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Informationen zur politischen Bildung (Heft 268)

Gesellschaftsstruktur und -politik


Jörg Nagler
Inhalt

Einleitung

Bevölkerung

Soziale Sicherung

Einkommensverteilung

Bildungswesen

Verstädterung

Multiethnische Gesellschaft

Religionszugehörigkeiten

Multiethnische Gesellschaft
Afroamerikanische Bevölkerung

Eines der zentralen Probleme der US-Gesellschaft ist sowohl in sozial-materieller als auch kultureller (und vielfach auch mentaler) Hinsicht die nach wie vor evidente Kluft zwischen Schwarz und Weiß. Sie besteht auch weiterhin trotz großer Fortschritte in den letzten Jahrzehnten zum Beispiel durch gezielte Quotenregelung und Vorzugsbehandlungen von Minoritäten im Rahmen verschiedener Regierungsprogramme zum Abbau von Benachteiligungen. Noch immer werden Afroamerikaner vielerorts diskriminiert. In Bildungseinrichtungen und wichtigen Positionen des öffentlichen Lebens etwa sind sie nach wie vor unterrepräsentiert.
Von der seit dem Zweiten Weltkrieg festzustellenden Verbesserung der Lebensbedingungen der schwarzen US-Bevölkerung haben nicht alle von ihnen gleichermaßen profitiert. Es ist eine schwarze Mittelschicht entstanden, die in vielen Bezirken durchaus harmonisch mit Weißen zusammenlebt und -arbeitet - eine Entwicklung, die letztendlich auf die Aktivitäten der Bürgerrechtsbewegung zurückzuführen ist. Allerdings liegt das heutige Problem in der nach wie vor oft ausweglosen sozialen Situation der schwarzen Unterschichten und deren negativer Wahrnehmung durch Weiße sowie zum Teil auch durch schwarze Angehörige der Mittel- und Oberschicht. Hier vermengen sich also die Kategorien von Ethnie und Schichtzugehörigkeit.
Die Statistiken belegen, dass seit der Amtszeit Ronald Reagans der Anteil schwarzer Familien, die unterhalb der Armutsgrenze leben, bis auf die jüngste Zeit nahezu kontinuierlich gestiegen ist. Wie im "weißen Amerika" ist die Einkommensverteilung innerhalb der afroamerikanischen Einwohnerschaft ungleichgewichtiger geworden: Während fünf Prozent ihrer Spitzenverdiener über ein durchschnittliches Jahreseinkommen von etwa 90000 Dollar verfügen, verdienen die zwanzig Prozent am unteren Ende der Skala lediglich 5000 Dollar.
Wie explosiv die soziale Situation verarmter schwarzer Unterschichten wirken kann, dokumentierten Unruhen in Los Angeles 1992. Auslöser war der Freispruch von weißen Polizisten, die ein Jahr zuvor den Afroamerikaner Rodney King nach einer Autojagd brutal zusammengeschlagen hatten. Der Vorfall war zufällig von einem Passanten mit einer Videokamera festgehalten und in den meisten nationalen und internationalen Fernsehprogrammen ausgestrahlt worden. Die Gewaltausschreitungen hielten mehrere Tage an und kosteten 38 Menschen das Leben. Insgesamt 3700 Gebäude wurden niedergebrannt und 4000 Personen inhaftiert. Die Tiefe des Grabens zwischen Schwarz und Weiß in den USA zeigte sich auch durch die je nach Hautfarbe unterschiedlichen Reaktionen auf den Freispruch des schwarzen Medienstars O.J. Simpson, der des Mordes an seiner weißen Ehefrau angeklagt war.
Nach wie vor existiert auch ein schwarzer Separatismus, der seit einiger Zeit am effektivsten von Louis Farrakhan, dem Führer der Nation of Islam, vertreten wird. Sein prononcierter Antisemitismus hat ihn allerdings die Unterstützung der Bürgerrechtsbewegung und der NAACP (National Association for the Advancement of Colored People) gekostet. Wegen der aktuellen Relevanz des Rassismus in den USA setzte Präsident Clinton 1997 eine Untersuchungskommission ein, deren Ergebnisse zu einer Erhöhung der Zuwendungen für minderprivilegierte ethnische Gruppierungen wie die Hispano-Amerikaner und Afroamerikaner führten. Außerdem wurde beschlossen, ein Netzwerk von hate crime- Meldegruppen zu etablieren.
Sicherlich wird das Thema der Rassenbeziehungen in den USA auch im 21. Jahrhundert ein zentrales gesellschaftliches Problemfeld bleiben. Allerdings besitzen Afroamerikanerinnen und -amerikaner mehr Einfluss als je zuvor besonders auf die politische und kulturelle Entwicklung im Land. In der US-amerikanischen Populärkultur, insbesondere in Sport und Musik, nehmen sie einen hohen Rang ein. Viele schwarze Künstler und Literaten genießen großes Ansehen, und dies weltweit. So wurde der Nobelpreis für Literatur 1994 der Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin Toni Morrison zugesprochen, die sich in ihrem Werk vornehmlich mit den Erfahrungen der afroamerikanischen Bevölkerung auseinander setzt - von der Zeit der Sklaverei bis zur Bürgerrechtsbewegung. Die politischen Parteien müssen das schwarze Wählerpotenzial stark ins Kalkül ziehen, wollen sie erfolgreich sein.
 

Quellentext
Tanz gegen Stereotype
Das kleine New Yorker Museum, in dem Martin Luther Kings großer Traum verwirklicht wird, ist auf den Stadtplänen der Touristen nur an der Peripherie verzeichnet. Zwei Blocks weiter nördlich beginnt eine Welt, die sich zur Besichtigung am Sonntagnachmittag nicht eignet. Sie sieht aus wie in dem Film Beat Street, nur dass die Schwarzen, die hier wohnen, gern mal rauskämen aus der verwahrlosten Breakdance-Kulisse der achtziger Jahre. [...]
Im Grenzgebiet dazwischen liegt das Studio Museum of Harlem. Gegründet als Plattform für afroamerikanische Künstler aller Genres, ist es einer der raren Plätze in Upper Manhattan, wo die "black experience" regelmäßig von Schwarzen und Weißen, von Malern, Politikern und Tänzern gemeinsam debattiert wird.
Eine symbolträchtigere Adresse lässt sich kaum denken: 144 West, Martin Luther King Boulevard. Linker Hand der Adam Clayton Powell Boulevard (benannt nach dem Harlemer Bürgerrechtsaktivisten) und rechts der Marcus Garvey Park (benannt nach dem Spiritus Rector der Back to Afrika-Kampagne). Hier fallen Vergangenheit und Gegenwart der Segregation in eins. [...]
Bill T. Jones, Jahrgang 1952, bedeutendster schwarzer Choreograf seiner Generation und Musterintellektueller des Modern Dance, [...] kämpft seit über dreißig Jahren gegen die Sklaverei der Stereotype. Spezialisiert hat er sich auf die Dekonstruktion rassistischer und chauvinistischer Körperbilder, wie sie im Musikvideo, aber auch in der akademischen Tanzkunst konserviert werden. Black is beautiful (Vogue) oder Ballet is woman (George Balanchine) lauten die Dogmen, gegen die er interveniert. Jones stammt aus einer schwarzen Landarbeiterfamilie mit zehn Kindern, die Urgroßmutter wurde noch vor der Abschaffung der Sklaverei geboren. "1955 bestand meine Welt nur aus Schwarzen", schreibt er in seiner Autobiografie Last Night on Earth. Am ersten Schultag saß er jedoch mit 50 weißen Kindern im Schulbus, und wenige Jahre später sah der Teenager sich als white-dependent negro. Als er Anfang der Siebziger mit dem jüdischen Italoamerikaner Arnie Zane eine Dance Company gründet, wurmt es ihn, als black artist kategorisiert zu werden.
"Ich fühlte mich sowohl von der schwarzen als auch von der weißen Kultur entfremdet. Ich wollte raus aus dem Spannungsfeld zwischen weißer Avantgarde und schwarzer Performance." [...]
Das größte Kapital seiner Company bestand von Anfang an in ihrer Heterogenität. Jones sucht die Leute nicht nur nach tänzerischen Qualitäten aus. "Sie müssen Ideen haben. [...]" Mit dieser Einstellung bleibt man natürlich ewig an der Peripherie der Kulturindustrie und kommt im Reiseführer der Pauschaltouristen nicht vor. [...]
"Fahren Sie sicherheitshalber mit dem Taxi. Und denken Sie daran, dass die Arbeitslosigkeit unter schwarzen Jugendlichen in Amerika über 50 Prozent beträgt, in Harlem sogar bis zu 90 Prozent. Schlendern Sie nicht ziellos durch die Gegend." Es könnte sonst leicht passieren, dass man mitten hineingerät in das Problem der Rassentrennung, das seit dem Ende der Civil-Rights-Bewegung als abgeschafft gilt. Bei den fliegenden Buchhändlern vorm Studio Museum verkaufen sich Malcolm X und die Black Panthers immer noch sehr gut. Dagegen ist Martin Luther Kings Idee von der Gleichheit aller Menschen nicht sehr gefragt. "I have a dream of all men being equal": Der pazifistische Egalitarismus befand sich ja schon zu Zeiten seiner größten Popularität in harschem Gegensatz zu den Maximen des Individualismus. "Free is not enough" prangt in mannshohen Lettern auf einem Werbeplakat an der Kreuzung zum Malcolm X Boulevard. "I am black. But I am more than black", hat jemand an den Bauzaun Ecke 55. Straße und 8th Avenue gekritzelt. [...]
Evelyn Finger, "Frei sein ist nicht genug" in: Die Zeit Nr. 26 vom 17. Juni 2004.

Die selbstbewusste afroamerikanische Mittelschicht hat ihren Platz neben der weißen Mittelschicht größtenteils gefunden. Die weitaus größere soziale Akzeptanz von Afroamerikanerinnen und -amerikanern seit den 1950er Jahren wird auch durch das Ergebnis einer Umfrage von 1990 dokumentiert, in der 84 Prozent der Befragten bereit waren, einen afroamerikanischen US-Präsidenten zu akzeptieren; 1958 vertraten nur 38 Prozent der Befragten diese Auffassung.
Problematisch bleiben die Lebensumstände der schwarzen Unterschichten und das damit verbundene Gefahrenpotenzial in Großstädten und auch ländlichen Gebieten. Eine Verbesserung der Bildungs- und Ausbildungschancen und eine damit einhergehende Reduzierung von Kriminalität und Bandentum sowie der Drogenproblematik sind die wichtigsten Aufgaben der Zukunft, um eine gesellschaftliche Integration dieser Schichten zu erleichtern. Zusätzlich kompliziert wird diese Aufgabe allerdings durch neue Zuwanderungsströme, die in den Problemzonen der Großstädte für neue Spannungsfelder sorgen.
Im Jahr 2002 hatten 24,1 Prozent aller Schwarzen ein Einkommen unter der Armutsgrenze; fast die Hälfte dieser Gruppe bestand aus Kindern und Jugendlichen. Der Ausbildungsstand, gemessen an den Highschool-Abschlüssen, hat sich seit den 1960er Jahren stetig verbessert. Besaßen 1965 nur 27 Prozent (51 Prozent bei Weißen) einen Highschool-Abschluss, so stieg ihr Prozentsatz bis 2002 auf 79 (88 bei Weißen). Der Anteil allein erziehender schwarzer Mütter lag 2001 bei 68,4 Prozent im Vergleich zu 27,7 bei Weißen.

Hispano-amerikanische Bevölkerung

Die Ursachen für die starke und wachsende Präsenz der hispano-amerikanischen Bevölkerung sind vielfältig. Sie sind unter anderem durch die Gebietserweiterungen im 19. Jahrhundert bedingt, wodurch mexikanische Bevölkerungsgruppen in das US-amerikanische Territorium miteinbezogen wurden; des weiteren durch die Arbeitsmigrationen während des Ersten und des Zweiten Weltkrieges, die Kubanische Revolution von 1959 sowie die politische Instabilität in Zentral- und Südamerika in Verbindung mit dortigen negativen wirtschaftlichen Entwicklungen.
Die hispano-amerikanische Bevölkerung stellte 2003 mit 39,9 Millionen 13,7 Prozent der Gesamtbevölkerung. Seit 2000 ist sie die größte ethnische Minorität des Landes. Ihre Gruppe zeigt ein heterogenes Profil, was allein schon durch die verschiedenen Herkunftsgebiete zu erklären ist: 67 Prozent stammen aus Mexiko (Chicanos), 14,5 aus Zentral- und Südamerika, zehn aus Puerto Rico, sieben aus dem karibischen Raum und 1,5 Prozent aus Kuba.
Zusätzlich weist die hispano-amerikanische Bevölkerungsgruppe unterschiedliche Charakteristika in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht auf. Ähnlich wie bei Afroamerikanern ist eine hohe Armutsrate zu verzeichnen, die zwischen 31 Prozent bei Menschen aus Puerto Rico und 14 bei denjenigen aus Kuba variiert und generell mit durchschnittlich 26 Prozent mehr als dreimal so hoch wie der Bundesdurchschnitt liegt.
Ihr Ausbildungsstand ist nach wie vor eher gering; nur knapp die Hälfte von ihnen besitzt einen Highschool-Abschluss. Da die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt sich auf Personen mit einem höheren Schul- und Hochschulabschluss konzentriert, wird sich die Situation der Hispano-Amerikanerinnen und -Amerikaner, besonders der neu eingewanderten, nach Meinung des US-amerikanischen Zensusbüros in Zukunft eher noch verschlechtern als verbessern.
Nach den Prognosen dieser Behörde wird sich der hispano-amerikanische Bevölkerungsanteil bis zum Jahr 2050 auf über 100 Millionen verdreifachen. Die Gründe für diesen rapiden Anstieg liegen in hohen Geburtenraten und der großen jährlichen Zuwanderung aus den erwähnten Herkunftsgebieten, die allein zwischen 1990 und 1994 nahezu zwei Millionen Menschen betrug.
Geographisch konzentriert sich der hispano-amerikanische Bevölkerungsanteil vor allem auf Kalifornien, Texas, New York und Florida. In den beiden erstgenannten Staaten beträgt er jeweils 26 Prozent an der Gesamtbevölkerung, in New York sowie Florida etwa zehn Prozent. Die größte Konzentration von Hispano-Amerikanern war 2000 in Los Angeles mit 1,7 Millionen (46,5 Prozent der regionalen Gesamtbevölkerung), in New York City mit 2,2 Millionen (27) und in Houston mit 0,7 Millionen (37,4) zu verzeichnen. Den größten prozentualen hispano-amerikanischen Anteil an der Gesamtbevölkerung einer Großstadt besitzt El Paso, Texas, mit 76,6 Prozent.
 

Quellentext
Latinos in Los Angeles
"Wir sind eben überall", sagt Arturo Ybarra grinsend. "Und wir sind vor allem dort, wo man uns nicht vermutet. Zumindest nicht in so großer Zahl." Ybarra, ein kleiner, stämmiger Mexikaner, der nicht weit vom Arbeitslosenzentrum entfernt die Watts Latino Organization leitet, kennt jeden Winkel im Süden von Los Angeles. Und er weiß eines ganz sicher: "Wir werden täglich mehr." [...] Statistiken erzählen Ähnliches. Schon heute ist im Ballungsraum von Los Angeles fast jeder zweite Einwohner Latino (Einwanderer aus Lateinamerika - Anm. d. Red.), längst haben sie die Schwarzen als größte Minderheit abgelöst. [...] Jaime, ein [...] Lehrer, war vor zehn Jahren aus Nicaragua nach Los Angeles geflüchtet. [...]
"So richtig passen wir nirgends und überall hin", sagt Jaime und fragt: "Bin ich schwarz oder weiß?" [...] Nicht nur wegen der Hautfarbe sitzen die Latinos politisch zwischen allen Stühlen, aber sie offenbart das Problem: Kämpfen sie mit den Schwarzen um die Privilegien der Unterprivilegierten? Solidarisieren sie sich politisch mit den Weißen? Oder suchen sie ihre Identität als Latinos? Und woraus bestünde die dann? Es gibt Latinos mit weißer Hautfarbe und mit schwarzer - Arturo beispielsweise könnte oberflächlich betrachtet auch als Afroamerikaner durchgehen. [...]
Den Latinos gehören in Los Angeles mittlerweile über 200000 [...] Geschäfte und kleine Unternehmen, fast 500000 Familien verdienen genug, um zur Mittelschicht zu zählen. Sie sind das Rückgrat der Stadt. Inzwischen allerdings funktioniert der Absprung aus dem Slum nicht mehr so einfach [...]. Die Einwanderungswelle ist so groß, dass viele Familien den Weg aus Watts nicht mehr schaffen. Zudem macht auch die immer stärker auseinander brechende kalifornische Gesellschaft den Aufstieg schwerer. Die Zahl der Armen wächst, im Großraum von Los Angeles gilt mittlerweile die Hälfte der Haushalte als arm. Die klassische Regel - die erste Generation der Immigranten macht die Drecksarbeit, die zweite stellt die Facharbeiter in der Fabrik, und die dritte schafft den Weg an die Universität - gilt längst nicht mehr. Jedes zweite Kind von Latinos bricht in Los Angeles die Schule ab. Längst schon streifen auch Latino-Gangs durch Watts. Ein neuer sozialer Sprengstoff, von dem die meisten Amerikaner noch nichts ahnen. Den Zustrom an neuen Einwanderern wird das nicht stoppen, vielen Lateinamerikanern ist auch ein armes Leben als ungewollter Gast in den USA allemal lieber als das Elend zu Hause. [...]
Petra Pinzler, "Das andere Amerika", in: Die Zeit vom 2. März 2000.

Asiatische/Pazifische Bevölkerungsgruppe

Im Jahr 2003 lebten etwa 12,4 Millionen Menschen (4,3 Prozent der Gesamtbevölkerung) asiatischer und pazifischer Abstammung in den USA, und ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung wächst schnell, seit 1990 mit zwei Prozent jährlich, was maßgeblich an Neuzuwanderungen liegt. Die Gruppe der Asian Americans ist äußerst heterogen und unterscheidet sich durch eine Vielzahl von Sprachen, Kulturen und den Zeitpunkt ihrer Einwanderung, das heißt ihren Assimilationsgrad. Ihre Majorität lebt in den drei Bundesstaaten Kalifornien, New York und Hawaii und dort hauptsächlich (94 Prozent) in großstädtischen Gebieten.
Im Vergleich zu anderen ethnischen Gruppen in den USA haben sie einen hohen Bildungsgrad: 90 Prozent der männlichen und 80 Prozent der weiblichen Asian Americans verfügen über einen Highschool-Abschluss. Eine mögliche Ursache liegt an der zum Teil sehr selektiven Auswahl, die der US-Einwanderungsbehörde bei asiatischen Immigranten unterstellt wird. Durch ihre überproportionale Präsenz an höheren Bildungseinrichtungen, ihren wirtschaftlichen Erfolg und ihre rasche Assimilation wird diese Bevölkerungsgruppe von offiziellen Stellen gern als vorbildliche Einwanderungsgruppe hingestellt - ein bemerkenswerter Umstand, gab es doch die noch stark rassistisch unterlegte Diskriminierung von Asiaten (und vor allem Japano-Amerikanern) sowohl in der Zeit des Zweiten Weltkrieges als auch noch geraume Zeit danach. Ihre heutige Stellung erweckt dagegen teilweise den Neid anderer ethnischer Minderheiten, was in Ballungsgebieten bereits zu Konflikten geführt hat. Allerdings liegt die Armutsrate bei der asiatisch-amerikanischen Bevölkerung mit durchschnittlich zwölf Prozent immer noch höher als bei der weißen.

Native Americans

Mit 2,8 Millionen (1,0 Prozent der Gesamtbevölkerung im Jahr 2003) stellen die indianischen Ureinwohner (Native Americans) nur noch die kleinste ethnische Minderheit dar, die sich wiederum aus über 500 Stämmen oder "Nationen" zusammensetzt. Seit 1970, als der Zensusbericht lediglich 800000 Native Americans aufwies, zeigt sich hier indessen eine große Steigerungsrate. Bei ihrer Beurteilung ist allerdings zu berücksichtigen, dass bei der Erfassung der neuen Bevölkerungsdaten die ethnische Selbstzuordnung als Kriterium herangezogen wird, wobei das seit 1970 stark gewachsene indianische Selbstbewusstsein eine erhebliche Rolle spielen kann.
Bevor im Kontext der Bürgerrechtsbewegung der sechziger Jahre auch die Rechte der indianischen Ureinwohner eingeklagt wurden, war die offizielle Indianerpolitik mit dem Versuch gescheitert, sie außerhalb der Reservate anzusiedeln oder aber diesen Gebieten den Sonderstatus zu nehmen. Seit den 1960er Jahren hat sich das Prinzip der Selbstverwaltung in den Reservaten in Verbindung mit einer wirtschaftlichen Stärkung durchgesetzt, nicht zuletzt durch die zunehmende Agitation indianischer Gruppen, die die Öffentlichkeit immer wieder auf ihr erlittenes Unrecht hinwiesen. 1978 wurde der American Indian Religious Freedom Act verabschiedet, der die verschiedenen religiösen Praktiken der Native Americans den anderen Religionen - vornehmlich Christentum, Judentum und Islam - in den USA gleichstellte.
In 314 Reservaten oder treuhänderisch verwalteten Gebieten mit einer Gesamtgröße von 6,4 Millionen Hektar, die in ihrer Größe, Bodenbeschaffenheit und den vorhandenen Bodenschätzen recht unterschiedlich sind, leben zur Zeit etwa 500000 Nachkommen der indianischen Ureinwohnerschaft. Siedlungsschwerpunkte sind Oklahoma (252000), Kalifornien (242000), Arizona (204000) und New Mexico (134000). Nach wie vor zeigen die Statistiken ein beklemmendes Zustandsbild der indianischen Befindlichkeit: Unter allen ethnischen Minderheiten besitzen sie die höchste Armutsrate (1990 nahezu ein Drittel), die höchste Arbeitslosenquote und die höchste Krankheitsanfälligkeit. Alkohol- und Drogenkonsum sind beträchtlich, die Selbstmordrate ist hoch.
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10. Februar 2012
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Editorial
Von den Kolonien zur geeinten Nation
Weg zur Weltmacht 1898 bis 1945
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Die Vereinigten Staaten von Amerika: Vorbild für die einen, Feindbild für die anderen. Kaum eine andere Nation vermag es, die Gemüter so intensiv zu vereinen oder zu spalten. Die USA, das Land der Superlative und Extreme, in einem Dossier.
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