|
|
 |

 |

Informationen zur politischen Bildung (Heft 290)
 |
 |
 |
 |
 |
Entwicklung zum Volkssport |

 |
 |
Franz-Josef Brüggemeier
|
 |
 |
 |
 |
Am 7. August 1936 war das Olympiastadion in Berlin mit 50.000 Zuschauern gefüllt, die voller Anspannung auf das Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Norwegen warteten. Im Jahr zuvor hatten die Deutschen 13 von 17 Länderspielen gewonnen und sich als eine der besten Mannschaften Europas erwiesen. Selbst Adolf Hitler kam ins Stadion, um zum ersten Mal überhaupt einem Fußballspiel beizuwohnen und den erwarteten Sieg zu erleben. Er wurde begleitet von der Spitze des NS-Staates, darunter Joseph Goebbels, Hermann Göring, Rudolf Heß und Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten. Im Stadion herrschte, wie Goebbels in seinem Tagebuch festhielt, eine eno-r-me Spannung: "Der Führer ist ganz erregt, ich kann mich kaum halten. Ein richtiges Nervenbad. Das Publikum rast. Ein Kampf wie nie. Das Spiel als Massensuggestion."
Tatsächlich interessierte Hitler sich kaum für Fußball, doch er gehörte zu den ersten Politikern, die bemerkten, welche Möglichkeiten der Sport bot, sich zu inszenieren und die Bevölkerung zu begeistern. Deren Fußballinteresse war sprunghaft angestiegen. Während vor dem Ersten Weltkrieg selbst herausragende Spiele allenfalls einige Tausend Zuschauer fanden, zählten Spiele um die deutsche Meisterschaft jetzt zehntausende Besucher, und als die deutsche Mannschaft wenige Monate nach den Olympischen Spielen am 15. November in Berlin gegen Italien antrat, zählte die offizielle Statistik 100.000 Besucher. Diese neue Popularität war in vielen Bereichen zu erkennen. Die Zahl der Vereine und Aktiven nahm sprunghaft zu, Zeitungen berichteten regelmäßig über Fußballbegegnungen, und Fachblätter wie der Kicker fanden großen Absatz, wie überhaupt neue Märkte entstanden und Zuschauereinnahmen erhebliche Gelder einbrachten. Vereine warben um die besten Spieler und boten ihnen Geld oder andere Vergünstigungen, obwohl der DFB am Amateurgedanken festhielt und derartige Vergütungen verbot. Eine andere Folge der wachsenden Popularität waren neue Sportanlagen und größere Stadien, nicht nur für Fußballer, sondern auch für Leichtathleten und andere Sportler, die nun eine zuvor unbekannte Unterstützung durch Staat, Kommunen und Politiker erhielten. Diese kamen den Wünschen ihrer Wähler entgegen und wollten zugleich durch Sport die Gesundheit der Bevölkerung fördern, das Ansehen ihrer Städte steigern und außerdem nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg die Wehrfähigkeit verbessern.
Die beschriebenen Entwicklungen und Zielsetzungen betrafen den Sport generell, waren aber beim Fußball besonders ausgeprägt. Bei ihm war eine Kombination von Popularisierung, Kommerzialisierung und Politisierung zu beobachten, die sich nicht nur in Deutschland, sondern auch in zahlreichen anderen europäischen Ländern und in Lateinamerika abzeichnete und diesen Sport bis heute prägt. |
 |
 |
|
 |
10. Februar 2012
 |
 |
 |
Schriftenreihe (Bd. 519) |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
Fußball unterm Hakenkreuz
Der Historiker Nils Havemann beschreibt in seiner Darstellung, mit welchen Mitteln es den Nationalsozialisten gelang, den vordergründig "unpolitischen" Volkssport Fußball zur Stabilisierung ihres Systems zu missbrauchen. |
 |
|
 |
 |
 |
|
 |
 |
|