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Informationen zur politischen Bildung (Heft 280)
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Weltwirtschaft und internationale Arbeitsteilung |

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Georg Koopmann / Fritz Franzmeyer
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Merkmale des internationalen Handels |
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Die Struktur der internationalen Arbeitsteilung ist in der aktuellen Globalisierungsetappe weitreichenden Veränderungen unterworfen. Der "klassische" Außenhandel mit Waren wird zunehmend durch den Handel mit Dienstleistungen ergänzt, der mit wachsender Produktkomplexität und -differenzierung immer wichtiger wird. Durch die Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologie, die in größerem Maße als bisher eine räumliche Trennung zwischen der Bereitstellung und dem Konsum von Dienstleistungen erlaubt, werden Dienstleistungen verstärkt international "handelbar". Von 1980 bis 2002 ist der weltweite Dienstleistungshandel um mehr als das Vierfache gewachsen, nämlich von 364 auf 1538 Milliarden US-Dollar. Damit ist er deutlich stärker als der Weltwarenhandel angestiegen, der sich um mehr als das Dreifache erhöht hat, nämlich von 2034 auf 6424 Milliarden US-Dollar. Dementsprechend ist der Dienstleistungsanteil am Welthandel von 15 Prozent auf fast 20 Prozent gewachsen.
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Funktionale Netzwerke
Dienstleistungen erfüllen vielfach eine Unterstützungsfunktion für den Warenverkehr. Je anspruchsvoller die zu vermarktenden Produkte sind, desto wichtiger wird es für ihren Absatzerfolg fern der heimischen Basis, dass sich das Unternehmen vor Ort auch um Werbung, Beratung, Finanzierung, Versicherung, Anlieferung, Reparaturservice und Entsorgung kümmert. Dies alles bindet erhebliche Investitionen.
Darüber hinaus bilden Dienstleistungen - und die Möglichkeit, sie grenzüberschreitend bereit zu stellen - eine wichtige Voraussetzung für die Ausweitung internationaler Wertschöpfungsketten in und zwischen Unternehmen. Ganze Unternehmensfunktionen (wie zum Beispiel Forschung und Entwicklung oder Produktion) und einzelne Unterfunktionen (wie zum Beispiel Herstellung von Vorprodukten und Montage der Endprodukte) werden dabei in verschiedenen Ländern durchgeführt; die Wertschöpfungskette wird international "aufgespalten". Derartige Produktions-, Leistungs- und Wissensverbünde (funktionale Netzwerke) sind ein wesentliches Strukturelement der "neuen" internationalen Arbeitsteilung.
Regionale Verdichtung
Im Welthandel bilden sich neben funktionalen zunehmend auch regionale Netzwerke heraus (Grafik "Inter- und intraregionale Handelsverflechtung 2001). Der Globalisierungsprozess bedeutet daher nicht nur eine weltweite Verflechtung der Volkswirtschaften, sondern auch eine räumliche Konzentration der Wirtschaftsaktivität (Clusterbildung). Die drei Großregionen Europa, Nordamerika und Asien-Pazifik (Triade) dominieren den Welthandel; sie liefern mehr als 80 Prozent der globalen Warenexporte. Europa ist mit über 40 Prozent der weltweit größte Warenexporteur, obwohl sein Anteil gesunken ist. Es folgen Asien-Pazifik mit 25 Prozent und Nordamerika mit über 15 Prozent; diese Regionen konnten ihren Anteil ausbauen. Die "peripheren" Cluster Afrika, Lateinamerika und übriges Asien liegen weit hinter der Triade. Während Lateinamerika aber aufgeholt hat, ist Afrika im Welthandel weiter zurückgefallen.
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Die Handelsbeziehungen konzentrieren sich zudem auf eine kleine Anzahl von Staaten. Etwa die Hälfte der weltweiten Warenexporte wird von acht Ländern abgewickelt; die Spitzengruppe bilden die USA, Deutschland und Japan. Besonders auffällig ist daneben die starke Expansion des chinesischen Außenhandels, der seit Beginn der neunziger Jahre mehr als doppelt so schnell gewachsen ist wie der globale Handel insgesamt. Damit ist China inzwischen der fünftgrößte Warenexporteur in der Welt (Grafik "Führende Länder in der Weltwirtschaft").
Blickt man auf den Warenhandel zwischen diesen Ländern, die bilateralen Ströme, so zeigt sich ebenfalls ein Muster der Handelsverdichtung. Zum Beispiel liefert Japan fast ein Drittel, China ein Fünftel seiner Warenexporte in die USA, die wiederum ein Fünftel ihrer Exporte in Kanada absetzen. Auch die enge deutsch-französische Handelsverflechtung belegt die Verdichtung im Welthandel: Mehr als ein Zehntel der deutschen Exporte geht nach Frankreich und umgekehrt etwa ein Sechstel der französischen nach Deutschland. Insgesamt sind regionale und bilaterale Konzentrationen damit ein hervorstechendes Charakteristikum des Welthandels.
Intraregionale Handelsströme haben stark an Bedeutung gewonnen. Der intraregionale Warenaustausch lag in den fünfziger Jahren bei einem Drittel des Welthandels, 1980 bei über 40 Prozent und macht heute bereits mehr als die Hälfte aus. Der mit Abstand größte intraregionale Handelsstrom ist in Europa zu verzeichnen. Allerdings nimmt der Anteil des innereuropäischen Handels am Welthandel nicht mehr zu, sondern stagniert auf hohem Niveau. Demgegenüber expandiert der Handel in Nordamerika und in der asiatisch-pazifischen Region erheblich schneller als der Welthandel. In Lateinamerika und Afrika wiederum spielt der intraregionale Handel nur eine geringe Rolle und wächst im Übrigen in ähnlichem Tempo wie der Welthandel.
Die Länder der Triade beherrschen auch den interregionalen Handel. Die größten Handelsströme verlaufen zwischen Europa, Nordamerika und Asien-Pazifik. In diesem "Dreieck" ist der transpazifische Handel zwischen Nordamerika und der asiatisch-pazifischen Region der weitaus gewichtigste interregionale Warenstrom, gefolgt vom transatlantischen Handel zwischen Nordamerika und Europa und dem euro-asiatischen Handel zwischen Asien-Pazifik und Europa. In Regionen wie Afrika und Lateinamerika dominiert dagegen klar der interregionale Handel mit Industrieländern - ihre Haupthandelspartner sind in diesem Falle Europa bzw. die Vereinigten Staaten. Es zeigt sich also ein Spannungsverhältnis zwischen dem Bedeutungszuwachs des intraregionalen Handels und einer wachsenden Handelsverflechtung in der Triade einerseits und der Abhängigkeit weniger entwickelter Regionen vom interregionalen Handel mit den Triade-Staaten andererseits.
Wandel der Warenstruktur
Auch in sektoraler Hinsicht hat sich die Struktur des internationalen Handels erheblich gewandelt. Das Vordringen des Dienstleistungshandels wurde bereits erwähnt. Im Warensektor ist der ehemals dominierende Agrarhandel von annähernd 50 Prozent (1950) auf einen Anteil von weniger als zehn Prozent (2001) des gesamten Handels geschrumpft. Der Handel mit Bergbauprodukten und Energieträgern, der von fossilen Brennstoffen wie Erdöl und Erdgas geprägt wird, ging in den achtziger Jahren stark zurück. Darin zeigen sich die Folgen der Erdölpreiskrise von 1979/80: die Energiesparmaßnahmen, die stärkere Nutzung nichtfossiler Energieträger und die beschleunigte Erschließung heimischer Energiequellen. Diese Trends bestehen zwar weiterhin, aber in abgeschwächter Form. Dementsprechend hat sich der Handel mit Energieträgern bei etwa einem Zehntel des globalen Warenhandels stabilisiert. Das dynamische Element in diesem Sektor ist hingegen der Handel mit Industriegütern.
Innerhalb des Industriegüterhandels haben sich die Gewichte deutlich zugunsten der Informations- und Nachrichtentechnik verschoben. Die Produkte dieser Branche zeichnen sich durch ständige Erneuerung (Innovation) aus, die aus einem hohen Einsatz von Forschung und Entwicklung (Technologie) im Wertschöpfungsprozess resultiert. Auch der Anteil chemischer und pharmazeutischer - ebenfalls wertschöpfungs- und technologieintensiver - Produkte am Industriegüterhandel ist (leicht) gestiegen, während andere - eher kapital- und arbeitsintensive - Bereiche wie der Handel mit Eisen und Stahl, Automobilen, Textil- und Bekleidungserzeugnissen stagnieren oder an Gewicht verloren haben. Dies bedeutet allerdings nur, dass sie langsamer als der insgesamt florierende Industriegüterhandel gewachsen sind.
Den weltweiten Entwicklungen liegen unterschiedliche regionale Trends zugrunde. Die Entwicklungsländer Afrikas, des Mittleren Ostens und Lateinamerikas und die "Transformationsländer" (Länder im Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft) Mittel- und Osteuropas sind noch in relativ hohem Maße (und teilweise zunehmend) vom Handel mit landwirtschaftlichen Produkten und Rohstoffen abhängig. Führend in diesem traditionellen Sektor des internationalen Warenhandels sind allerdings Nordamerika und Westeuropa, was hauptsächlich durch eine künstliche Verbilligung der Erzeugung - und des Exports - von Agrargütern durch Subventionen zu erklären ist.
Im Bereich Bergbau und Energie fließen hingegen die Handelsströme überwiegend aus Entwicklungs- und Transformationsländern in die industrialisierte Welt, wobei der Mittlere Osten mit seinen riesigen Ölexporten herausragt. Bei Industriegütern wiederum hängt die Arbeitsteilung zwischen den Ländern wesentlich von der Art der gehandelten Produkte bzw. ihrer sektoralen Zuordnung ab. Die Grundregel dabei ist, dass gleich entwickelte Länder eher intraindustriellen Handel (zum Beispiel Maschinen gegen andere Maschinen), ungleich entwickelte dagegen stärker interindustriellen Handel (zum Beispiel Maschinen gegen Bekleidung) treiben.
Aus diesem Grunde ist der Handel zwischen Industrieländern (Nord-Nord-Handel) in hohem Maße intraindustriell und damit auch weitgehend substitutiv: Ausländische Produkte ersetzen inländische Erzeugnisse der gleichen Kategorie. Insgesamt ist der Anteil des intraindustriellen Handels am gesamten Industriegüterhandel kräftig gewachsen. Berechnungen zufolge lag er zu Beginn des 20. Jahrhunderts bei etwa 50 Prozent und erreicht heute bereits mehr als 80 Prozent.
In der Angebotspalette der Entwicklungsländer spielt die Produktdifferenzierung noch eine relativ geringe Rolle. Sie handeln deshalb bei Industriegütern überwiegend auf interindustrieller/komplementärer Basis und mit Industrieländern (Nord-Süd-Handel). Dabei werden arbeits- und rohstoffreich produzierte Waren gegen technologie- und humankapitalintensive Produkte getauscht. Hierin spiegeln sich die unterschiedlichen Kostenstrukturen der Länder und ihre unter-schiedliche Ausstattung mit Produktionsfaktoren wider. In den Industrieländern sind die Lohnkosten hoch, qualifizierte Arbeitskräfte ("Humankapital") und Technologie sind vergleichsweise reichlich und Naturressourcen oft eher spärlich verfügbar, während es sich in Entwicklungsländern häufig umgekehrt verhält. Industrieländer sind daher weitgehend auf hochwertige Erzeugnisse spezialisiert und importieren hauptsächlich einfache Produkte aus Entwicklungsländern.
Allerdings kommt dieses traditionelle Muster mehr und mehr ins Wanken. Viele "Industrieländer der zweiten und dritten Generation" (Schwellenländer) fächern ihr Angebot auf (diversifizieren) und stoßen dabei in den Bereich der Technologiegüter vor. Damit verbessern sich nicht nur die Chancen für mehr Handel der Entwicklungsländer untereinander (Süd-Süd-Handel). Diese Länder dringen vielmehr auch in die Domänen der Industrieländer ein. Das beste Beispiel für einen solchen Prozess ist das heutige Hochtechnologieland Japan, das noch vor wenigen Jahrzehnten den Status eines Entwicklungslandes hatte. Aktuellere Beispiele sind die Erfolge etwa Südkoreas bei Unterhaltungselektronik und Automobilen sowie Indiens und Israels bei Softwareprodukten.
Dabei verändert sich das überkommene Muster des Nord-Süd-Handels. Unternehmen aus Entwicklungsländern treten verstärkt als Konkurrenten auf Industrieländermärkten in Erscheinung und umgekehrt. Gleichzeitig werden Entwicklungsländerstandorte immer häufiger in Produktionsnetzwerke international tätiger, zumeist aus Industrieländern stammender Unternehmen einbezogen. In diesem grenzüberschreitenden arbeitsteiligen Wertschöpfungsprozess übernehmen sie in der Regel Teilfertigungen, bei denen in relativ hohem Maße (importiertes) Sachkapital und (mehr oder weniger qualifizierte) Arbeitskraft eingesetzt wird. Humankapital- und technologieintensive Prozesse finden dagegen eher in Industrieländern statt.
Ein gutes Beispiel für diese komplementären Beziehungen innerhalb von Wertschöpfungsketten ist der Handel mit Produkten der Informations- und Nachrichtentechnik. Sein Anteil am Nord-Süd-Handel und auch am Süd-Süd-Handel mit Industriegütern ist stark gewachsen und bildet hier bereits den größten Posten. Dies liegt aber nicht so sehr daran, dass Entwicklungsländer selbstständig - "integriert" - Hochtechnologiegüter in diesem Sektor produzieren und exportieren, sondern erklärt sich eher durch die Auslagerung einzelner Produktionsstufen in den "Süden". Dort werden nämlich hauptsächlich importierte Vorprodukte (wie zum Beispiel Mikrochips), die bereits viel Technologie enthalten, mit relativ geringem Technologieeinsatz zu Endprodukten (wie zum Beispiel PCs) zusammengesetzt. Aus diesem Grunde schlägt sich auch der wachsende Entwicklungsländeranteil am Handel mit Technologiegütern nicht in einem entsprechenden Einkommenszuwachs in Entwicklungsländern nieder; die "einkommensträchtigen" Wertschöpfungsabschnitte werden bislang eher in Industrieländern durchgeführt. |
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10. Februar 2012
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Zahlen und Fakten |
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Globalisierung
Kaum ein Thema wird so intensiv und kontrovers diskutiert wie die Globalisierung. "Zahlen und Fakten" liefert aktuelle Grafiken, Texte und Tabellen zu einem der wichtigsten und vielschichtigsten Prozesse der Gegenwart. |
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