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Informationen zur politischen Bildung (Heft 280)
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Weltwirtschaft und internationale Arbeitsteilung |

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Georg Koopmann / Fritz Franzmeyer
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Voraussetzung für internationale Arbeitsteilung ist die unterschiedliche Ausstattung der Länder mit Energieträgern, Rohstoffen, Boden, Kapital und Arbeitskraft (Produktionsfaktoren). Daraus resultieren von Land zu Land verschiedene Preisverhältnisse zwischen den mit den Produktionsfaktoren hergestellten Erzeugnissen - wenn die Grenzen geschlossen sind. Wenn die Grenzen geöffnet werden, spezialisieren sich die Staaten auf die Produktion derjenigen Güter, die sie preiswerter anbieten können als andere Länder. Dies ist die Quelle der Wohlfahrtsgewinne, die aus internationaler Arbeitsteilung entstehen; sie gründen auf Unterschieden in den relativen Preisen und komparativen Kosten zwischen den an ihr beteiligten Ländern.
Geschlossene Volkswirtschaften hat es kaum je gegeben. Bereits in der Antike wurde innerhalb der zugänglichen Welt mit Gewürzen, orientalischen Stoffen, Gold, Silber und Edelsteinen gehandelt. Die einzelnen Volkwirtschaften sind allerdings niemals völlig, sondern immer nur mehr oder weniger offen für internationalen Handel. Der Grad der Offenheit ist abhängig von der jeweiligen Wirtschaftsphilosophie, von den inneren Konflikten und dem internationalen Spannungsreichtum der Zeit.
Im 17. und 18. Jahrhundert war der Merkantilismus weit verbreitet. Als Merkantilismus werden die wirtschaftspolitischen Lenkungsmaßnahmen bezeichnet, die die Staaten in jener Zeit zur Steigerung der nationalen Wirtschafts- und Handelskraft unternahmen. Vor allem England, Frankreich, Preußen und Spanien setzten alles daran, Gold und Geld im Lande zu mehren, indem sie möglichst viele Güter selbst herstellten und exportierten, aber möglichst wenige importierten. Andere Länder wurden so daran gehindert, ihrerseits zu exportieren, Fremdwährung zu verdienen und sie in Importe umzusetzen. Insgesamt konnte sich der internationale Handel deshalb nicht entfalten; Gold und Geld flossen spärlicher, als die Merkantilisten es sich gedacht hatten.
Der Merkantilismus wurde im 19. Jahrhundert durch den Liberalismus abgelöst. Die Theorie des Wirtschaftsliberalismus, der Arbeitsteilung und des Freihandels, die den Merkantilismus schließlich auch in der wirtschaftspolitischen Realität überwand, geht auf die britischen Nationalökonomen Adam Smith (1723-1790) und David Ricardo (1772-1823) zurück. Grundlegend war das Theorem der "komparativen Kosten". Danach sind internationaler Handel und internationale Arbeitsteilung selbst für solche Länder von Vorteil, die alle Güter zu geringeren Kosten erzeugen können als das Ausland. Sie müssen sich nur auf die Produktion jener Güter spezialisieren, die sie relativ (komparativ) am günstigsten herstellen können.
Das hieraus abgeleitete Freihandelspostulat wurde von dem deutschen Nationalökonomen Friedrich List (1789-1846) allerdings durch das "Schutzzollargument" relativiert. Danach gibt es gute Gründe dafür, schwächere Länder in ihrer frühen Entwicklungsphase noch nicht massiv dem harten internationalen Wettbewerb auszusetzen. Vor allem junge Industrien (infant industries) sollten auch dann geschützt werden dürfen, wenn die Handelspartner ihre eigenen Grenzen bereits weit für Importe geöffnet haben.
Mit der Idee des Liberalismus begann das Zeitalter der wirtschaftlichen Globalisierung. Eine erste Blüte erreichte der internationale Handel nach den napoleonischen Kriegen und besonders in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Mit dem deutschen Zollverein, der handelspolitischen Einigung deutscher Staaten zur Herstellung einer deutschen Wirtschaftseinheit ab 1834, waren - bei wenigen Ausnahmen - im gesamten späteren Reich die wesentlichen Handelshemmnisse beseitigt worden. Die Rahmenbedingungen waren stabil; im Großen und Ganzen herrschte Frieden. Neue Techniken begünstigten eine sowohl umfangreichere als auch arbeitsteiligere Produktion. Transporte auf große Distanz wurden schneller, billiger und sicherer. Die Handelsnationen verständigten sich auf das Gold als Fundament für den internationalen Zahlungsverkehr (Goldstandard). Diese Tendenz zur außenwirtschaftlichen Liberalisierung wurde durch restaurative Kräfte (Bismarcks Schutzzollpolitik) insgesamt nur wenig beeinträchtigt.
Die Zeit von der Gründung des Deutschen Reiches 1871 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 gilt als die Phase des Aufstiegs der Handelsglobalisierung und die Schlussetappe dieser Phase (1895-1914) als das "Goldene Zeitalter" des Freihandels. Der Außenhandel (gemessen als Durchschnitt aus Export und Import) stieg auf bis zu einem Drittel des Bruttosozialproduktes der einzelnen Länder an.
Der Aufschwung des Welthandels wurde durch den Ersten Weltkrieg, die Weltwirtschaftskrise, die mit dem Zusammenbruch der New Yorker Börse im Oktober 1929 begann, und den Zweiten Weltkrieg unterbrochen. |
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10. Februar 2012
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Zahlen und Fakten |
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Globalisierung
Kaum ein Thema wird so intensiv und kontrovers diskutiert wie die Globalisierung. "Zahlen und Fakten" liefert aktuelle Grafiken, Texte und Tabellen zu einem der wichtigsten und vielschichtigsten Prozesse der Gegenwart. |
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