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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 46/2004)

Neue Männlichkeit - Neue Wege der Selbstverwirklichung


Paul M. Zulehner
Inhalt

Einleitung

Bunte Typenvielfalt

Lebensbereiche

Entwicklungen

Schieflagen

Einleitung
Frauen haben sich früher auf den Weg der Selbstverwirklichung begeben als Männer. Die europäische Männerbewegung hat zudem im Vergleich zu jener in Nordamerika einen zwanzigjährigen Rückstand. In den vergangenen Jahren hat sie aber auch bei uns Fuß gefasst. Männergruppen sind entstanden, Männerpolitik beginnt sich zu artikulieren. Männer verlangen eigene Ministerien. Sie stehen den Frauen in Fragen der Selbstverwirklichung und Suche nach gesellschaftlichen Voraussetzungen für diese nicht mehr nach. Man könnte meinen, dass die neue Männerbewegung auf die vorausgehende Emanzipationsbewegung der Frauen reagiere. Diese - so ist in Diskussionen zum Männerthema zu hören - habe nicht wenige Männer verunsichert und bedrohe sie in ihrer ererbten Position. Es gelte daher, das bröckelnde Patriarchat zu verteidigen. Aber hier liegt für die meisten Männer nicht das Hauptmotiv für ihr Interesse an neuen Wegen zur Selbstverwirklichung. Vielmehr dominiert das Gefühl, dass das Leben der Männer, wie es sich in modernen Gesellschaften entwickelt, nicht stimmt, nicht reich ist, sondern verarmt. Es könnte, so hoffen nicht wenige, mehr Bewegung ins Männerleben kommen. Folglich ist nicht der Widerstand gegen die Frauenemanzipation der Hintergrund der Suche nach einer neuen Männlichkeit, sondern das Leiden am ererbten Männerleben und der Wunsch nach dessen Anreicherung.

Zur Person
Paul M. Zulehner
Dr. phil., Dr. theol., geb. 1939; Lehrstuhl am Institut für Pastoraltheologie an der Universität Wien, Dekan der Fakultät; Mitglied der Europäischen und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Anschrift: Universität Wien, Institut für Pastoraltheologie, Maria-Theresien-Str. 3/25, 1090 Wien.
E-Mail: paul.zulehner@univie.ac.at

Veröffentlichungen zu religions- und kirchensoziologischen und zu pastoraltheologischen Themen; zuletzt u.a.: Dienende Männer. Anstiftung zur Solidarität. Diakone in Westeuropa, Ostfildern 2003.


In diesem Entwicklungskontext hat sich auch die neuere deutschsprachige Männerforschung positioniert. Angestoßen wurde sie - in meinem Fall - von kirchlichen Männerorganisationen in Österreich und in Deutschland.[1] Diesen waren mit ihren herkömmlichen biederen Programmen die Männer abhanden gekommen. Die Gruppen waren zu Altherrenclubs mutiert; der Zeitpunkt ihres bevorstehenden Endes ließ sich leicht hochrechnen. Mit dem Ziel, ein Programm für jüngere Männer sachgerecht und fundiert entwerfen zu können, wurde angeregt, über Männer zu forschen. Das von mir geleitete Ludwig-Boltzmann-Institut für Werteforschung hat diese Anregung interessiert aufgegriffen und ein entsprechendes Forschungskonzept entwickelt. Hierzu zählt die Wiederholung der österreichischen Männerstudie zehn Jahre nach der ersten im Jahr 1992. Wir wollten wissen, ob und wie sich Männer in den letzten zehn Jahren entwickelt haben.[2]
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10. Februar 2012
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