Die bpbBestellenNewsletterPressePartnerImpressumKontakt

Home
   
FAQ Index
Suche

Themen
Publikationen
Arbeitsmaterialien Medien
Aus Politik und Zeitgeschichte
AV-Medienkatalog
CD-ROM/ CD/ DVD
Einzel-
publikationen
Entscheidung im Unterricht
Filmhefte
fluter
HanisauLand
Informationen zur politischen Bildung
Info aktuell
Internet-Angebote
Mobile Angebote
Karten
Pocket
Rechtsreihe
Schriftenreihe
Spicker Politik
Thema im Unterricht
Themenblätter im Unterricht
Themen und Materialien
Zeitbilder
Spiele
Sonstige
Was geht?
Suche
Veranstaltungen
Wissen
Lernen


Aus Politik und Zeitgeschichte (B 50/2000)

Nationalismus und Patriotismus in den frühen Jahren der DDR


Michael Lemke
Inhalt

I. Einleitung

II. Nationale Ansprüche und Ziele

III. Patriotische Dispositionen in der SED-Führung?

IV. Nationalismus versus "Amerikanismus" und Westintegration

V. Patriotismus als integrativer Faktor?

VI. Die Ambivalenz von Nationalismus und Patriotismus bei der Legitimierung des eigenstaatlichen Weges

VII. Schlussbemerkungen

I. Einleitung
Die Gründung der beiden deutschen Staaten im Jahr 1949 hatte den vom Kalten Krieg angetriebenen Spaltungsprozess nur formal abgeschlossen. Seiner Vertiefung schien vor allem entgegenzuwirken, dass sich die Menschen in beiden Teilstaaten als Deutsche fühlten und sie in dem Bewusstsein handelten, nicht nur Angehörige einer Nation, sondern eines nur vorübergehend suspendierten Einheitsstaates zu sein. Zwar hatten sich in Politik und Gesellschaft "hüben und drüben" seit 1945 bereits wesentliche Unterschiede und eine Tendenz zur innerdeutschen Abgrenzung herausgebildet, doch sah man Deutschland diesseits nicht anders als jenseits von Elbe und Werra als gemeinsames Vaterland und bezeichnete dessen Bewohner unterschiedslos als Landsleute, "Brüder und Schwestern" oder einfach als Deutsche. Dies war im Alltag genauso der Fall wie in offiziellen Verlautbarungen. Die Zeitzeugnisse belegen ein erhöhtes Problembewusstsein in der Deutschen Frage - nämlich die Wiedervereinigung -, aber auch, dass die Perspektive eines für lange Zeit gespaltenen Vaterlandes für die meisten Betroffenen kaum denkbar, geschweige denn akzeptabel zu sein schien.

Zur Person
Michael Lemke
Dr. phil. habil., geb. 1944; Projektleiter am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam; zur Zeit Lehrstuhlvertreter (Zeitgeschichte) an der Martin-Luther-Universität Halle/Wittenberg.

Anschrift: Reinhardtstr. 11, 10117 Berlin; Institut für Geschichte, Martin-Luther-Universität Halle/Wittenberg, 06099 Halle.

Veröffentlichungen u. a.:Fremdbestimmung und Handlungsspielräume: Perioden und Zäsuren der SED-Deutschland- und Außenpolitik, in: Wolfgang Küttler/Walter Schmidt (Hrsg.), Der Ost-West-Konflikt und sein Ende, Berlin 1998.

Zum einen besaßen sie keine andere als ihre gesamtdeutsche Erfahrung, zum anderen dachten sie durchaus "zweckpatriotisch", wenn sie den Einheitsstaat als die Grundbedingung für die Überwindung der Kriegsfolgen - letztendlich für die Sicherung der eigenen Existenz - ansahen. Überdies unterschätzten die meisten von ihnen die Dynamik des Kalten Krieges; der Glaube, die Russen und Amerikaner würden sich über Deutschland schon irgendwie einigen, war allgemein verbreitet. Zwar erkannten inzwischen große Bevölkerungskreise, welche Verbrechen der Nationalsozialismus begangen hatte, doch waren ihnen weder deren ganze Tragweite und alle damit verbundenen Konsequenzen bewusst, noch hatte der Antifaschismus in beiden deutschen Staaten wirklich breiten Boden gefasst [1] . Kriegsleid, Flucht und Vertreibung sowie der Schmerz über - auch territoriale - Verluste überdeckten notwendige Denk- und Läuterungsprozesse, die von vielen immer noch als Ausdruck einer fremdgesteuerten Entnazifizierung - weniger einer Demokratisierung aus innerem Antrieb - gesehen wurden.

Die Schwere der nationalsozialistischen Verbrechen und ein häufig verdrängtes Schuldbewusstsein verzögerten die subjektive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und trugen dazu bei, dass die notwendige kritische Distanz zur NS-Zeit und zum eigenen Verhalten nur zögerlich zustande kam. Diese Verdrängung der Schuld wurde auch von einer Politik begünstigt, die dem Wiederaufbau in beiden deutschen Staaten den Vorrang vor einer "Vergangenheitsbewältigung" gab. Zudem lenkte der immer noch schwierige Alltag von der Frage ab, inwiefern der deutsche Nationalismus [2] zum Nationalsozialismus und somit mittelbar zur Spaltung des Landes beigetragen hatte. Die Teilung und ihre Folgen stärkten das Zusammengehörigkeitsgefühl und ließen das Empfinden einer grenzüberschreitenden Schicksalsgemeinschaft entstehen: Alliierte Kontrolle, Produktionsbeschränkungen, Demontagen und Reparationen waren für viele Patrioten auch antideutsche Akte. Und wer von ihnen konnte in dieser Beziehung klar zwischen westlichem Besatzungsdirigismus und sowjetischer Systemtransformation unterscheiden? Doch waren die meisten Deutschen bereit, Demokratie zu erlernen. Aber sie wollten dabei ihre nationale Identität wahren. Eine andere als diese kannten sie nicht. Supranationale oder andere integrative Modelle wurden von der Bevölkerung in beiden Staaten noch nicht als Möglichkeit eines neuen Selbstverständnisses wahrgenommen; auch die Vorstellungen über die Wiedervereinigung gingen über nationalstaatliche Denkschemata nicht hinaus.
Themen | Wissen | Veranstaltungen |
Publikationen | Lernen |
Die bpb | Bestellen | Newsletter | Presse | Partner |
Impressum | Datenschutz | Kontakt | Home
10. Februar 2012
Druck-Version
Artikel versenden
Inhalt
Bild vergrößern
Zeitgeschichte
Editorial
Sind die Westdeutschen amerikanisiert worden?
Nationalismus und Patriotismus in den frühen Jahren der DDR
Arbeiter im "Arbeiterstaat"
Die politische Rolle des Protestantismus in der Nachkriegszeit
Lexikonsuche
Suchwort:
Lexika: