringen können, sondern auch, dass sie aus bestimmten Gebäuden, wie beispielsweise aus Gefängnissen, herauskönnen.
Zugang zu Rechten
In manchen Ländern, wie unter anderem in Mexiko und Spanien, werden Identifizierungskarten mit digitalisierten Fingerabdrücken bei Wahlen verwendet.
Biometrische Identifizierungstechnologien halten aber auch im Gesundheitswesen vieler Staaten Einzug, mit der Begründung, ungerechtfertigte Inanspruchnahme von Leistungen zu verhindern, wie etwa in der kanadischen Provinz Ontario.
Zugang zum virtuellen Raum
Dieser Bereich beinhaltet Zugang zu Computerinformationen, wie beispielsweise den Zugriff auf Datenbanken. Statt ein Passwort einzutippen, könnten die Anwender beispielsweise ihren Fingerabdruck, ihre Iris oder ihr ganzes Gesicht von einem in den Computermonitor integrierten Gerät lesen lassen.
Biometrie und Überwachung
Biometrische Technologien sind nicht automatisch Überwachungstechnologien. Als Technologien, die zu Identifizierungszwecken verwendet werden, liefern sie aber einen wichtigen Beitrag zur Überwachung. Mit Hilfe von Kombinationen aus Gesichtserkennungssystemen, Kamerasystemen und Polizei-Datenbanken werden öffentliche Plätze überwacht und einzelne Personen herausgefiltert. Diese Art von biometrisch verstärkter Kameraüberwachung ist insbesondere in Großbritannien im Einsatz; der Londoner Stadtteil Newham ist bereits flächendeckend mit Kameraüberwachung ausgestattet
(s. oben, Überwachung des öffentlichen Raumes).
Bei biometrischen Anwendungen im Bereich der Zugangskontrolle ist der Dateneingabeprozess den Anwendern bewusst. Im Unterschied dazu wirft die laufende Datenentnahme bei den biometrischen Anwendungen in der Überwachung kritische Fragen auf, da die Datenentnahme von den betreffenden Personen nicht wahrgenommen wird. |
 |
 |
|
 |
10. Februar 2012
 |
|