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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 13-14/2003)

Staatsversagen, Gewaltstrukturen und blockierte Entwicklung: Haben Krisenländer noch eine Chance?


Tobias Debiel
Inhalt

Einleitung

I. Krise des Staates und Strukturen der Gewalt

II. Konsolidierung und Reform des Staates: Konzepte und Erfahrungen aus Krisenländern

III. Fallstricke des staatszentrierten Ansatzes und Konsequenzen für die Praxis des "state-building"

Einleitung
Die Welt zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist durch ein anhaltend hohes Maß an organisierter Gewalt geprägt. Diese umfasst unterschiedlichste Formen, die in ihrer physischen und psychischen Zerstörungswirkung auch unterhalb der Kriegsschwelle verheerend sind: Der Alltag vieler Menschen ist bestimmt durch Bandenkriminalität, mafios organisierte Verbrechersyndikate (Schutzgelderpressung, Waffen- und Drogenhandel etc.), staatliche Repression, die Willkürherrschaft lokaler Machthaber und Warlords oder - in ländlichen Gebieten - die gewaltsame Auseinandersetzung um ungeklärte Eigentums- und Nutzungsrechte an Land, Weidegründen und Wasserstellen. Zurzeit werden darüber hinaus mehr als 40 Konflikte mit kriegerischen Mitteln ausgetragen, d.h. unter massiver und kontinuierlicher Gewaltanwendung durch militärisch organisierte Konfliktparteien. Länder, deren politische, soziale und wirtschaftliche Entwicklung durch die verschiedensten Ausprägungen kollektiver Gewalt blockiert oder die gar vom inneren Zerfall bedroht sind, sollen im Folgenden als Krisenländer bezeichnet werden. Sie finden sich in nahezu sämtlichen Regionen des Südens (Subsahara-Afrika, Arabischer Raum, Süd-, Südost- und Ostasien, Lateinamerika) und in einigen Subregionen des Ostens (hier: Balkan, Kaukasus, Zentralasien, Teile der Russischen Föderation).

Zur Person
Tobias Debiel
Dr. sc. pol., geb. 1963; seit 2003 Koordinator der Forschungsgruppe "Staatsbildung und gewaltsame Konflikte" am Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn.
Anschrift: Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF), Walter-Flex-Str. 3, 53113 Bonn. E-Mail: tobias.debiel@uni-bonn.de

Veröffentlichungen u. a.: (Hrsg.) Der zerbrechliche Frieden: Krisenregionen hzwischen Staatsversagen, Gewalt und Entwicklung, Bonn 2002; UN-Friedensoperationen in Afrika: Weltinnenpolitik und die Realität von Bürgerkriegen, Bonn 2003 (i. E.).


Haben solche Krisenländer eine Chance auf tragfähigen Frieden? Lassen sich die häufig tief verwurzelten Gewaltstrukturen so transformieren, dass ein umfassender gesellschaftlicher Wandel und damit auch eine gedeihliche Entwicklung in Gang gebracht wird? Bildet die Konsolidierung von Staatlichkeit durch institution building, die Etablierung rechtsstaatlicher Strukturen und Dezentralisierung einen Ausweg? Dies sind die Leitfragen des vorliegenden Beitrages.[1] Zunächst gehe ich auf die Krise des Staates ein, die ein wichtiger Erklärungsfaktor für die alltägliche Präsenz von Gewalt und blockierter Entwicklung ist. Dann diskutiere ich Konzepte und Erfahrungen bei der Transformation von Krisenländern,[2] wobei ich die Kerninstitutionen des Staates (Sicherheitssektor, Justiz) und die Frage der vertikalen Machtteilung (Dezentralisierung) hervorhebe. Ich konzentriere mich auf solche Länder, in denen nach Jahren oder auch Jahrzehnten des Krieges Friedensschlüsse erzielt wurden, die aber zugleich durch fortbestehende Gewaltstrukturen gekennzeichnet sind. Abschließend fasse ich Fallstricke bei der Konsolidierung, Reform und Rekonstitution von Staaten zusammen und verdeutliche sie anhand eines aktuellen Beispiels: des Wiederaufbaus Afghanistans, eines kollabierten Staates.
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10. Februar 2012
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Editorial
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Die wahren Globalisierungsgegner oder: Die politische Ökonomie des Terrorismus
Frauen fordern ihre Rechte als Indígenas und Staatsbürgerinnen
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