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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 44-45/2006)

Editorial


Katharina Belwe

Stände, Kasten, Klassen, Schichten und Milieus sind Begriffe zur Kennzeichnung der sozialen Struktur von Gesellschaften. Wie diese sich im Lauf der Geschichte verändert haben, so wandelten sich auch die sie beschreibenden Begriffe.

Die mittelalterliche und frühneuzeitliche Gesellschaft etwa gliederte sich in Stände. Der Terminus "Klasse", den Karl Marx für die Stellung der Mitglieder einer Gesellschaft im kapitalistischen Produktionsprozess prägte, reicht bis in unsere Zeit hinein. Dieser relativ starre Begriff ist im Verlaufe des 20. Jahrhunderts um den der Schicht erweitert worden. Zwischen den Klassen der Besitzenden und Nichtbesitzenden wurde auf diese Weise eine vertikale Struktur sozialer Ungleichheit eingezogen. Als wesentliche Kriterien der Schichtzugehörigkeit galten und gelten Bildung, Beruf, Einkommen und Macht. Diese verloren zwar in den achtziger Jahren zugunsten von Werthaltungen, Mentalitäten und Prinzipien der Lebensführung, welche den Milieubegriff ausmachen, tendenziell an Bedeutung. Inzwischen ist aber erkannt worden, dass die Gesellschaft ungeachtet aller Differenzierung, Pluralisierung und Individualisierung nach wie vor eine vertikale Struktur aufweist: Soziale Milieus sind nicht unabhängig vom Bildungsgrad, der beruflichen Stellung und dem Einkommen zu sehen, was erst recht für den Lebensstil gilt - ein weiterer Begriff zur Gruppenbildung in der Gesellschaft.

Das Wissen, das die Milieu- und Lebensstilforschung über das jeweilige Verhalten unterschiedlicher sozialer Gruppen der Gesellschaft zu Tage fördert, wird insbesondere von den angewandten Sozialwissenschaften, allen voran der Marktforschung, genutzt.
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10. Februar 2012
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