Die bpbBestellenNewsletterPressePartnerImpressumKontakt

Home
   
FAQ Index
Suche

Themen
Publikationen
Arbeitsmaterialien Medien
Aus Politik und Zeitgeschichte
AV-Medienkatalog
CD-ROM/ CD/ DVD
Einzel-
publikationen
Entscheidung im Unterricht
Filmhefte
fluter
HanisauLand
Informationen zur politischen Bildung
Info aktuell
Internet-Angebote
Mobile Angebote
Karten
Pocket
Rechtsreihe
Schriftenreihe
Spicker Politik
Thema im Unterricht
Themenblätter im Unterricht
Themen und Materialien
Zeitbilder
Spiele
Sonstige
Was geht?
Suche
Veranstaltungen
Wissen
Lernen


Aus Politik und Zeitgeschichte (B 10-11/2003)

Eliten in Südosteuropa


Rolle, Kontinuitäten, Brüche
Anton Sterbling
Inhalt

I. Modernisierungskrise, Systemwechsel und die Rolle der Eliten in Südosteuropa

II. Eliten und Elitenkonfigurationen

III. Die Elitenkonfiguration unter kommunistischer Herrschaft

IV. "Elitenwechsel" oder "Elitenwandel"?

V. Ausblick

II. Eliten und Elitenkonfigurationen
Wiewohl heute viel - auch und gerade bezogen auf Südosteuropa[8] - von Eliten gesprochen wird, ist der Begriff alles andere als einfach zu fassen. Es handelt sich um eine wertbesetzte und ideologisch vielfach umstrittene Definition. So sei daran erinnert, dass der Elitenbegriff in der kommunistischen Ideologie eigentlich gemieden wurde und tabuisiert war, obwohl sich die kommunistischen Parteien selbst als "Avantgarde der Arbeiterklasse" verstanden, von einem ausgeprägten elitären Bewusstsein und Habitus mancher Kommunisten ganz zu schweigen. Aber auch in den Sozialwissenschaften wird der Elitenbegriff keineswegs einheitlich aufgefasst.[9] In einer ersten Annäherung kann man sagen: Eliten sind Menschen mit weit reichendem gesellschaftlichen Einfluss, Inhaber gesellschaftlicher Spitzen- und Schlüsselpositionen. Ihr Einfluss liegt insbesondere in ihrer längerfristigen Entscheidungs- und Bewirkungsmacht sowie - und dies wird gelegentlich übersehen - in der sozialen Definitionsmacht.[10]

Unter Entscheidungs- und Bewirkungsmacht ist zu verstehen, dass Eliten im Rahmen wichtiger gesellschaftlicher Institutionen Entscheidungen von großer sozialer Relevanz und nicht selten auch kollektiver Verbindlichkeit treffen. Bewirkungsmacht bedeutet aber auch, dass Eliten über die Bildung bzw. Umbildung einzelner Institutionen oder über institutionelle Arrangements Entscheidungen herbeiführen können. Eine wesentliche Bedeutung der Eliten liegt demnach in ihrer Rolle als "Konstrukteure" und "Durchsetzer" neuer institutioneller Ordnungen, wobei diese Funktion auch beim gegenwärtigen "Systemwechsel" in Südosteuropa ganz entscheidend scheint.[11]

Der maßgebliche gesellschaftliche Einfluss der Eliten kommt aber auch in ihrer sozialen Definitionsmacht zum Ausdruck. Zu den Eliten sind daher ebenso jene Menschen zu rechnen, deren Deutungen der Wirklichkeit, kulturelle Leitideen oder Zielvorstellungen einen nachhaltigen Einfluss auf das Realitätsverständnis und die Meinungsbildung größerer Bevölkerungsgruppen haben. Insbesondere in demokratischen Gesellschaften, aber keineswegs nur in diesen, hängt die Entscheidungs- und Bewirkungsmacht der Eliten auf das Engste mit bestimmten Realitätsdeutungen und Sinnvermittlungen zusammen, zumal diese erst die soziale und kulturelle Akzeptanz ihrer Entscheidungen absichern.

Es wäre daher falsch, zu den Eliten nur Personen mit weit reichender Entscheidungsmacht im Bereich der Politik, der Wirtschaft, der Großorganisationen oder Verbände zu zählen. Ebenso gehören Menschen mit maßgeblicher sozialer und kultureller Deutungsmacht dazu, unabhängig davon, ob sie institutionelle oder gesellschaftliche Spitzenpositionen innehaben oder nicht; auch bekannte Schriftsteller, Künstler und Intellektuelle, hervorragende Wissenschaftler und Experten können demnach zu den Eliten gehören.

Es wäre also zu kurz gegriffen oder gar irreführend, in modernen Gesellschaften von einer einheitlichen Elite zu sprechen. Vielmehr ist von verschiedenen "Elitenkonfigurationen" auszugehen. Mit diesem Konzept werden nicht nur verschiedene Elitengruppen identifiziert und voneinander abgegrenzt, sondern auch die Beziehungen zwischen Eliten- und Nichtelitengruppen erfasst.

"Elitenkonfigurationen" meint zum einen die verschiedenartigen Herrschafts-, Macht-, Autoritäts- oder Stellvertretungsbeziehungen zwischen den einzelnen Gruppen.[12] Der Begriff beschreibt zudem die Grundlagen dieser Beziehungen, zu denen gemeinsam geteilte Wertüberzeugungen und Weltanschauungen oder ähnliche Ziele und Interessen zählen und die entsprechende Bindungen sowie Loyalitäts- und Verpflichtungsverhältnisse schaffen. Zum anderen umfassen "Elitenkonfigurationen" die vielfältigen Beziehungen, die zwischen einzelnen Teileliten einer Gesellschaft bestehen, sowie das Gegen- und Miteinander verschiedener Elitengruppen. Dies betrifft nicht zuletzt die funktionale Differenzierung, also die Aufgaben- und Machtteilung zwischen einzelnen Elitengruppen und die Abgrenzung entsprechender Einfluss- und Kompetenzbereiche.

Folgt man Field und Higley, lassen sich mehrere Typen von Elitenkonfigurationen unterscheiden: "Konsensus-Eliten", "unvollständig vereinte Eliten", "ideologisch geeinte Eliten" und "entzweite Eliten", wobei sich diese Konfiguration bis zum Typus "tödlich verfeindete Eliten" steigern kann.[13]
Themen | Wissen | Veranstaltungen |
Publikationen | Lernen |
Die bpb | Bestellen | Newsletter | Presse | Partner |
Impressum | Datenschutz | Kontakt | Home
10. Februar 2012
Druck-Version
Artikel versenden
PDF-Version
Inhalt
Bild vergrößern
Südosteuropa
Editorial
Staatsbildung und ethnisch-nationale Gegensätze in Südosteuropa
Eliten in Südosteuropa
Vom Wiederaufbauhelfer zum Modernisierungsagenten
Regionale Kooperation in Südosteuropa
Den Balkan integrieren
Die Türkei und die Europäische Union
Lexikonsuche
Suchwort:
Lexika: