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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 45/2009)

Demokratielernen durch Bildung und Partizipation


Wolfgang Gaiser / Winfried Krüger / Johann de Rijke
Inhalt

Einleitung

Demokratische Tugenden

Bildung und Partizipation

Empirische Befunde

Bewertung und Ausblick

Einleitung
Von Robert Putnam stammt die pointierte These, dass "Good government (...) a by-product of singing groups and soccer clubs" sei.[1] Allgemeiner ausgedrückt meint Putnam im Anschluss an seine Analysen der staatsbürgerlichen Traditionen im modernen Italien, dass nicht der ökonomische Entwicklungsstand, sondern soziales Kapital die wichtigste Voraussetzung für das Funktionieren demokratischer Systeme sei - und das nicht nur in Italien. Soziales Kapital in diesem Sinne ist das aktive Engagement von Bürgern in Vereinen und Verbänden, denn ziviles Engagement befördere die individuelle Fähigkeit zum gemeinsamen Handeln und überhaupt das Interesse an öffentlichen Angelegenheiten.

Zur Person
Wolfgang Gaiser
Dr. rer. soc., Dipl.-Soz., geb. 1946; wissenschaftlicher Referent am Deutschen Jugendinstitut e.V. (DJI); Grundsatzreferent für Jugendforschung, Abt. Jugend und Jugendhilfe, DJI, Nockherstraße 2, 81541 München.
E-Mail: gaiser@dji.de

Es sind Sozialisationsgewinne dieser Art, die bereits Alexis de Tocqueville dazu veranlassten, freiwillige Vereinigungen "Schulen der Demokratie" zu nennen.[2] Daher wird dem Lernen in weniger formalisierten Kontexten der außerschulischen Jugendbildung breite Aufmerksamkeit geschenkt.

Zur Person
Winfried Krüger
M.A., geb. 1939; seit 1990 im Projekt DJI-Jugendsurvey (1.-3. Welle); freiberuflicher Soziologe und Organisationsberater (Supervisor), Viktoriastraße 26, 80803 München.
E-Mail: krueger-winfried@gmx.de
Internet: www.supervisionsprojekt-muenchen.de/home.html.

In der öffentlichen Debatte ist unumstritten, dass ein Blick auf Bildung, der sich nur auf die klassischen Institutionen der Schule, der Ausbildung und Hochschule richtet, zu kurz greift. Es geht auch um die Chancen des Kompetenzgewinns, die außerhalb des formalen Bildungssystems im freiwilligen Engagement liegen.[3] Für das freiwillige Engagement, die Mitgliedschaft in Vereinen und Verbänden, wird allerdings immer wieder auch die Bedeutung der formalen Bildung als Voraussetzung oder zumindest doch ihre begünstigende Bedingung für den Einstieg in diesen Bereich hervorgehoben. Der Bericht "Bildung in Deutschland"[4] beispielsweise weist auf das Problem hin, dass sich Hauptschüler nur halb so oft freiwillig engagieren wie Gymnasiasten.

Zur Person
Johann de Rijke
Dipl.-Soz., geb. 1946; wissenschaftlicher Referent am DJI, Abteilung "Social Monitoring", Schellingstraße 117, 80798 München.
E-Mail: derijke@dji.de

Generell geht es also um die Frage nach gesellschaftlichen Ansprüchen und den angemessenen Erwartungen, die in die verschiedenen Bildungsorte gesetzt werden dürfen. Es ist zu prüfen, inwieweit die Annahme berechtigt ist, dass es in nicht-formalen außerschulischen Lern- und Aktivitätskontexten besondere Formen und Chancen sozialer und politischer Partizipation gibt, die ein demokratisches Miteinander und aktive Teilhabe an demokratischen Prozessen ermöglichen und das Demokratielernen fördern. Oder ist doch die formale Bildung, wie dies auch in anderen politischen Zusammenhängen zu beobachten ist, maßgeblich? Damit würde das formale Bildungssystem zu der Größe, die über die Entwicklung demokratischer Fähigkeiten und Tugenden bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen entscheidet.

Wie können demokratisches, staatsbürgerschaftliches Bewusstsein und die diesem unterliegenden Orientierungen konzeptualisiert und empirisch erfasst werden? Dies soll im Folgenden zunächst theoretisch in den Blick genommen und dann empirisch analysiert werden.
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10. Februar 2012
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