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Informationen zur politischen Bildung (Heft 268)
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Gesellschaftsstruktur und -politik |

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Jörg Nagler
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Von 1940 an, seit die Daten zum Bildungsstand der Bevölkerung erfasst werden, hat sich der Prozentsatz an Highschool-Absolvierenden erheblich erhöht. Besaßen damals nur 38 Prozent aller US-Amerikanerinnen und -Amerikaner einen solchen Abschluss, so waren es 2001 bereits 88 Prozent. Für die vierjährige College-Ausbildung stiegen die Zahlen im gleichen Zeitraum von 4,7 auf 24,5 Prozent.
Die gesamten öffentlichen und privaten Ausgaben für Bildungseinrichtungen prozentual bezogen auf die Wirtschaftsleistung der USA beliefen sich 2001/2002 auf 7,4 Prozent.
Es ist äußerst schwierig, einheitliche Aussagen über den Bildungsstand der Bevölkerung zu machen; zu unterschiedlich sind die Bildungsangebote auf regionaler Ebene, die jeweils von den finanziellen Möglichkeiten der Gemeinden, Kirchen, Einzelstaaten oder Stiftungen abhängen. In einigen Regionen stellt das Analphabetentum noch ein Problem dar. Auch wird - wie in anderen Industrieländern - hinterfragt, ob das jetzige Bildungsangebot und -system noch den globalen Anforderungen der Wissensvermittlung entspricht.
Allerdings hat sich die technische Ausstattung der öffentlichen Schulen in den USA im Bereich der Computertechnologie in den letzten Jahren erheblich verbessert. Derzeit müssen sich nur noch fünf Schülerinnen und Schüler einen Computer teilen im Vergleich zu zwanzig Anfang der neunziger Jahre. Auch der Anschluss ans Internet ist in den meisten Schulen schon seit geraumer Zeit gewährleistet.
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Quellentext
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Hochschulwesen in den USA In Amerika wurde im Jahr 1636 Harvard gegründet, die älteste und bis heute renommierteste Hochschule Amerikas. Die ersten Colleges der Kolonialzeit wurden noch von Klerikern geleitet und waren nach dem Modell englischer und holländischer Universitäten konstruiert. Bis zur Gründung der Republik (1776) spielten Hochschulen keine große Rolle in der amerikanischen Gesellschaft. Nach Scott entstand das amerikanische Hochschulsystem in drei Phasen. In der ersten Phase, die zeitlich zwischen dem Ende des Bürgerkriegs (1865) und der Jahrhundertwende einzuordnen ist, war die Industrialisierung die stärkste Triebkraft. Reiche Unternehmer und Bankiers gründeten aus eigenen finanziellen Mitteln Hochschulen. [...] Schon bald wurde das zunächst noch bestehende humanistische Bildungsideal, [...] von einem utilitaristisch geprägten Bildungsideal dominiert.
Eine zweite Phase lässt sich zwischen der Jahrhundertwende und dem Ende des Zweiten Weltkriegs ausmachen. In dieser Zeit entstand langsam ein differenziertes akademisches System. Mit dem Erbvermögen von Familiendynastien wurde eine Anzahl von Stiftungen (Foundations) gegründet, von denen viele einen Bildungsauftrag erfüllen wollten. Der private Hochschulbereich erhielt somit erhebliche finanzielle Unterstützung, und auch die akademischen Standards wurden angehoben.
[...] Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war die nationale Hochschulpolitik unbedeutend. Erst zwischen 1945 und 1965 wurde der staatliche Einfluss auf das Hochschulwesen relevant. In dieser dritten Phase expandierte das akademische System. 1944 erhielten [...] zwei Millionen Kriegsveteranen eine vierjährige kostenlose Hochschulausbildung. 1958 wurde im Rahmen des National Defense and Education Act vor allem die Situation naturwissenschaftlicher Forschung und Lehre verbessert. Die staatlichen Universitäten erhielten durch den Higher Education Act von 1965 weitere finanzielle Förderung. Das zunehmende staatliche Engagement wurde einerseits durch die Geburtenentwicklung erforderlich: Seit Anfang der sechziger Jahre strömten Massen an [...] Jugendlichen an die Hochschulen. Darüber hinaus verfolgten die Präsidenten Kennedy und Johnson das Ziel, soziale Aspekte der Hochschulbildung stärker zu berücksichtigen und die Chancengleichheit im Hochschulwesen zu fördern.
Mit Blick auf die Entwicklung der Studentenzahlen ist festzustellen, dass zwischen dem Bürgerkrieg und dem Zweiten Weltkrieg die Anzahl der Studierenden fünfmal schneller als die Bevölkerung des Landes wuchs. 1960 besuchten knapp 20 Prozent der Amerikaner zwischen 18 und 24 Jahren eine Hochschule. Bis 1980 stieg der Anteil dieser Altersgruppe auf 40 Prozent. [...]
Die Dekane (Deans) der staatlichen Hochschulen treffen sich jährlich, um einen Universitätsvergleich durchzuführen, wobei als Qualitätskriterium die Studentenzahl zugrunde gelegt wird. Je mehr Studenten (insbesondere aus anderen Staaten) immatrikuliert sind, desto höher wird die Qualität der Hochschule eingeschätzt. Dies ist als Kriterium nur deshalb zulässig, weil amerikanische Universitäten um die Studierenden konkurrieren und die Studierenden sich für eine Hochschule selbst entscheiden können. [...]
Nach Bok ist der Einfluss dreier Kulturen - der englischen, der deutschen und der amerikanischen - grundlegend für das heutige Universitätssystem der USA. Der englische Einfluss kommt im heutigen System noch darin zum Ausdruck, dass die breit angelegte "liberal undergraduate education" nicht nur das Ziel verfolgt, den Geist zu trainieren, sondern auch den Charakter der Studierenden zu entwickeln. Aus Deutschland wurden die Ideale der Forschungs- und Wissenschaftsfreiheit sowie der Lehr- und Lernfreiheit übernommen. Der Einfluss aus dem eigenen Land äußerst sich vor allem in der Übernahme der tief verwurzelten Werte der heimischen Kultur in das Universitätssystem. Hier sind insbesondere das Misstrauen gegenüber Staat und Regierung sowie ein ungebrochener Glaube an den Wettbewerb zu nennen. [...]
Bettina Wentzel/Dirk Wentzel (Hg.), Wirtschaftlicher Systemvergleich Deutschland/USA, Stuttgart 2000, S. 231 ff.
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19. März 2010
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