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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 9-10/2009)

Selbstbewusst anders sein - Essay


Stefan Niggemeier
Inhalt

Einleitung

Einziger Auftrag: gutes Programm

Der Wert des Qualitätsjournalismus

Dinge tun, die andere nicht tun

Einleitung
Es ist nicht so, dass es den öffentlich-rechtlichen Fernsehveranstaltern in Deutschland an Profil mangelte. Die ARD zum Beispiel ist der deutsche Seifenopern-Sender. Sie zeigt mehr Daily Soaps als jeder andere, vier verschiedene an jedem Werktag, und sie wiederholt sie teilweise auch häufiger als jeder andere: Ein eingefleischter "Sturm der Liebe"-Fan kann die aktuelle Folge dank der Ausstrahlung in den Dritten Programmen elf mal täglich sehen. Das ZDF profiliert sich als Schaulustigen-Kanal. Die freien Reporter, die ihr Geld damit verdienen, als erste an jedem Unfallort zu sein und Blut- und Ölspuren, Wiederbelebungsversuche und den Abtransport der Leichen zu filmen, haben in den Magazinen "Drehscheibe" und "Hallo Deutschland" ihre besten Abnehmer. Das ist natürlich nichts alles. Das ZDF ist auch der Kanal, in dem Verona Pooth und Dieter Bohlen regelmäßig Auskunft über ihre Leben geben, das Erste ist Deutschlands Quizsender Nummer eins und die erste Adresse für Freunde der volkstümlichen Musik, beide sorgen zusammen mit den Dritten Programmen in ungezählten Zoo-Doku-Soaps dafür, dass kein niedliches Tier in einem deutschen Zoo betäubt, gekrault, gewaschen oder gewogen wird, ohne dass ein Millionenpublikum am Bildschirm dabei sein kann, und mit ihren Freitags- und Sonntags-Fernsehfilmen dominieren sie die Süßstoffproduktion in Deutschland.

Zur Person
Stefan Niggemeier
Geb. 1969; freier Medienjournalist, u.a. für die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung", Gründer des "BILDblog".
E-Mail: stefan.niggemeier@gmail.com
Internet: www.stefan-niggemeier.de

Kann dies das Profil der öffentlich-rechtlichen Sender sein? Es ist schon richtig: ARD und ZDF stehen neben all dem auch für ihre Nachrichtenkompetenz, haben politische Magazine und Talkshows, Sendeplätze für ambitionierte Fernsehfilme und gelegentlich große Event-Dokumentationen wie den Geschichts-Zehnteiler "Die Deutschen". Und dennoch ist es frappierend, wie wenig ihr Programm ein unverkennbar öffentlich-rechtliches Programm ist.
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09. Februar 2012
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