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Schriftenreihe (Bd. 386)
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5.3 Biometrie |

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Alle biometrischen Technologien sammeln biometrische Personendaten. Sind diese Daten einmal vom System erfasst, können sie im Grunde jeder beliebigen anderen Stelle zugänglich gemacht werden, ohne dass dies der betroffenen Person bekannt wird. Diese Daten können vielen unterschiedlichen Verwendungszwecken zugeführt werden, die möglicherweise die Privatsphäre einer Person verletzen.
Aus technischer Sicht ist es einfach, biometrische Daten mit anderen Personendaten aus Behörden- oder Firmendokumenten abzugleichen. Damit wären wir dem transparenten Bürger und dem Kunden, dessen Datenkörper außerhalb seiner eigenen Kontrolle liegt, einen Schritt näher. Auch wenn biometrische Technologien oft als Beschützer der persönlichen Daten und als Sicherheitstechnologie gegen den "Identitätenraub" vorgestellt werden, können sie auch zum Fortschritt der Big-Brother-Technologien beitragen.
Die Kombination aus personalisierten Akten und biometrischen Daten bietet ein enormes Kontrollpotenzial. Auch wenn sich niemand in der Regierung oder der Industrie zu solchen Intentionen bekennt, ist es interessant, dass führende Firmen wie EDS (Electronic Data Systems, www.eds.com), die auf Datenmanagement spezialisiert sind, auch biometrische Systeme an die Geheimdienste der Regierung und der Industrie liefern.
Biometrische Technologien werden zu Identifizierungszwecken verwendet. Die Geschichte zeigt, dass Identifizierungsmechanismen eine notwendige Voraussetzung für Machtausübung sind. Dabei werden jeweils nur die Personen geschützt, die nicht in Konflikt mit dieser Macht stehen. Sollte die Digitalisierung des Körpers mittels biometrischer Technologien tatsächlich so weite Verbreitung finden, wie es sich ihre Befürworter erhoffen, so könnte sich ein neues, elektronisches feudales System entwickeln. In diesem System würden die Menschen als Datenkörper erfasst.
Die Freiheit, sich zu bewegen, zu handeln, zu kommunizieren wird dadurch begrenzt, dass es Kontrollinstanzen gibt, die über jede Bewegung, über jeden Austausch Bescheid wissen. Die Bürger würden zu „digitalen Untertanen“, die Macht selbst bleibt dabei unsichtbar: während die Wachposten der mittelalterlichen Städte durch ihre Uniformen identifizierbar waren, sind biometrische Technologien nur mehr reine Masken, hinter denen sich kein wahres Gesicht verbirgt. Eine Situation, die manche an Kafkas Roman "Das Schloss" erinnern mag: auch hier ist die Autorität durch ihre Abwesenheit auf besondere Weise präsent. |
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10. Februar 2012
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