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Informationen zur politischen Bildung (Heft 280)
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Globaler Terrorismus |

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Ulrich Schneckener
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Internationale Ausweitung |
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Im Unterschied zu seinen Vorläufern erreicht der globale bzw. transnationale Terrorismus, paradigmatisch verkörpert durch islamistische Netzwerke vom Typ al-Qaida, ein globales Gefährdungspotenzial. Deshalb stufte der UN-Sicherheitsrat die Anschläge vom 11. September als Gefahr für den Weltfrieden und die internationale Sicherheit ein. Angriffspunkt ist nämlich nicht eine spezifische nationale, sondern die bestehende internationale Ordnung. Die Angriffe richten sich dabei in erster Linie gegen die Weltmacht USA und ihre Verbündeten. Das Ziel besteht darin, den Einfluss des "Westens" aus jenen Regionen zurückzudrängen, die in den Augen der Terroristen als islamisch gelten.
Der globale Terrorismus setzt dabei auf transnationale Ideologien: Religion bietet sich hier vorrangig an, aber auch andere Konzepte, die den traditionellen Nationalstaat überwinden wollen, sind als Anknüpfungspunkte denkbar (Pan-Nationalismen). Unter den Vorzeichen dieser Ideologie werden Kämpfer und Attentäter mit unterschiedlichem nationalen, ethnischen oder sprachlichen Hintergrund zu einer handlungsfähigen Gemeinschaft geformt. Neben al-Qaida gibt es noch weitere Gruppen, die diese Merkmale zumindest in Ansätzen aufweisen, darunter vor allem das südostasiatische Netzwerk Jemaah Islamiyah, das den Zusammenschluss mehrerer Staaten (Malaysia, Indonesien, Singapur, Süd-Philippinen) zu einem islamischen Staat propagiert und damit die regionale Ordnung ändern will.
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Quellentext
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Terror der Aum-Sekte [...] In der politischen Kommentierung auf die Ereignisse vom 11. September 2001 wurde vor allem in Europa und Deutschland wiederholt angeführt, dass man derartige terroristische Planungen nicht habe erkennen können [...]. Damit blendet man jedoch nicht nur die weltweiten Erkenntnisse des internationalen Terrorismus vor allem in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre aus, sondern vor allem auch die Ereignisse von 1995 mit dem Giftgasanschlag von Aum-Shinrikyo, die keineswegs nur eine japanische Sekte war [...]. Bei dem Anschlag vom 20. März 1995 in Tokio verloren zwölf Menschen ihr Leben und über 5500 weitere Personen wurden verletzt, als im U-Bahnsystem der japanischen Hauptstadt ein Sprengsatz gezündet wurde. Das Attentat erregte weltweite Aufmerksamkeit, da die Attentäter sich einer neuen Form des Terrors bedienten: Ursache der Todesfälle war nicht ein konventioneller Sprengstoff, sondern das Nervengas Sarin. [...]
Die japanischen Ermittler fanden heraus, dass nicht nur Sarin, sondern auch Tabun, Soman und VX in den Labors von Aum produziert wurden. Weiterhin wurden intensive Forschungen und Entwicklungsprogramme für die Produktion von biologischen Waffen betrieben, in denen die Verwendung von Botulismus- und Anthrax-[Erregern] getestet wurden. [...]
Die meisten Informationen über die Herstellung chemischer Substanzen erhielt die Aum-Sekte dabei über kurze Recherchen im Internet. [...] Tatsächlich waren für Aum die USA die Hauptbezugsquelle nicht nur für Programme zur Entwicklung von Massenvernichtungswaffen, sondern auch für sein gewaltiges Geschäftsimperium.
[...] Aum-Mitglieder verschafften sich Zugriff auf die Datenbank des Brookhaven National Laboratory (BNL) in New York [...]. Die Datenbank des BNL gilt als die Datenbank für Informationen über die wichtigsten biochemischen Vorgänge im menschlichen Körper. Das Interesse der Sekte war darauf gerichtet, neue Gifte herzustellen, die bestimmte Moleküle gezielt zerstören oder in ihrer Funktionsweise einschränken können. [...]
Die Aum-Sekte setzte sich selbst auf die Mailingliste der Defense and Reutilization and Marketing Office Agency des Pentagons, die auch zuständig für den Verkauf von militärischer Ausrüstung ist. [...]
Äußerst beänstigend war zudem, dass die Sekte offensichtlich beabsichtigte, ein australisches Territorium mit Uranvorkommen zu erwerben. [...] Offensichtlich war auch der Bau einer Mine in der konkreten Planung, um Uran für die Herstellung von Nuklearwaffen zu fördern. [...]
Frank Umbach, "Einzelaspekte der Kriege der Zukunft - Internationaler Terrorismus im Zeitalter der Globalisierung", in: Die Kriege der Zukunft. epd-Dokumentation 31/2002.
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Dezentrale Netzwerk-Strukturen
Die spezifische Organisationsform des transnationalen Terrorismus sind dezentrale, netzwerkartige Strukturen, die sich ungeachtet regionaler Schwerpunkte über den gesamten Globus erstrecken. Dabei sind mit Blick auf al-Qaida Leitungsebene, Terrorzellen sowie assoziierte und "befreundete" Terrorgruppen in unterschiedlicher Intensität miteinander verbunden. Auszugehen ist von einem Modell, bei dem mehrere Knotenpunkte hochgradig miteinander vernetzt sind, während andere Teile des Netzwerks halb-autonom agieren, ohne dass jedoch die Führungsebene gänzlich an Kontrolle oder Einfluss verliert. Zudem handelt es sich bei al-Qaida um eine multinationale Organisation: Die Rekrutierung neuer Mitglieder kennt keine nationalen Grenzen, sondern findet im Prinzip weltweit statt. Allerdings liegen die Schwerpunkte bei al-Qaida in Nordafrika, in der Golfregion, in Afghanistan und Pakistan sowie in Südostasien.
Finanzquellen und Unterstützung
Der globale Terrorismus verfügt, teilweise begünstigt durch die Globalisierung - zum Beispiel den Wegfall von Kapitalverkehrskontrollen, die Liberalisierung der Finanzmärkte und den Abbau von Grenzkontrollen - über mehrere legale oder illegale Finanzquellen und wird zudem vorrangig von nicht-staatlichen Akteuren unterstützt. Zu diesen zählen Diaspora-Gemeinschaften, Flüchtlinge, reiche Privatleute, Firmen, Stiftungen sowie religiöse oder "wohltätige" Einrichtungen, die gezielt Spendengelder einwerben, von denen ein Teil in das Terrornetzwerk fließt. Dagegen ist die staatliche Förderung oder Duldung, wie sie noch für den internationalen Terrorismus der siebziger und achtziger Jahre typisch war, für den transnationalen Terrorismus eher von sekundärer Bedeutung.
Taktik und Zerstörungspotenzial
Seine taktische Vorgehensweise versetzt ihn in die Lage, mehrere Anschläge parallel zu planen und zeitgleich an unterschiedlichen Orten durchzuführen. Bei größeren Operationen werden mehrere Terrorzellen aktiviert, vorbereitet und - wie beim 11. September - in das Zielgebiet gebracht, um dort in koordinierter Weise zuzuschlagen. Das Zerstörungspotenzial ist deutlich höher als bei herkömmlichen Terrorgruppen, sowohl was die Bereitschaft als auch was die operativen Fähigkeiten zur Zerstörung betrifft. Einkalkuliert werden nicht nur eine hohe Zahl von Todesopfern, sondern auch ökonomische, soziale und psychologische Folgen. Viele Fachleute gehen daher davon aus, dass solche terroristischen Gruppen eher geneigt sind, sich chemische, biologische oder atomare Waffen zu beschaffen und diese auch einzusetzen. |
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10. Februar 2012
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Zahlen und Fakten |
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Globalisierung
Kaum ein Thema wird so intensiv und kontrovers diskutiert wie die Globalisierung. "Zahlen und Fakten" liefert aktuelle Grafiken, Texte und Tabellen zu einem der wichtigsten und vielschichtigsten Prozesse der Gegenwart. |
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