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Informationen zur politischen Bildung (Heft 282)

Zur aktuellen Lage der Weltbevölkerung


Herwig Birg
Inhalt

Einleitung

Trends in hochentwickelten Ländern

Sonderfall Deutschland

Unterschiede in der EU der 15

Wachstumsdynamik der Dritten Welt

Einleitung
Die Länder, Regionen und Gemeinden der Welt, so unterschiedlich sie auch sind, lassen sich im Hinblick auf die demographischen Ursachen ihrer Bevölkerungsveränderungen miteinander vergleichen. Diese werden beeinflusst durch eine natürliche Komponente, die Geburtenbilanz (Geburten minus Sterbefälle auf 100 oder auf 1000 Einwohner) sowie durch die Wanderungsbilanz (Zuwanderungen minus Abwanderungen auf 100 oder auf 1000 Einwohner), die beide in ihrer Summe die Wachstumsrate der Bevölkerung ergeben.
Jedes Land und jede Stadt läßt sich einer der vier Fallgruppen zuordnen: (1) positive Geburtenbilanz, positive Wanderungsbilanz, (2) positive Geburtenbilanz, negative Wanderungsbilanz, (3) negative Geburtenbilanz, positive Wanderungsbilanz, (4) negative Geburtenbilanz, negative Wanderungsbilanz. Die USA haben beispielsweise zu Beginn des 21. Jahrhunderts sowohl eine positive Geburten- als auch eine positive Wanderungsbilanz. In der Türkei ist die Geburtenbilanz positiv, die Wanderungsbilanz negativ, in Deutschland ist es umgekehrt. Beispiele für eine defizitäre Geburten- und Wanderungsbilanz sind Polen und Ungarn.
Deutschland gehört zur Ländergruppe mit Geburtendefiziten. Weil die Geburtendefizite durch Einwanderungsüberschüsse mehr als ausgeglichen werden, wuchs die Bevölkerungszahl beispielsweise im Jahr 2002 einwanderungsbedingt immer noch leicht um ein Promille, obwohl sie eigentlich - das heißt ohne den Ausgleich des Geburtendefizits durch Einwanderungen - seit 1969 (frühere DDR) bzw. 1972 (frühere Bundesrepublik Deutschland) schrumpft.
Deutschland ist also ein Beispiel für den Fall der Verzögerung der Bevölkerungsschrumpfung durch Einwanderungsüberschüsse. Polen und andere Transformationsländer des früheren Ostblocks sind Beispiele für eine Beschleunigung der Bevöl-kerungsschrumpfung durch Abwanderungsüberschüsse.
Die Entwicklungsländer haben zwar wie alle anderen Staaten und die Welt als Ganzes tendenziell jeweils abnehmende Geburtenraten und -überschüsse, aber die Kinderzahlen pro Frau liegen teilweise noch um das Doppelte und mehr über dem Bestandserhaltungsniveau. Daher wächst die Bevölkerung der Entwicklungsländer immer noch.
Die Wachstumsrate der Weltbevölkerung sinkt seit den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, sie wird, wie schon erläutert, voraussichtlich um das Jahr 2070 auf Null gesunken und danach negativ sein. Im Zeitraum 2000 bis 2005 beträgt sie noch 1,2 Prozent pro Jahr. Nach 2070 geht die Weltbevölkerung als Ganzes in die Phase der Bevölkerungsschrumpfung über, während sich das Wachstum der Länder mit hohen Geburtenraten, vor allem der ärmeren Entwicklungsländer, weiter fortsetzt. Die Geburtenbilanz der Industrieländer und ihre Wachstumsrate hängt dann entscheidend vom Umfang der Einwanderungen aus den Entwicklungsländern ab.
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10. Februar 2012
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