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Informationen zur politischen Bildung (Heft 282)
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Zur aktuellen Lage der Weltbevölkerung |

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Herwig Birg
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Trends in hochentwickelten Ländern |
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In den Industrieländern haben sich die Geburtenraten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von 1950-1955 bis 1995-2000 von 2,84 auf 1,58 Lebendgeborene je Frau fast halbiert. Gleichzeitig ist die Lebenserwartung stark gestiegen, sie hat sich beispielsweise in Deutschland bei den Frauen vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts von rund 40 auf 81 Jahre und bei den Männern von rund 35 auf 76 Jahre mehr als verdoppelt.
In Deutschland haben sich die Geburtenzahl und die Bevölkerungszahl seit dem 19. Jahrhundert stark auseinander entwickelt. Hier bekommt seit 150 Jahren tendenziell jeder Geburtsjahrgang - mit Ausnahme der um 1932 geborenen Frauen - weniger Kinder als der jeweils vorangegangene:
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Die Verwendung dieser Grafik ist honorarpflichtig.
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Die Verwendung dieser Grafik ist honorarpflichtig.
Deutschland hatte in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts die niedrigste Geburtenrate der Welt, seit den neunziger Jahren nehmen die südeuropäischen Länder Spanien und Italien und die osteuropäischen Staaten diese Position ein. Bei dem Vergleich mit Spanien und Italien muss allerdings berücksichtigt werden, dass der Anteil der zugewanderten Bevölkerung in Deutschland ein Vielfaches des Anteils in Italien beträgt. Da die Geburtenzahl pro Frau (TFR - siehe Glossar) im Zeitraum 2000 bis 2005 bei den nach Deutschland zugewanderten Frauen schätzungsweise 1,9 und bei den Deutschen 1,2 bis 1,3 beträgt, liegt das gewogene Mittel für Deutschland insgesamt mit 1,37 über dem Wert für die deutsche Bevölkerung und deshalb auch über den Zahlen für Spanien (1,15) und Italien (1,23).
Noch niedriger als in Südeuropa ist die Fertilität (siehe Glossar) in Russland und in den meisten anderen Transformationsländern des ehemaligen Ostblocks. Nach Angaben der Bevölkerungsabteilung der UN gehören im Zeitraum 2000-2005 die im Folgenden aufgeführten Länder zur Gruppe mit den weltweit niedrigsten Geburtenraten, die das Bestandserhaltungsniveau (siehe Glossar) fast um die Hälfte unterschreiten.
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Die Verwendung dieser Grafik ist honorarpflichtig.
Ob eine Bevölkerung ohne Wanderungen schrumpft, konstant ist oder wächst, hängt nicht nur von der Fertilität, sondern auch von der Mortalität (Niveau der Sterblichkeit) bzw. von der Lebenserwartung ab, wobei der Begriff Lebenserwartung als durchschnittliche Lebensdauer für ein neugeborenes Kind (Lebenserwartung im Alter Null) oder als fernere Lebenserwartung für Personen definiert ist, die ein bestimmtes Alter erreicht haben.
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Die Verwendung dieser Grafik ist honorarpflichtig.
Niedrige Geburtenraten führen zu einem Rückgang der Jahrgangsstärken, damit zu einem hohen Durchschnittsalter und als dessen Folge zu mehr Sterbefällen trotz steigender Lebenserwartung. Dadurch wird die Geburtenbilanz und die natürliche Wachstumsrate der Bevölkerung immer kleiner und schließlich negativ. Da die nichtgeborenen Kinder zwanzig oder dreißig Jahre später, wenn sie selbst Kinder gehabt hätten, als Eltern fehlen, setzt sich der Prozess der Bevölkerungsschrumpfung automatisch von Generation zu Generation fort. Die schon bei der Beschreibung des Bevölkerungswachstums erläuterten Faktoren wirken sich also auch bei der Schrumpfung aus, nur in entgegengesetzter Richtung: Begriffe hierfür sind "Schwung", "Trägheit" und "Eigendynamik der Bevölkerungsschrumpfung".
Die Intensität der Bevölkerungsschrumpfung ist um so stärker, je niedriger die Geburtenrate ist und je weiter sie unter das Bestandserhaltungsniveau sinkt. Deshalb ändert sich die Rangfolge der Länder mit der stärksten Bevölkerungsschrumpfung ständig. Nach den Vorausberechnungen der Bevölkerungsabteilung der UN gehören heute vor allem die Staaten des früheren Ostblocks zur Gruppe mit der intensivsten Bevölkerungsschrumpfung. Infolge der Trägheit der demographischen Prozesse ist diese Schrumpfung für Jahrzehnte unumkehrbar.
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Die Verwendung dieser Grafik ist honorarpflichtig.
Wenn die Kinderzahl pro Frau bei der deutschen Bevölkerung wie in den vergangenen Jahrzehnten auf dem Niveau von 1,2 bis 1,3 konstant bleibt, steigt ihr Geburtendefizit vom Zeitraum 2000-2005 bis zum Zeitraum 2045-2050 von rund 215000 auf 720000 Personen pro Jahr, und ihre jährliche Schrumpfungsrate nimmt von -0,29 auf über ein Prozent zu. Die Schrumpfungsrate der deutschen Bevölkerung (-0,29 Prozent) ist dabei höher als die der Gesamtbevölkerung (-0,19 Prozent), weil diese die wachsende Gruppe der Zugewanderten enthält.
Die Bewegung der Länder weltweit in Richtung auf die Bevölkerungsschrumpfung gleicht einem Geleitzug von Schiffen, dessen Spitze die Länder mit den niedrigsten Geburtenraten bilden.
In der folgenden Übersicht auf Datengrundlage der UN-Population Division ist der Beginn der Bevölkerungsschrumpfung für das jeweilige Land in Klammern angegeben:
- Länder mit einem besonders frühen Beginn der Bevölkerungsschrumpfung durch Geburtendefizite:Das weltweit erste Land mit natürlicher Bevölkerungsschrumpfung war Deutschland, davon neue Bundesländer erstmals 1969, alte Bundesländer 1972.
- Bevölkerungsschrumpfung durch Geburtendefizite seit den neunziger Jahren des 20.Jahrhunderts: Transformationsländer des früheren Ostblocks, darunter Russland, Kasachstan, Ukraine, Bulgarien, Rumänien, Polen, Ungarn (seit 1980-1985), Tschechien (seit 1980-1985), Estland, Lettland, Litauen.
- ... seit 1995/2005:
Italien (1995-2000), Spanien (1995-2000), Griechenland (1995-2000), Schweden (1995-2000),Österreich (2000-2005), Belgien (2000-2005),Dänemark (2000-2005), Finnland (2000-2005).
- ... ab 2005:
Portugal (2005-2010), England (2005-2010), Jugoslawien (2005-2010), Japan (2005-2010).
- ...ab 2010/2025:
Niederlande (2010-2015), Frankreich (2025-2030), Kuba (2025-2030).
- ... ab 2030/2040:
Luxemburg (2030-2035), Norwegen (2030-2035), Kanada (2030-2035), Singapur (2030-2035), Süd-Korea (2030-2035), China (2040-2045).
Unter den Industrieländern sind die USA mit einer relativ hohen Geburtenrate von rund zwei Lebendgeborenen pro Frau ein Sonderfall. Dort ist deshalb in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts weiterhin mit einer positiven Geburtenbilanz (und einer positiven Wanderungsbilanz) zu rechnen. Nach den Vorausberechnungen der UN wächst die Bevölkerungszahl der USA von 2000 bis 2050 von 285 auf 355 Millionen (untere Variante der Vorausberechnungen) bzw. 408 Millionen (mittlere Variante) und 470 Millionen (obere Variante).
Für die Gruppe der Industrieländer als Ganzes beginnt die Bevölkerungsschrumpfung nach den Berechnungen der UN im Zeitraum 2010 bis 2015. In den Entwicklungsländern und in der Welt insgesamt setzt sich das Bevölkerungswachstum auf Grund von Geburtenüberschüssen auch in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts fort. |
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09. Februar 2012
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