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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 10-11/2003)

Eliten in Südosteuropa


Rolle, Kontinuitäten, Brüche
Anton Sterbling
Inhalt

I. Modernisierungskrise, Systemwechsel und die Rolle der Eliten in Südosteuropa

II. Eliten und Elitenkonfigurationen

III. Die Elitenkonfiguration unter kommunistischer Herrschaft

IV. "Elitenwechsel" oder "Elitenwandel"?

V. Ausblick

I. Modernisierungskrise, Systemwechsel und die Rolle der Eliten in Südosteuropa
Die ehemals kommunistisch beherrschten Staaten Südosteuropas haben seit 1989 einen tief greifenden Wandel erfahren. Demokratischer Aufbruch, marktwirtschaftliche Transformationsprozesse, rechtsstaatliche und zivilgesellschaftliche Entwicklungen, kulturelle Pluralisierung und die Annäherung an die Europäische Union (EU) sind einige Stichworte, die diese Veränderungen umschreiben.[1] In der Grundtendenz handelt es sich um einen komplexen Modernisierungsvorgang, durch den eine tiefe und folgenreiche Entwicklungskrise überwunden werden soll. Diese Krise wurde hauptsächlich durch die jahrzehntelange kommunistische Herrschaft und eine ungleichförmige, Unfreiheit, Retardierungen und Spannungen erzeugende "partielle Modernisierung" unter sozialistischen Vorzeichen herbeigeführt. Sie ist aber auch das Ergebnis einer langfristigen, in die vorsozialistische Zeit zurückreichenden sozialen und wirtschaftlichen Rückständigkeit sowie kultureller Ambivalenzen und nicht zuletzt überkommener Demokratiedefizite.[2]

Zur Person
Anton Sterbling
Dr. phil., geb. 1953; Professor für Soziologie an der Fachhochschule für Polizei Sachsen in Rothenburg/OL.
Anschrift: Fachhochschule für Polizei Sachsen, Friedensstraße 120, 02929 Rothenburg/OL. E-Mail: sterbling@t-online.de

Veröffentlichungen u.a.: Historische Modernisierungstheorien und gegenwärtige Probleme des Institutionenwandels in Ost- und Südosteuropa, in: Klaus Müller (Hrsg.), Postsozialistische Krisen. Theoretische Ansätze und empirische Befunde, Opladen 1998; Eliten, Intellektuelle, Institutionenwandel. Untersuchungen zu Rumänien und Südosteuropa, Hamburg 2001.


Der "Systemwechsel", der nach 1989 in nahezu allen südosteuropäischen Gesellschaften einsetzte, hat gewiss nicht überall und sofort die Hoffnungen erfüllt. Weit reichende Wohlstandserwartungen wurden zunächst vielfach enttäuscht.[3] Die Demokratisierungsprozesse verliefen zum Teil spannungsreich und waren von Rückschlägen gekennzeichnet. Interethnische Konflikte und natio-nalistische Bestrebungen führten im ehemaligen Jugoslawien zum staatlichen Zerfall, zu militärischen Auseinandersetzungen, Verbrechen an der Zivilbevölkerung, Flucht und Vertreibungen.[4] Aber auch in Bulgarien, Rumänien oder Albanien kam es in den neunziger Jahren zu kritischen Situationen und zeitweilig bürgerkriegsähnlichen Konfrontationen. In nahezu allen südosteuropäischen Staaten waren und sind - gleichsam als Hypothek der sozialistischen Fehlentwicklungen, aber auch aus anderen Gründen - erhebliche wirtschaftliche Übergangs- und Anpassungsschwierigkeiten, massive soziale Probleme sowie sozialstrukturelle Verwerfungen zu konstatieren.[5]

Erst seit kurzer Zeit - nicht zuletzt seit der demokratischen Wende in Serbien - kann man nahezu überall von einem konsolidierten Modernisierungsprozess sprechen. Mit den gesamteuropäischen Entwicklungen und der in die Wege geleiteten EU-Osterweiterung zeichnen sich zudem gute Chancen der Verstetigung und Beschleunigung dieser Modernisierungsvorgänge ab, wenngleich die Schwierigkeiten einer weiteren europäischen Integration nicht übersehen werden sollten.[6]

Bei all diesen Vorgängen kam und kommt den Eliten eine Schlüsselrolle zu.[7] Wer aber sind die Eliten? Was ist mit dem Elitenbegriff gemeint?
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10. Februar 2012
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Südosteuropa
Editorial
Staatsbildung und ethnisch-nationale Gegensätze in Südosteuropa
Eliten in Südosteuropa
Vom Wiederaufbauhelfer zum Modernisierungsagenten
Regionale Kooperation in Südosteuropa
Den Balkan integrieren
Die Türkei und die Europäische Union
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