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Informationen zur politischen Bildung (Heft 254)
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Weg zur Gleichberechtigung |

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Gisela Helwig
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In Deutschland setzte sich im selben Jahr bemerkenswerterweise ein Mann für die Rechte der Frauen ein. Geistreich und witzig focht Theodor Gottlieb von Hippel mit seinem Traktat "Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber" für die Abkehr von der Männerherrschaft. Immanuel Kant, zu dessen Freundeskreis der Staatsmann und Schriftsteller Hippel gehörte, dürfte das kaum gefallen haben. Der zeitlebens unverheiratet gebliebene Königsberger Philosoph stellte vielmehr 1798 in seiner "Anthropologie" den wissenschaftlichen Interessen des Mannes die sozialen Interessen der Frau als "weiblichen Geschlechtscharakter" gegenüber: Die Frau sei dazu da, dem Mann ein gemütliches Heim zu bereiten, und ihre Freiheit bestehe darin, nicht erwerbstätig sein zu müssen; "tiefes Nachsinnen" schade ihrer Schönheit, "mühsames Lernen oder peinliches Grübeln, wenn es gleich ein Frauenzimmer darin hochbringen sollte, vertilgen die Vorzüge [...], werden die Reize schwächen, wodurch sie ihre Gewalt über das andere Geschlecht ausüben".
Führende Erziehungswissenschaftler im deutschsprachigen Raum - wie Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827), Joachim Heinrich Campe (1746-1818) und Friedrich Fröbel (1782-1852) - stellten häusliche Tugenden in den Mittelpunkt ihrer Theorien zur Mädchenbildung. Das Streben nach Gelehrsamkeit sei dagegen bei Frauen "eine herrschende Seuche unseres Zeitalters", die nur nervenkrank mache, so Campe.
Um weibliche Jugendliche aus der sogenannten besseren Gesellschaft auf ihre Rolle als Hausherrin und Mutter sowie auf künftige Repräsentationspflichten vorzubereiten, entstanden in Deutschland etwa ab 1820 zahlreiche private Höhere Töchterschulen und Mädchenpensionate. Den Schülerinnen wurde dort neben Grundkenntnissen der häuslichen Wirtschaftsführung auch eine - je nach Qualifikation des Lehrpersonals - mehr oder weniger oberflächliche Allgemeinbildung vermittelt, die zur Konversation mit dem zukünftigen Ehemann und Gästen befähigen sollte. Wie in zeitgenössischen Romanen nachzulesen, spielten auch musische Betätigungen - etwa Zeichnen und Klavierspielen - eine Rolle sowie, nicht zuletzt, die Anleitung zu "gesittetem, anmutigem" Auftreten.
Das höhere Schulwesen und die Universitäten blieben weiterhin den Söhnen vorbehalten. Mädchen aus den unteren Ständen hatten außer der Unterweisung in den auf sehr niedrigem Niveau verharrenden Volksschulen so gut wie keine Bildungsmöglichkeiten.
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Quellentext
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Eva, Hexe und Maria
Die allgemeine Einschätzung der Frau im Mittelalter und in der frühen Neuzeit spiegelt sich gleichsam wider im Bild der Eva, der Hexe und der Maria sowie in einem neuzeitlichen, protestantisch geprägten Mutter-Ideal.
Als Eva verkörperte sie nach damals gängiger theologischer Auffassung zugleich Sexualität und Sündenfall, die beide in enger Beziehung miteinander gesehen wurden, sowie Verführung und Verführbarkeit, die die Anfälligkeit für allerlei Teufelswerk in sich barg. Von hier aus war es kein großer Schritt zur Hexe, zum willigen Instrument des Teufels. Die Frau war als Hexe für ihre theologisch gebildeten Zeitgenossen der Inbegriff des Bösen, das seinen Ausdruck wiederum in ihrer Körperlichkeit fand. Ein solches Hexenbild lieferte unter anderem ein willkommenes Deutungsmuster für alle vom kirchlichen Dogma abweichenden Glaubensinhalte und -praktiken. Frauen erfüllten damit auch eine Sündenbock-Funktion.
Weiblichkeit im positiven Sinn wurde mit Maria in Zusammenhang gebracht. In ihrer Gestalt verbanden sich Jungfräulichkeit und Mutterschaft nach Auffassung der Zeit aufs idealste. Wollten Frauen des Mittelalters und der Renaissance ihr Frausein ”ins Positive verkehren”, so mußten sie sich an ihr orientieren, nicht zuletzt an ihrer Demut, die (männliche) Theologen gehörig zu betonen wußten.
Dem katholisch geprägten Frauenideal, das vom Bild der ”gehorsamen Magd Maria” bestimmt wurde, entsprach der von der Reformation entworfene und idealisierte Frauentypus der Hausmutter, die den Fortbestand der Familie garantiert, für das Hauswesen und die Erziehung der Kinder sorgt, sich im übrigen aber willig ganz und gar ihrem Ehemann unterwirft, dem über Frau und Kinder die unantastbare hausväterliche Gewalt zusteht. Dieses frühbürgerliche Frauenbild verdankt wesentliche Züge Martin Luthers Vorstellung von einer christlichen Familie, die gekennzeichnet war von einer geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung, derzufolge ”das Weib für das Hauswesen, der Mann aber für Politik, Kriege und Rechtshändel” geschaffen sei.
Sieht man von den wenigen selbstbewußten und tatkräftigen Frauengestalten einmal ab, die aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit bekannt sind, so zeigt sich deutlich, daß am Ende von Mittelalter und Renaissance die gesellschaftliche und kulturelle Rolle der Frau immer noch beinahe ausschließlich durch ihr Geschlecht bestimmt wurde.
Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung (Hg.), Frauenrollen - Frauenbilder, München 1992, S. 111 f.
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20. März 2010
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