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China und die USA: Washingtons Fernostpolitik nach dem 11. September 2001


15.7.2002
Im Rahmen seiner "internationalen Antiterror-Koalition" hat George W. Bush in wenigen Monaten erreicht, was sein Vorgänger Bill Clinton jahrelang ergebnislos versuchte: eine deutliche Beschneidung der...

Einleitung



Im Rahmen seiner "internationalen Antiterror-Koalition" hat George W. Bush in wenigen Monaten erreicht, was sein Vorgänger Bill Clinton jahrelang ergebnislos versuchte: eine deutliche Beschneidung der strategischen Manövrierfähigkeit der Volksrepublik China. Peking war von beiden Administrationen als möglicher kommender Herausforderer im Pazifik gesehen worden, aber Bush hatte diese Einschätzung, anders als Clinton, öffentlich und aggressiv vertreten. Während sich China mittlerweile von Allianzen und neuen militärischen Partnerschaften der USA eingekreist sieht, hat Washington weder die Option auf die Schaffung eines regionalen und nationalen Raketenschirms fallen gelassen noch jene auf humanitäre Intervention.

Gleichzeitig hatte die Volksrepublik angesichts ihrer anhaltenden Abhängigkeit von amerikanischem Kapital und amerikanischer Technologie sowie des durch die Terroranschläge von New York und Washington ausgelösten moralischen Drucks kaum eine andere Wahl, als sich mit Washington zu arrangieren. So signalisierte Bushs Staatsbesuch in Peking vom Februar 2002 nach der spektakulären Verschlechterung der Beziehungen kurz nach Amtsantritt der republikanischen Administration einen atmosphärischen Fortschritt. Nichtsdestoweniger blieben die traditionellen Probleme in Fragen der Menschenrechte, Proliferation von Atom- und Raketentechnologien sowie der chinesisch-taiwanesischen Beziehungen nicht nur ungelöst. In einigen dieser Bereiche erhöhte Bush den Druck auf die Volksrepublik sogar weiter.

Unmittelbar nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hatte der chinesische Staats- und Parteichef Jiang Zemin mit Bush telefoniert, um zu kondolieren und die Teilnahme Pekings am antiterroristischen Kampf anzukündigen. Zu dieser Zeit sprachen einige chinesische Zeitungen und Internet-Chatrooms noch eine andere, amerikafeindliche Sprache. Nach einer kurzen Phase der Meinungsfreiheit ordnete Jiang das Ende der zunehmend antiamerikanischen Rhetorik in den Medien an.

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