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Informationen zur politischen Bildung (Heft 280)

Globaler Terrorismus


Ulrich Schneckener
Inhalt

Einleitung

Al-Qaida als Prototyp

Charakteristika terroristischer Gewalt

Andere Formen politischer Gewalt

Entwicklung des Terrorismus

Internationale Ausweitung

Bekämpfungsstrategien

Charakteristika terroristischer Gewalt
Obgleich es sich um ein transnationales Netzwerk handelt, verfolgt al-Qaida im Grundsatz ein ähnliches Kalkül wie herkömmliche Terrorgruppen. Obgleich es keine völkerrechtlich verbindliche Terrorismusdefinition gibt, lässt sich ganz allgemein festhalten: Terrorismus ist eine Gewaltstrategie nicht-staatlicher Akteure, die damit nach eigener Aussage politische Ziele durchsetzen wollen.

Diese Gewaltstrategie setzt im Wesentlichen auf psychische Effekte. Terroristen sind nicht in der Lage, Territorien zu erobern oder dauerhaft zu kontrollieren. Ihr Ziel ist es vielmehr, eine Bevölkerung insgesamt, bestimmte Gruppen oder Einzelpersonen zu schockieren und einzuschüchtern. Oftmals richtet sich die Gewalt gegen Ziele mit hohem Symbolgehalt (zum Beispiel religiöse Orte, Denkmäler, Handels- und Bankenzentren, Polizeistationen und Militäreinrichtungen, Regierungs- und Parlamentsgebäude), um den Gegner zu provozieren oder zu demütigen.

Gleichwohl geraten immer wieder - wie Beispiele aus Nordirland, dem Nahen Osten oder Sri Lanka belegen - auch öffentliche Verkehrsmittel, Restaurants, Cafés, Diskotheken oder Marktplätze in das Fadenkreuz von Terroristen, die damit signalisieren, dass es im Prinzip jeden/jede treffen kann. Zudem greifen Terroristen nicht selten zu Geiselnahmen und Entführungen, um etwa Inhaftierte freizupressen oder den Staat zu bestimmten politischen Maßnahmen zu zwingen.

Panik und Schockeffekte sind das eine, die Mobilisierung von Sympathisanten und Unterstützern sowie die Radikalisierung von politisch nahe stehenden Bewegungen sind das andere strategische Motiv terroristischer Aktivitäten. Terroristen verstehen sich dabei typischerweise als Avantgarde, die sich für die "Unterdrückten" einsetzt. Daraus speist sich das Bewusstsein moralischer Überlegenheit, mit der sie ihre eigentlich unmoralischen Taten vor sich selbst und anderen rechtfertigen.

Allerdings wird die gewünschte Mobilisierung von Sympathisierenden in aller Regel weniger durch die Anschläge selbst erreicht als vielmehr durch die Gegenreaktionen, die sie beim Adressaten hervorrufen. Die Attentate sollen den Gegner zu möglichst brutalen und unverhältnismäßigen Maßnahmen provozieren, die ihn, so das Kalkül der Terroristen, "entlegitimieren" und "demaskieren". Die Provokation der Anschläge dient damit der Entlarvung des vermeintlich Angegriffenen als des eigentlichen "Aggressors". Terroristen setzen insofern auf eine Eskalation, bei der sie von der Rolle der Angreifer in die der Angegriffenen wechseln können.

Kriminelle Aktivitäten

Die Entwicklung der meisten terroristischen Gruppen zeigt, dass mit der Zeit die eingesetzten Mittel zum Selbstzweck werden bzw. zur Sicherung der ökonomischen Basis der Terrororganisation dienen. Deshalb entfalten Terroristen eine Reihe von kriminellen Aktivitäten, die keine primär politischen Ziele haben, sondern der Beschaffung von Finanzen dienen. Dazu gehören Banküberfälle, Geiselnahmen, Entführungen und Erpressungen, aber auch verstärkt die Beteiligung am Waffen-, Menschen- und Drogenhandel. Terroristische Organisationen wie zum Beispiel die baskische ETA, die kurdische PKK oder die nordirische IRA weisen daher zwangsläufig eine enge Verbindung zur organisierten Kriminalität auf, ohne sich aber selbst als kriminell zu begreifen.
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10. Februar 2012
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