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Informationen zur politischen Bildung (Heft 271)

Fremde, Fremdsein - von der Normalität eines scheinbaren Problemzustandes


Johannes Heil
Inhalt

Einleitung

Vielfältige Erlebnisformen

Mittelalter und frühe Neuzeit

Umgang mit dem Fremden

Kontinuierliche Veränderungen

Vielfältige Erlebnisformen
Um solche Wahrnehmungen in Frage zu stellen, lohnt es, den Blick geschichtlich zu öffnen und das Begriffsfeld "Fremdes" von verschiedenen Seiten zu beleuchten. Denn hier kann beispielhaft gezeigt werden, dass Fremdwahrnehmung und Fremdheitserfahrung stets vorhandene Phänomene waren, die unterschiedliche Reaktionen, abwehrende wie aufnehmende, hervorriefen. Der geschichtliche Blick bietet Parallelen zu heutigen Erscheinungen, aber - weit wichtiger: Das Fremde erscheint im Rückblick in ganz unterschiedlicher Erscheinung, unter gänzlich wechselnden Bedingungen und keinesfalls als klar zu umreißende Kategorie. Ferner geht es um die verschiedenen Erlebnisformen von Fremdheit: Einwanderer, Auswanderer, Wanderer und auch Ansässige; Fremdheit fällt nicht einfach mit Wanderung (Migration) zusammen, sondern auch mit seinem Gegenteil - mit Bleiben.
Fremd ist nur, was als solches erlebt wird. Nichts ist aus sich heraus und notwendig fremd. Das fremde Terrain erscheint im Erleben einfach vorhanden, tatsächlich ist es subjektiv gesetzt und Ergebnis willkürlicher Ordnungskriterien im Gefolge persönlicher Motive und gesellschaftlicher Konventionen.
Schon die gängigen Begriffsanbindungen zeigen, wie verschiedenartig, positiv wie negativ, das Fremde sich leben und erleben lässt: "Fremdenangst" ist verbreitet, "Fremdbestimmung" verweist auf Abhängigkeit, der "Fremdkörper" erscheint fehl am Platz, kann aber auch eine Herausforderung sein. Der "fremde Klang" ist zunächst ungewohnt, kann aber Neugierde wecken; "befremdliche" Gedanken überraschen, können abwegig sein, aber auch neue Horizonte öffnen. Der Weg in - heute klingt es pathetisch - "die Fremde" hatte stets unterschiedliche Gründe: Er konnte aus Neugier (Entdeckung, Expansion), aber ebenso auch notgedrungen (Vertreibung, Flucht, Armut) unternommen werden.
Kein Wunder, dass sich dann in gegenwärtiger wie auch in geschichtlicher Perspektive nur schwer eine verbindliche Theorie für das Fremde formulieren lässt.
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10. Februar 2012
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Inhalt
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Vorurteile
Editorial
Was sind Vorurteile?
Fremde, Fremdsein - von der Normalität eines scheinbaren Problemzustandes
"Fremde" in den Medien
Türkische Minderheit in Deutschland
Polenbilder in Deutschland seit 1945
Rassistische Vorurteile
Antisemitismus
Sinti und Roma als Feindbilder
"Zigeuner" und Juden in der Literatur nach 1945
Vorurteile gegen sozial Schwache und Behinderte
Stereotype des Ost-West-Gegensatzes
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