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Informationen zur politischen Bildung (Heft 280)
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Weltwirtschaft und internationale Arbeitsteilung |

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Georg Koopmann / Fritz Franzmeyer
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Nirgendwo hat sich die Globalisierung so deutlich beschleunigt wie in der Finanzsphäre. Die Mobilisierungskosten sind hier besonders gering. Seit in der EU, in der OECD und auch weltweit nicht mehr oder kaum noch Kapitalverkehrsbeschränkungen existieren, können Anleger minutenschnell ihr Geldvermögen (Portefeuille) international umschichten oder ihr flüssiges Geld in den verschiedensten Währungen anlegen. Die Schwankungen der Devisenmärkte (Volatilität) waren ein Grund für die politisch Verantwortlichen, den Europäischen Binnenmarkt, zu dem wesentlich auch die Kapitalverkehrsfreiheit gehört, durch eine Währungsunion zu "krönen". Denn dadurch wird die durch Volatilität verursachte Unsicherheit bei grenzüberschreitenden Transaktionen in Europa ausgeschaltet. Auf der Grundlage wechselseitig verflochtener (integrierter) Märkte und sich angleichender (konvergenter) Wirtschaftspolitik wurden die nationalen Währungen durch die Einheitswährung "Euro" ersetzt.
Voraussetzung dafür war, dass die zwölf Teilnehmerländer - es fehlen Großbritannien, Dänemark und Schweden - die so genannten Konvergenzkriterien erfüllten: Sie mussten ihre Preise erfolgreich stabilisiert haben, ihr Zinsniveau durfte nicht wesentlich von dem der preisstabilsten Mitgliedstaaten abweichen, ihre laufende Staatsverschuldung durfte und darf künftig nicht die Marke von drei Prozent, die ihres gesamten öffentlichen Schuldenstandes nicht die Marke von 60 Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsproduktes überschreiten.
Der Schritt zur Währungsunion bringt für die Mitglieder einige Vorteile mit sich, wie zum Beispiel die Verminderung von Unsicherheit und eine Vereinfachung ökonomischer Transaktionen. Er bedeutet für sie aber zugleich ein weiteres Stück Globalisierung bzw. Regionalisierung, da er alle anderen Systemelemente, vor allem die nationalen Löhne, unter verstärkten Anpassungsdruck setzt. Denn bei einer Einheitswährung kann sich ein beteiligtes Land dem Kostenwettbewerb nicht mehr einfach durch eine Währungsabwertung entziehen. Der Markt wird durchsichtiger und der Wettbewerb noch härter.
Der Handel an den Devisenmärkten konzentriert sich seit der Einführung des Euro auf das Währungsdreieck US-Dollar - Euro - Yen. Daneben haben auch das Britische Pfund und der Schweizer Franken erhebliches Gewicht. Hauptakteure sind neben den beteiligten Notenbanken die "institutionellen Anleger", also "Kapitalsammelstellen" wie Versicherungen, Pensions- und Investmentfonds. Sie geben die Richtung vor, an der sich die kleinen Anleger orientieren. Der Euro beeinflusst in hohem Maße das Marktverhalten der Anleger. In Europa zählt nun nicht mehr das Länderrisiko, sondern nur noch das Branchen- oder das individuelle Unternehmensrisiko.
Entkoppelung der Finanz- und Warenmärkte
Tagtäglich werden kaum vorstellbare Beträge an Finanzkapital "um den Globus gejagt". Ziel ist es, Ertragsdifferenzen - zum Beispiel Zinsunterschiede zwischen verschiedenen Währungsräumen - auszunutzen (Arbitrage). Solche Differenzen ergeben sich vor allem aus von den Marktteilnehmern erwarteten Wechselkursänderungen. Diese sind nach wie vor auch Ausdruck von Unterschieden in den so genannten Fundamentaldaten: Wenn die Preissteigerungsraten in den einzelnen Ländern, ausgedrückt in der jeweiligen Landeswährung, zu unterschiedlich sind, entsprechen die Umrechnungskurse bald nicht mehr der gegenseitigen "Kaufkraftparität" und müssen daher angepasst werden. Ähnliches gilt, wenn ein Land auf Dauer mehr Waren und Dienstleistungen importiert als exportiert und nicht länger in der Lage ist, zum Ausgleich ausländisches Kapital - zum Beispiel in Form von Aktien - anzuziehen. Dann wird zur Begleichung der entsprechenden Rechnungen die Währung dieses Landes am Devisenmarkt andauernd stark angeboten und schwach nachgefragt, so dass der Wechselkurs fällt. Diese Veränderung der "relativen Preise" im Außenhandel bremst den Importanstieg und fördert den Export des Landes und sorgt damit für einen Ausgleich von Angebot und Nachfrage auch auf den Gütermärkten.
Eine Währungsabwertung gilt jedoch als Ausdruck wirtschaftlicher Schwäche eines Landes. Deshalb ist sie politisch oft nicht erwünscht. Hinzu kommt, dass ständige Kursschwankungen ein Unsicherheitsmoment in die internationalen Geschäftsbeziehungen hineintragen. Daher interveniert die Notenbank eines Landes oft mit Stützungskäufen bzw. -verkäufen am Devisenmarkt, oder sie erhöht das Zinsniveau, um Kapitalabflüsse größeren Ausmaßes zu verhindern. Das kann sie natürlich nur in engen Grenzen durchhalten, weil sich mit zunehmender Intervention ihre Devisenreserven erschöpfen und weil ein zu hoher Zins der Konjunktur im Lande schadet. Früher oder später muss der aufgestaute Anpassungsbedarf daher in eine Wechselkurskorrektur münden.
Bei einem Wechselkursregime der "Stufenflexibilität" wie im Europäischen Währungssystem (EWS) bildet sich der Wechselkurs nicht ausschließlich durch privates Devisenangebot und private Devisennachfrage. Vielmehr bestimmen auch Regierungsentscheidungen, an die die beteiligten Notenbanken in ihrem Devisenmarktverhalten gebunden sind, die Kursentwicklung. Durch Wechselkurskorrekturen wurden deshalb zuweilen enorme Ertragssprünge realisiert. Dies hat dazu geführt, dass zumindest auf kürzere Sicht immer weniger die zu Grunde liegenden Handelsgeschäfte und die Fundamentaldaten als vielmehr die davon abgelöste Spekulation oder Arbitrage den Kurs bestimmen und andere Devisenmarktteilnehmer verunsichern. Weil es in Anbetracht der immensen Transaktionssummen den Notenbanken kaum noch möglich war, die Spekulation durch Kursstützung zu entmutigen, wurde 1993 in der EU das EWS faktisch außer Kraft gesetzt, indem die vereinbarten höchstzulässigen wechselseitigen Kursschwankungen der Teilnahmewährungen von ±2,25 Prozent auf ±15 Prozent erweitert wurden.
Derivatenhandel
Die Schwankungen der Devisen- und Finanzmärkte haben seit den achtziger Jahren neue Finanzinstrumente hervorgebracht, die vom Basisgeschäft abgeleitet sind und deswegen Derivate heißen. Hierzu gehören in erster Linie Terminkontrakte (Futures, Forwards, Options). Diese beinhalten die Pflicht bzw. das Recht zum Kauf/
Verkauf beispielsweise von Aktien, festverzinslichen Wertpapieren, Devisen und Rohstoffen. Dabei wird zum Beispiel für einen bestimmten Rohstoff, der erst später geliefert werden soll, schon zu Beginn des Geschäfts der Kaufpreis festgelegt. Das Geschäft wird also gegen Schwankungen des Preises für diesen Rohstoff zwischen Vertragsabschluss und Lieferung abgesichert. Mit Derivaten wird am Terminmarkt gehandelt.
Derivate bilden nicht per se eine Gefahr für das internationale Finanzsystem. Doch kann mit ihnen auch spekuliert werden. Die Volatilität der Devisen- und Finanzmärkte, die das Derivatgeschäft ja erst hervorgebracht hat, könnte hierdurch noch gesteigert und dadurch die Stabilität des internationalen Finanzsystems erschüttert werden.
Wenn sich Finanzinstitute verspekulieren und zusammenbrechen, kann es zu Kettenreaktionen kommen (Domino-Effekt), da die Institute häufig untereinander verschuldet sind oder ihr Geld gemeinsam in Großprojekte investiert haben. Dann nehmen auch die Einleger Schaden. Großes Aufsehen erregte im Februar 1995 in diesem Zusammenhang der Kollaps der 232 Jahre alten britischen Handelsbank Barings: Ein in Singapur tätiger Devisen- und Derivatenhändler von "Baring Futures Singapore" hatte unkontrolliert auf Kurssteigerungen für eine bestimmte Gruppe japanischer Aktien spekuliert. Doch die Kursentwicklung verlief anhaltend genau seinen Erwartungen entgegengesetzt, er musste sich zu den Fälligkeitsterminen jeweils teuer eindecken und verspielte fast 1,4 Milliarden Dollar. Nicht nur das Singapurer Tochterunternehmen, auch die britische Muttergesellschaft brach daraufhin zusammen.
Finanzinstitute und staatliche Aufsichtsbehörden sind deshalb nunmehr bemüht, dem Marktgeschehen und insbesondere dem Handel mit Derivaten Grenzen zu setzen. Eine Möglichkeit wäre, Devisengeschäfte durch eine Steuer wie zum Beispiel die Tobin-Steuer zu verteuern - dies träfe freilich auch die "normale" Risikoabsicherung. Eine andere Möglichkeit bestünde darin, den Handlungsspielraum der Akteure dadurch einzuschränken, dass ihre Engagements an den Devisenmärkten strenger an die Ausstattung mit Eigenmitteln gebunden werden. Die Institute selber setzen mehr auf innere Transparenz und Professionalisierung des Risikomanagements. Die Entwicklung eines internationalen Ordnungsrahmens für die Finanzmärkte steckt noch in den Anfängen. |
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19. März 2010
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Zahlen und Fakten |
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Globalisierung
Kaum ein Phänomen wird so intensiv und kontrovers diskutiert wie die Globalisierung. Zahlen und Fakten zeigt: Die ökonomische, soziale und kulturelle Vernetzung war noch nie so ausgeprägt wie zu Beginn des 21. Jahrhunderts. |
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