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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 03/2005)

Zivilgesellschaft und soziales Kapital im städtischen Raum


Michael Haus
Inhalt

Einleitung

Soziales Kapital und Zivilgesellschaft als Hoffnungsträger

Städtischer Raum und die Dynamik sozialer Exklusion

Perspektiven städtischer Politik

Einleitung
Der Schlager "On the Sunny Side of the Street" erinnert daran: Städte sind Orte der Begegnung und der Abkapselung, der Integration und der Spaltung. Sonnen- und Schattenseiten liegen oft nur eine Straßenbreite voneinander entfernt. Dieser Sachverhalt tritt zusehends und länderübergreifend ins öffentliche Bewusstsein, wenn er auch oft einseitig - etwa als in der Existenz städtischer Ghettos sichtbar werdendes Scheitern der "Integration" ethnischer Minderheiten - thematisiert wird. Die Songwriter haben es sich relativ einfach gemacht: "Just direct your feet to the sunny side of the street", so lautet ihre lapidare Empfehlung - womit das Problem, in der humorlosen Sprache der Sozialwissenschaft ausgedrückt, individualisiert und privatisiert wird. Nüchtern betrachtet, scheint es keineswegs eine plausible Empfehlung zu sein, einfach die Seite zu wechseln. Individuelle Anpassungsstrategien an den Prozess des Verfalls von Stadtteilen sind eher Teil des Problems, nicht dessen Lösung. Wenn die dazu Fähigen die problematischen Stadtteile verlassen, bleiben die zurück, welche dazu nicht in der Lage sind. Die im Niedergang begriffene Umgebung verstärkt dann Benachteiligung, verbindet sich mit symbolischer Stigmatisierung und wird so zu einem sozialen Gefängnis für die Hängengebliebenen - und das zum Teil über Generationen hinweg.

Zur Person
Michael Haus
Dr. phil., geb. 1970; wissenschaftlicher Assistent an der Technischen Universität Darmstadt, Institut für Politikwissenschaft.
Residenzschloss, 64283 Darmstadt.
E-Mail: haus@pg.tu-darmstadt.de


Die Globalisierung von Informations- und Kapitalströmen hat offensichtlich nicht die Stadt als solche überflüssig gemacht - sie stellt diese aber als den Ort in Frage, an welchem Modernisierungsprozesse in ihren Folgen erkannt und in Richtung höherer Sozialverträglichkeit bearbeitet werden (etwa durch lokale Sozialpolitik und Stadtplanung). Die heutigen Probleme sind jedoch, das muss gegenüber einer einseitigen Bezichtigung unkontrollierter Marktkräfte festgehalten werden, auch Folgen von Problemlösungsversuchen der Vergangenheit und damit ein Ausdruck von "Staatsversagen": Typischerweise gehören heute nicht zuletzt solche Stadtgebiete zu den "benachteiligten" Vierteln, welche in den sechziger und siebziger Jahren als besonders zukunftsweisend - nämlich als funktional vorbildlicher und für breite Bevölkerungsschichten erschwinglicher "sozialer Wohnungsbau" - galten, heute aber als seelenlose Wohnmaschinen verworfen werden. Das zeigt die Kurzfristigkeit politischer und planerischer Ideologien, zu denen etwa auch die der "autogerechten Stadt" gehörte. Die Forderung nach "Nachhaltigkeit" nicht nur im Bereich der Ökologie gewinnt angesichts solcher Beispiele an Dringlichkeit. Offensichtlich lässt sich (lokale) Gesellschaft nicht in der Weise planen wie damals erhofft; auf die zentrifugalen Kräfte des Marktes muss anders - intelligenter und kreativer - reagiert werden. Da man neue Stadtviertel nur noch in Ausnahmefällen wird bauen können (und in der Regel nicht für die sozial Benachteiligten bauen wird), muss man sich den Menschen dort zuwenden, wo sie wohnen.
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09. Februar 2012
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Städtepolitik
Editorial
Umbauen und Integrieren - Stadtpolitik heute - Essay
Regionalpolitische Optionen für schrumpfende Städte
Den Stadtumbau flankieren - Was leisten neue Kooperationsformen in der Stadtentwicklung?
Zivilgesellschaft und soziales Kapital im städtischen Raum
Impulse für die neue Politik der Sozialen Stadt
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