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Informationen zur politischen Bildung (Heft 268)

Gesellschaftsstruktur und -politik


Jörg Nagler
Inhalt

Einleitung

Bevölkerung

Soziale Sicherung

Einkommensverteilung

Bildungswesen

Verstädterung

Multiethnische Gesellschaft

Religionszugehörigkeiten

Verstädterung
Während des gesamten 19. Jahrhunderts waren die Vereinigten Staaten eine vorwiegend agrarisch geprägte Nation. Allerdings waren in bestimmten Regionen - vorwiegend im Nordosten - durch die dort schnell einsetzende Industrialisierung großstädtische Ballungsgebiete wie New York, Boston und Philadelphia entstanden. In den zumeist schachbrettartig nach dem Vorbild Philadelphias angelegten Städten finden sich Fremde durch die Nummerierung der Straßen und deren Angaben in Himmelsrichtungen leicht zurecht. Ende des 19. Jahrhunderts ragten die ersten Wolkenkratzer, durch überdimensionale neuartige Stahlkonstruktionen gehalten, in den Himmel der Großstädte. Die Erfindung des Fahrstuhls machte imposante Gebäude wie das Empire State Building in New York oder das Hancock Center in Chicago mit über hundert Stockwerken erst denkbar. Wolkenkratzer waren der architektonische Ausdruck eines nationalen Zukunftsoptimismus, dessen Blick sich jetzt zunehmend auf die urbanen Gebiete richtete. Anfang des 20. Jahrhunderts überschritt die Zahl der städtischen Bevölkerung in Orten mit mehr als 2500 Einwohnerinnen und Einwohnern die der ländlichen.
Dieser Prozess der Verstädterung nimmt weiterhin kontinuierlich zu. Anders als in Europa waren Städtegründungen in den USA weniger in staatliche Lenkung und Kontrollen eingebunden. Die weiträumigen Landflächen in Verbindung mit einer ausgeprägten Bevölkerungsmobilität, die unterschiedlichen regionalen Besonderheiten sowie infrastrukturelle Bedingungen lieferten ständig neue Impulse zu Stadtgründungen, die rasch umgesetzt wurden. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges verlor die industrielle Kernstadt indessen zunehmend an Bedeutung und diejenige der Vorstadt nahm entsprechend zu. Etwa 60 Prozent der Großstadtbevölkerung leben heute im vorstädtischen Umland. Seit einigen Jahrzehnten findet auch im Süden und im Westen ein Urbanisierungsprozess statt. In jüngster Zeit stieg jedoch die Anzahl der Kleinstädte und ihrer Einwohnerschaft, im Vergleich zur Zahl der Großstädte, verursacht durch Abwanderung der großstädtischen und auch ländlichen Bevölkerung in kleinere Ortschaften dünn besiedelter Regionen.

Probleme der Großstädte

Die nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzende massive Abwanderung aus den amerikanischen Großstädten in die Vorstädte, besonders im Nordosten und Mittleren Westen, hatte erhebliche Folgen für die soziale und ethnische Zusammensetzung der urbanen Bevölkerung. Zumeist waren es Angehörige der einkommensstärkeren weißen Mittelschicht, die in das suburbane Umland zogen. Der Anteil der Afro- und Hispano-Amerikaner in den Großstädten wuchs erheblich. 1980 stellten Schwarze zum Beispiel in Baltimore, Chicago, Cleveland, St. Louis und Washington, D.C. die Bevölkerungsmehrheit, was zu verstärkten ethnischen Spannungen in diesen und anderen urbanen Zentren führte.
Schon rein äußerlich boten diese Innenstädte in bestimmten Gebieten ein erschreckendes Bild, da viele Wohneinheiten durch die Abwanderung einfach aufgegeben worden waren. Neben dem Verlust der traditionellen industriellen Arbeitsplätze wirkte sich der durch den Wegzug der finanzstärkeren weißen Bevölkerungsgruppen verursachte Verlust an Steueraufkommen negativ auf diese Städte aus, da dementsprechend weniger für ihren Erhalt investiert werden konnte. Die ethnisch und sozial veränderte urbane Bevölkerungszusammensetzung hatte ihre Wirkung auf die Politik. In einigen Städten mit afroamerikanischen Mehrheiten wurden nun auch schwarze Bürgermeister gewählt, die generell stärker auf die Belange von Minoritäten eingingen.
Das Grundproblem der Großstädte bleibt die brisante soziale Situation: die Kluft zwischen Arm und Reich und zum Teil die Ghettoisierung bestimmter ethnischer Minderheiten mit wachsender Armut, hohen Kriminalitätsraten, Drogenhandel und -konsum. Erst in letzter Zeit hat es teilweise Verbesserungen dieser Zustände gegeben, wie zum Beispiel in New York City, wo seit einigen Jahren die Straßenkriminalität merklich zurückgeht. Dies ist einerseits die Folge bundesstaatlicher Programme zur Kriminalitätsbekämpfung, die in den neunziger Jahren entwickelt wurden, andererseits auch das Resultat eines höheren Polizeieinsatzes in den Großstädten. Das Bundesgesetz zur Bekämpfung von Gewaltkriminalität von 1994 zum Beispiel stellte Finanzmittel zur Einstellung von 100 000 zusätzlichen Polizeikräften zur Verfügung.

Stadterneuerung

Mittlerweile haben sich in den USA so genannte metropolitan areas gebildet, zusammenwachsende Großstadtballungsgebiete wie zum Beispiel der Bereich um New York City, der insgesamt eine Bevölkerung von 21,2 Millionen aufweist (Stand 2000), gefolgt von Los Angeles mit 16,4, Chicago mit 9,2, Washington mit 7,6 und San Francisco mit sieben Millionen Menschen. Zur Zeit leben etwa 75 Prozent der US-Bevölkerung in diesen urbanen Einzugsgebieten. Diese Tatsache gestaltet auch den ländlichen Raum um. Die größte Bevölkerungszuwachsrate derartiger Zentren hat Phoenix (Arizona) mit 22,7 Prozent seit 1990.
Die Bevölkerungszahlen für Städte mit einer Einwohnerschaft von mehr als zwei Millionen ohne die sie umgebenden Ballungsgebiete sind beträchtlich niedriger, betrugen im Jahr 2000 aber immer noch für New York acht, für Los Angeles 3,7 und für Chicago 2,9 Millionen Menschen.
Seit einiger Zeit ist ein Trend zur Revitalisierung der Innenstädte bemerkbar, der in engem Zusammenhang mit der Entwicklung der postindustriellen Gesellschaft steht, in der die Vermittlung und Verarbeitung von Informationen und das vermehrte Angebot von Dienstleistungen im Zentrum stehen. Diese Neuorientierung hat sich auf die Wiederbelebung der downtown als Geschäftszentrum ausgewirkt, in der Banken, Stiftungen, Medien- und Werbekonzerne ihren Sitz haben. Infolgedessen sind viele Stadtbereiche als Wohngegenden wieder entdeckt worden und werden nun vermehrt von Angehörigen der Mittel- und Oberschicht bewohnt. Theater, Museen, Restaurants und Kinos sorgen für kulturellen Freizeitwert, und auch ein zunehmender Städtetourismus wie etwa nach New York und Washington, D.C. ist festzustellen.
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10. Februar 2012
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Von den Kolonien zur geeinten Nation
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Die Vereinigten Staaten von Amerika: Vorbild für die einen, Feindbild für die anderen. Kaum eine andere Nation vermag es, die Gemüter so intensiv zu vereinen oder zu spalten. Die USA, das Land der Superlative und Extreme, in einem Dossier.
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