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Informationen zur politischen Bildung (Heft 254)
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Weg zur Gleichberechtigung |

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Gisela Helwig
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Unterschiedliche Richtungen |
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Im Bund Deutscher Frauenvereine (BDF) schlossen sich 34 Gruppierungen der bürgerlichen Frauenbewegung 1894 zusammen. Grundlegende Zielsetzung dieses Dachverbandes war das "organisierte Zusammenwirken der gemeinnützigen Frauenvereine". 1898 wurde als kleinster gemeinsamer Nenner der Mitgliedsverbände "die Förderung des weiblichen Geschlechts in wirtschaftlicher, rechtlicher, geistiger und körperlicher Hinsicht" als Aufgabe in der Satzung verankert. Arbeitsweise und Organisationsstruktur des BDF ließen den in ihm zusammengeschlossenen Gruppierungen genügend Spielraum für ihre jeweiligen Präferenzen. 1905 umfaßte der BDF 190 Verbände und Vereine mit rund 100000 Mitgliedern. Die Gruppe um Helene Lange engagierte sich insbesondere für die Bildungs- und Berufsfreiheit der Frau und entsprechende Bewußtseinsänderungen in der Bevölkerung. Der "rechte Flügel" - konfessionelle Frauenorganisationen, Haus- und Landfrauenvereine - wandte sich mehrheitlich gegen emanzipatorische Bestrebungen, und forderte stattdessen einAufwertung des Berufs der Hausfrau. Vor allem diese Gruppierung leistete zudem Wohlfahrtsarbeit.
Ein zahlenmäßig kleiner Flügel der bürgerlichen Frauenbewegung forderte das Stimmrecht als Vorbedingung für alle anderen Zielsetzungen. Vertreterinnen dieses "linken" Flügels - unter ihnen Minna Cauer, Anita Augspurg (1857-1943), Lida Gustava Heymann (1868-1943), Hedwig Dohm (1833-1919) und Helene Stöcker (1835-1909) - griffen darüber hinaus bislang in der Öffentlichkeit tabuisierte Fragen auf: die soziale Ächtung lediger Mütter, die gesellschaftlichen Ursachen der Prostitution und die sexuelle Doppelmoral. Helene Stöcker gründete 1905 in Berlin den Bund für Mutterschutz und Sexualreform, der Heime für unverheiratete Mütter und ihre Kinder einrichtete und die rechtliche Gleichstellung unehelicher Kinder forderte. Zudem plädierte der Bund für die frühzeitige sexuelle Aufklärung von Jugendlichen und die Abschaffung des Paragraphen 218, der die Strafbarkeit des Schwangerschaftsabbruchs betraf. Hedwig Dohm setzte sich unter dem Motto "Menschenrechte haben kein Geschlecht" für die absolute Gleichstellung von Männn und Frauen im privaten und öffentlichen Recht ein.
Der Verein für Frauenstimmrecht wurde 1902 in Hamburg gegründet, weil dort die Mitgliedschaft von Frauen in politischen Vereinen nicht verboten war. "In ganz Deutschland, im Norden und Süden, im Osten und Westen, von Memel und Königsberg bis an den Bodensee, Konstanz, Lörrach, Schopfheim, von Oldenburg bis Breslau wurden Vorträge über Frauenstimmrecht gehalten. [...] Aber nicht nur durch Vorträge wurden die Frauen für das Stimmrecht geworben, dauernd wurden sie durch Flugblätter, Zeitschriften, Broschüren aufgeklärt" (L. G. Heymann).
In Preußen dagegen war es den Frauen weiterhin verwehrt, auf politischen oder als politisch eingestuften Veranstaltungen zu sprechen. Auf einer internationalen Tagung über gesetzlichen Arbeitsschutz 1902 in Köln wurde Helene Simon polizeilich untersagt, ihr im Programm angekündigtes Referat zu halten. Die bekannte Expertin für Frauenarbeitsschutz mußte in einem abgetrennten, mit der Aufschrift "Nur für Damen" versehenen Teil des Saales Platz nehmen, während ein Mann ihren Text vorlas. Minna Cauer, die ebenfalls stumm hinter der Abgrenzung saß, kommentierte bissig: "Das Referat erschien der Behörde ungefährlich, aber die Frau, die Frau! [...] Höchst gefährlich für die Männer, ebenso gefährlich für die Erhaltung des Staates!"
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Quellentext
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Clara Zetkin
Die führende Theoretikerin, politische Kämpferin und radikale Sozialistin Clara Zetkin-Eißner (1857-1933) war für die Entwicklung der feministisch-sozialistischen Position verantwortlich, welche zuerst von der deutschen sozialistischen Partei und anschließend von der sozialistischen Frauen-Internationalen akzeptiert wurde, eines von ihr gegründeten und geleiteten lockeren Bündnisses. Die Tochter einer Hausfrau und eines Lehrers war eine der ersten deutschen Frauen, die eine offizielle Ausbildung zur Lehrerin erhielten, nämlich am Seminar von Auguste Schmidt, die 1865 auch eine gemäßigte Frauenrechtsbewegung ins Leben gerufen hatte. In den späten 1870er Jahren begegnete Clara Zetkin russischen Exilrevolutionären in Leipzig und wurde Sozialistin. Sie trat 1881 in die Partei ein und verliebte sich im folgenden Jahr in Ossip Zetkin. [...] Nach 1882 lebte das Paar im Pariser Exil als Teil der internationalen sozialistischen Gemeinde. [...]
Da sie selbst durch bittere eigene Erfahrung das schwierige Leben der Frauen der Unterschicht kennengelernt hatte, erklärte Zetkin - zuerst als Repräsentantin der Arbeiterinnen am Kongreß der Zweiten Internationale von 1889, später im gleichen Jahr in ihrem einflußreichen Pamphlet ”Die Arbeiterinnen- und Frauenfrage der Gegenwart” -, daß Sozialismus und Feminismus eng verbunden seien. In Erweiterung der These von Marx, Engels und Bebel, daß die außerhäusliche Arbeit schließlich zur Befreiung der Frauen führen werde, fügte Zetkin ihre feministische Ansicht an, daß die Frauen auch an der männlichen Vormacht litten. [...]
Bonnie S. Anderson/Judith P. Zinsser, Eine eigene Geschichte. Frauen in Europa, Band 2, Zürich 1993, S. 466 ff.
Von 1891-1916 leitete sie die Redaktion der sozialistischen Frauenzeitschrift ”Die Gleichheit”; bis 1919 redigierte sie die Frauenbeilage der ”Leipziger Volks-Zeitung”. [...] Ihre anfänglich führende Stellung in der Zentrale der KPD verlor sie bereits 1921, ohne daß dadurch ihr Aufstieg in der Hierarchie der Kommunistischen Internationale unterbrochen wurde. Obwohl während der ganzen Dauer der Weimarer Republik in den Deutschen Reichstag gewählt, lebte sie von 1924 an in Moskau, wo sie das Frauensekretariat der III. Internationale leitete. Als Gegnerin Stalins geriet sie, obschon immer wieder Gegenstand offizieller Ehrungen, in vollständige politische Isolierung. Die Ursache ihres Todes ist umstritten.
Fischer Lexikon, Geschichte in Gestalten IV. Hans Herzfeld, Frankfurt 1963, S. 308.
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Sozialistische Gruppierungen
Die "radikalen" Bürgerlichen pflegten auch Verbindung zur sozialistischen/proletarischen Frauenbewegung, deren Leitfigur Clara Zetkin (1857-1933) war. Die Sozialdemokratin mußte nach außen und gleichzeitig gegenüber den eigenen Parteianhängern das Recht der Frau auf Arbeit verteidigen. So ging sie 1889 auf einem internationalen Arbeiterkongreß in Paris scharf mit jenen Genossen in ihrer Partei ins Gericht, die Frauenarbeit beschränken oder gar verbieten wollten, weil sie angeblich den Männerlohn drücke: "Die Sozialisten müssen wissen, daß bei der gegenwärtigen wirtschaftlichen Entwicklung die Frauenarbeit eine Notwendigkeit ist, [...] daß es nicht die Frauenarbeit an sich ist, welche durch Konkurrenz mit den männlichen Arbeitskräften die Löhne herabdrückt, sondern die Ausbeutung der Frauenarbeit durch den Kapitalisten, der sich dieselbe aneignet [...]".
Frauen und Männer sollten nicht gegeneinander, sondern gemeinsam gegen die Bourgeoisie kämpfen, mit dem Ziel, "die Gesellschaft gründlich umzugestalten". Clara Zetkin entwickelte die Emanzipationstheorie August Bebels (1840-1913) weiter, die dieser 1879 in seinem Buch "Die Frau und der Sozialismus" dargestellt hatte. Die Lösung der Frauenfrage, so Bebel, sei nur durch die Aufhebung der Klassengegensätze zu erreichen, und es könne keine "Befreiung der Menschheit" geben "ohne die soziale Unabhängigkeit der Geschlechter". Das Buch war schnell vergriffen und wurde bereits einen Monat nach Erscheinen verboten. Unter Tarntiteln erschien es bis zur Aufhebung des "Sozialistengesetzes" (ein von 1878 bis 1890 gültiges Ausnahmegesetz gegen die "gemeingefährlichen Bestrebungen" der Sozialdemokratie) illegal. Auf Initiative ihres Vorsitzenden Bebel nahmen die Sozialdemokraten 1891 als erste politische Partei in Deutschland die Stimmrechtsforderung der Frauen in ihr Programm auf und stellten 1895 im Deutschen Bundestag deersten Antrag auf Einführung des aktiven Frauenstimmrechts.
Von passivem Wahlrecht war noch nicht die Rede. Wie wenig die Vorstellung von Frauen als Parlamentsmitgliedern auch Jahre später noch dem Zeitgeist entsprach, läßt sich wiederum "Meyers Konversationslexikon" aus dem Jahre 1909 entnehmen, das Wissen und Meinungsbild der gebildeten Stände der damaligen Zeit widerspiegelt: "Das auf politische Gleichberechtigung gerichtete Verlangen entspringt weniger einem praktischen Bedürfnis als einer theoretischen Anschauung von zweifelhaftem Wert. Die geistige Individualität der Frau sowie das bei ihr vorherrschende Gemütsleben lassen sie für eine tätige Teilnahme am öffentlichen Leben wenig geeignet erscheinen. [...] Dem Mann der Staat, der Frau die Familie!".
Immerhin war Frauen aufgrund eines neuen Vereinsgesetzes von Mitte 1908 an die Mitgliedschaft in Parteien und Gewerkschaften gestattet. Im selben Jahr wurde Luise Zietz (1865-1922) als erste Frau in den Vorstand einer Partei, der SPD, gewählt.
Während die bürgerlichen Frauenvereine auch vor 1908 relativ unbehelligt hatten arbeiten können, war die sozialistische Frauenbewegung ständiger Überwachung und Verfolgung ausgesetzt. Unter Hinweis auf das Vereinsgesetz von 1854 (zwischen 1878 und 1890 auch auf das Sozialistengesetz) wurden ihre Vereinigungen verboten, Versammlungen immer wieder von Polizeikräften aufgelöst. Die Frauen gründeten Tarnorganisationen - zum Beispiel Abonnentinnengruppen der von Clara Zetkin herausgegebenen Zeitschrift "Die Gleichheit"; als "Vertrauenspersonen" getarnte Frauen übernahmen die Koordinierung.
Zentrale "Vertrauensperson der Genossinnen Deutschlands" war von 1900 bis 1908 Ottilie Baader (1847-1925), die von früher Jugend an als Näherin in einem Berliner Betrieb und später als Heimarbeiterin die Nöte unterprivilegierter Frauen selbst erlebt hatte. Wegen "politischer Betätigung" - die häufig willkürliche Einschätzung oblag der Polizei - wurde sie des öfteren festgenommen und verurteilt. Doch immer wieder kehrten die Sozialistinnen aus den Gefängnissen "ungebessert in die preußisch-deutsche Freiheit zurück", wie Ottilie Baader schrieb.
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Quellentext
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Marie Curie (1867-1935)
Maria Sklodowska wurde am 7. November 1867 im damals russischen Warschau geboren. Schon früh (1878) verlor sie, jüngstes von fünf Kindern, ihre Mutter, die an Tuberkulose starb und erlebte, wie ihr Vater als Pole seine Stellung als Mathematik- und Physiklehrer aufgeben mußte, so daß ihre Kindheit und Jugend durch ständige Geldsorgen geprägt waren. Ab 1885 arbeitete sie einige Jahre als Gouvernante, um Geld zu verdienen; während dieser Zeit erweiterte sie als Autodidaktin ihr Fachwissen in Chemie. Ihr geistig aufgeschlossenes Elternhaus hatte in ihr den festen Glauben an den wissenschaftlichen Fortschritt verankert. […] Für Frauen gab es damals keine Möglichkeit des Universitätsstudiums, da an den polnischen Oberschulen keine klassischen Sprachen unterrichtet wurden. Diese aber stellten eine Zugangsvoraussetzung für die Universitäten des Reichs dar. Der einzige Ausweg war das Studium an einer ausländischen Universität, das aber für Maria Sklodowska aus finanziellen Gründen lange Zeit nicht möglich war. Sie nützte daher zunächst eine andere, allerdings illegale Möglichkeit der Weiterbildung. Sie schloß sich einer Gruppe an, die stark durch den französischen Philosophen Auguste Comte beeinflußt war, dessen ”Positive Philosophie” zwischen 1830 und 1854 erschienen war und die sich danach ”Positivisten” nannten. Überall in Warschau richteten sie in Privatwohnungen ”Universitäten” ein, zu deren Veranstaltungen auch Frauen zugelassen waren. Sie beschäftigten sich mit medizinischen und naturwissenschaftlichen Fragen ebenso wie mit den politischen Ideen der Positivisten, mit Zielen wie Frauenemanzipation, gleicher Erziehung der Geschlechter, dem Kampf gegen die Judendiskriminierung oder der Abschaffung der Klassenprivilegien.
1891 begann sie, nachdem ihre Schwester geheiratet hatte und nach Frankreich übergesiedelt war, in Paris das Mathematik- und Physikstudium. 1895 heiratete sie den begabten Physiker Pierre Curie, damals Laboratoriumsleiter an der Hochschule für industrielle Physik und Chemie. […]
Während ihres gesamten Lebens als Forscherin mußte sie hart gegen männliche Vorurteile ankämpfen, die den Frauen die Fähigkeit zu wissenschaftlicher Tätigkeit und Lehre absprachen. Ihr Ziel war dabei, durch die überragende Qualität und Bedeutung ihrer Ergebnisse Bedingungen herzustellen, unter denen sie zu den Männern von gleich zu gleich in Konkurrenz treten konnte. Das dazu nötige Selbstvertrauen und Durchsetzungsvermögen besaß sie in hohem Maße. […]
Da jede öffentliche und finanzielle Unterstützung fehlte, waren die Arbeitsbedingungen erbärmlich. Marie Curie arbeitete in einem feuchten Abstellraum der Hochschule für Physik und Chemie unerbittlich und gönnte sich kaum Freizeit, obwohl sie inzwischen eine Tochter Irène und sieben Jahre später eine zweite Tochter Eve hatte: Die doppelte Belastung schaffte sie mit enormer Energie und mit einer geschickten Organisation des Haushalts.
Schon ab 1898 zeigten sich erste revolutionäre Ergebnisse ihrer Arbeit:
1. Die Strahlung ist eine Eigenschaft des Atoms.
2. Die Radioaktivität der Pechblende ist wesentlich größer als die des Urans.
3. Bei der Analyse der Pechblende fanden sich zwei neue, bisher unbekannte Elemente: Polonium (benannt nach ihrem Heimatland Polen) und Radium.
[…] 1903 wurde ihre Arbeit mit der Verleihung des Nobelpreises in Stockholm belohnt.
1906 starb Pierre Curie durch einen Verkehrsunfall, ein Verlust, der in Maries Leben eine tiefe Krise auslöste, da Pierre ihr nicht nur wissenschaftlicher Arbeitspartner gewesen war, sondern ihr auch emotionalen Rückhalt und Anerkennung gegeben hatte.
Im Todesjahr ihres Mannes bot ihr die naturwissenschaftliche Fakultät eine außerordentliche Professur und einen Lehrstuhl an. Damit war sie in Frankreich die erste Frau, die den Rang eines Professors erreichte; bereits nach einem Jahr erhielt sie eine ordentliche Professur mit einem festen Gehalt und eigenem Forschungsetat.
Als sie 1911 den zweiten Nobelpreis, im Fach Chemie, erhielt, war sie der erste Mensch, der mit zwei Nobelpreisen in den Naturwissenschaften ausgezeichnet wurde. Ab 1914 leitete sie ein eigenes Institut in der Rue Pierre Curie; zugleich entwickelte sie im Ersten Weltkrieg als ”Direktorin des Röntgendienstes des Roten Kreuzes” ein Röntgenauto, von dem über 200 Exemplare an der Front eingesetzt wurden, um die Diagnosen v.a. bei Schußverletzungen zu verbessern. […]
Auch in den zwanziger Jahren arbeitete Marie Curie weiter im Laboratorium ihres Instituts. Das von ihr entdeckte Radium wurde, da die Gamma-Strahlen Krebszellen zerstören, zunehmend in der Krebstherapie angewandt. Marie Curie engagierte sich stark in einer neugegründeten Stiftung zur Krebsbekämpfung; hierin, nicht so sehr in ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit, lag auch ihre damalige volkstümliche Berühmtheit begründet. […]
Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung, Frauenrollen - Frauenbilder, München 1992, S. 164 ff.
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Frauen für den Frieden
Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges stellte die Frauenbewegung vor neue Aufgaben. Gertrud Bäumer, Vorsitzende des BDF, begründete 1914 den Nationalen Frauendienst, der in Kooperation mit Wohlfahrtsverbänden und dem Roten Kreuz die entstehende soziale Not an der "Heimatfront" mit karitativen Leistungen zu lindern versuchte. Zum ersten Mal arbeiteten dabei bürgerlich und sozialistisch gesinnte Frauen Seite an Seite.
Doch wie in vielen am Krieg beteiligten Staaten kam es auch in Deutschland zur Konfrontation zwischen Nationalistinnen und Pazifistinnen. Während konservativ-nationale Gruppierungen die Mobilmachung begeistert begrüßt hatten, wurden viele Frauen - insbesondere Angehörige und Sympathisantinnen des "radikalen" Zweiges der bürgerlichen sowie der sozialistischen Frauenbewegung - in der Friedensbewegung aktiv, die vornehmlich durch den Einsatz von Bertha von Suttner (1843-1914) populär geworden war. Animiert durch die britische Frauenbewegung hatte die Österreicherin den pazifistischen Roman "Die Waffen nieder" geschrieben, für den sie 1906 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. 1891 war sie Mitbegründerin der Österreichischen Gesellschaft der Friedensfreunde, 1892 der deutschen Friedensbewegung. Von 1892 bis zu ihrem Tod im Juni 1914 gab sie eine pazifistische Zeitschrift heraus und hielt Vorträge in aller Welt. |
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15. März 2010
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