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Informationen zur politischen Bildung (Heft 271)

"Fremde" in den Medien


Juliane Wetzel
Inhalt

Einleitung

Gewalt und Medienverantwortung

Mediale Beispiele

Schlagwort "Ausländerkriminalität"

Die Folgen des 11. September 2001

Fernsehen

Medieninitiativen

Mediale Beispiele
Die auflagenstärkste Zeitung in Deutschland - "Bild" - gehört zu jenen Printmedien, die nicht selten mit den Ängsten der Bevölkerung spielen und die öffentliche Meinung mit populistischen Mitteln beeinflussen. Im Frühjahr 2004 wurde die "Bild"-Redaktion in Bremen öffentlich vom Deutschen Presserat gerügt, weil sie gegen das Diskriminierungsverbot im Pressekodex verstoßen hatte. Die Zeitung hatte für eine Serie über angeblich kriminelle Libanesen mit Schlagzeilen wie "Hier wohnt Bremens schlimmste Asyl-Familie" und "Die Asylabzocker" gearbeitet.
Nach der Ermordung des Münchner Schickeria-Mitglieds Rudolph Moshammer titelte "Bild" im Januar 2005: "Der perverse Mosi-Mörder: Er ist Asylant - Sie guckten Pornofilme - Er verlangte 2000 Euro für Sex". Die Zeitung stellte damit indirekt die Herkunft des Täters in einen Zusammenhang mit spezifischen Zuschreibungen (Mörder, Callboy, Perverser). Das Auge des Lesers fiel unmittelbar auf das Bild des Mörders, das mit der Bildunterschrift versehen war: "Er ist Asylant aus dem Irak." Einmal mehr wurde der Eindruck erzeugt, die Tat hätte etwas mit der Herkunft des Täters zu tun gehabt.
Am 18. November 2004 hatte "Bild" Bundesminister Trittins Äußerung über die Möglichkeit, Muslimen einen Feiertag zuzugestehen, ohne dass ihnen Benachteiligungen am Arbeitsplatz entstehen, zur Schlagzeile gemacht und mit einer großen Montage versehen, die eine unüberschaubare Menge betender Muslime vor dem Reichstag zeigt. Die Zeitung griff offenbar diffuse Ängste in der Bevölkerung vor einer Islamisierung der Gesellschaft auf und erweckte mit der Montage den Eindruck, als ob die Muslime den öffentlichen Raum durch ihre Religion prägen (Gebet vor dem Nationalsymbol Reichstag) und Deutschland in einen Gottesstaat verwandeln wollten. Wenige Tage später (24. November 2004) kam "Bild" noch einmal auf das Thema zurück. Unter dem Titel "Herr Trittin, wollen Sie etwa Moslem werden?" wurde eine Bildcollage präsentiert, die Trittin mit Turban und mit einer Sprechblase in arabischer Sprache zeigte. Dadurch schürte die Zeitung erneut Ängste vor einer Islamisierung von Politikund Gesellschaft.
Auch der "Spiegel", jenes Nachrichtenmagazin, das für gründliche Recherche bekannt ist und politische Prozesse und Entscheidungen durchsichtiger zu machen sucht, begibt sich bisweilen auf eine populistische Ebene.
Der "Spiegel" polarisiert mit Titelseiten wie dem Bild eines überfüllten Bootes und der Titelzeile "Der Ansturm der Migranten - Europa macht dicht" (25/2002) oder dem Foto einer jungen Frau mit Kopftuch, die die gesamte Titelseite einnimmt und mit der Überschrift "Das Prinzip Kopftuch - Muslime in Deutschland" suggeriert, Muslime in Deutschland seien überwiegend tief religiös und vor allem Frauen seien diesem Kodex unterworfen (30/2003). Die "Frau mit dem Kopftuch" findet sich in den Medien immer wieder als Symbol für Menschen mit migrantischem Hintergrund.
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10. Februar 2012
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Vorurteile
Editorial
Was sind Vorurteile?
Fremde, Fremdsein - von der Normalität eines scheinbaren Problemzustandes
"Fremde" in den Medien
Türkische Minderheit in Deutschland
Polenbilder in Deutschland seit 1945
Rassistische Vorurteile
Antisemitismus
Sinti und Roma als Feindbilder
"Zigeuner" und Juden in der Literatur nach 1945
Vorurteile gegen sozial Schwache und Behinderte
Stereotype des Ost-West-Gegensatzes
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