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Informationen zur politischen Bildung (Heft 296)

Politische Entwicklung seit der Unabhängigkeit


Joachim Betz
Inhalt

Einleitung

Ära der Nehru- und Gandhifamilien

Tendenzen der 1990er Jahre

Entwicklungen seit 2000

Einleitung
Indien wurde am 15. August 1947 vergleichsweise überstürzt und ohne die Gebietsteile des muslimischen Separatstaates Pakistan in die Unabhängigkeit entlassen, nachdem alle Versuche der britischen Kolonialregierung, zumindest noch eine lockere Einheit Gesamtindien zu wahren, nicht gefruchtet hatten. Zu sehr hatten sich die Kongresspartei, die führende gesamtindische Bewegung des indischen Unabhängigkeitskampfes, und die auf einen eigenen Staat hinarbeitende Muslimliga bereits auseinander entwickelt. Der Teilungsplan des britischen Vizekönigs Lord Mountbatten trug dem Rechnung: Die überwiegend muslimischen Distrikte sollten an Pakistan, die hinduistischen an Indien fallen; die beiden Länder sollten eine je eigene Verfassung haben. Doch auch bei dieser Lösung lebten nur zwei Drittel der Muslime in Pakistan, ein Drittel verblieb in Indien. Die Fürstentümer, darunter auch Kaschmir, sollten sich für die Zugehörigkeit zu einem der beiden Staaten entscheiden.

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Verwendung dieser Grafik ist honorarpflichtig.

Die Teilung wurde zu einer menschlichen Tragödie; wenige Tage danach wurden die jeweiligen Minderheiten (vor allem im Grenzgebiet) Opfer gewalttätiger Gruppen. Insgesamt waren ungefähr eine Million Tote zu beklagen; zwölf Millionen Menschen mussten auf beiden Seiten fliehen. Der politische und geistige Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung Mahatma Gandhi, der sich für eine faire Behandlung Pakistans eingesetzt hatte, wurde am 30. Januar 1948 von einem Hindu-Fanatiker erschossen. Jedoch wurde Indien nicht nur mit Problemen in die Unabhängigkeit entlassen: Anders als viele Entwicklungsländer erbte es von der scheidenden Kolonialmacht einen effizienten Beamtenapparat, eine professionelle Armee, eine unabhängige Justiz und nicht zuletzt ein repräsentatives demokratisches Regierungssystem.
Ein unmittelbares Problem nach der Teilung war die Integration der Fürstenstaaten. Besonders schwierige Fälle stellten Hyderabad und Kaschmir dar. In Hyderabad hoffte der muslimische Herrscher auf internationale Anerkennung als unabhängiger Staat, brachte aber die Unruhen seiner weitgehend hinduistischen Bevölkerung nicht unter Kontrolle. Indische Truppen marschierten im August 1948 ein. In Kaschmir regierte ein hinduistischer Maharajah eine überwiegend muslimische Bevölkerung. Der autoritäre Herrscher suchte trotz gegenläufiger Interessen der Nationalkonferenz, der politisch dominanten Partei in Kaschmir, die Unabhängigkeit und handelte mit Pakistan und Indien ein Stillhalteabkommen aus. Pakistan nutzte die folgenden internen Unruhen zur Einschleusung von "Freiwilligen", die später von regulären Truppeneinheiten abgelöst wurden. Der Maharajah erbat indische Unterstützung und unterzeichnete ein Beitrittsabkommen. Nach Vertreibung der Interventionskräfte durch die indische Armee wurde eine demokratische Landesregierung in Kaschmir eingesetzt. Die Kämpfe zwischen Pakistan und Indien dauerten jedoch an, bis ihnen 1949 ein durch die Vereinten Nationen vermittelter Waffenstillstand, der faktisch eine Zweiteilung Kaschmirs bedeutete, ein Ende setzte.
Die noch nach der alten Verfassung gewählte Konstituierende Versammlung entwarf nach der Unabhängigkeit die neue Verfassung der Indischen Republik, die 1950 in Kraft trat und einen föderalen Staat mit starken zentralistischen Elementen schuf. Die neuen Bundesstaaten fassten zunächst Bevölkerungen unterschiedlicher Muttersprachen und kultureller Identität zusammen. Als in den 1950er Jahren das Begehren nach Schaffung homogener Einheiten wuchs, setzte die Regierung einen Reorganisationsausschuss ein, der die Neubestimmung der Grenzen auf Grundlage der Muttersprache der Bewohner vornahm. 1952 fanden in Indien die ersten freien Wahlen statt, in denen die Kongresspartei als stärkste politische Kraft bestätigt wurde.
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10. Februar 2012
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Indien: Rund 1,1 Milliarden Menschen leben hier auf einer Fläche, die knapp neun Mal so groß wie Deutschland ist. Es ist die größte Demokratie der Welt – und die vielfältigste dazu.
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