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Informationen zur politischen Bildung (Heft 253)

Innenleben der Verbände


Ulrich von Alemann
Inhalt

Einleitung

Innerverbandliche Demokratie

Hauptamtliche und Ehrenamtliche

Einleitung

Interessenverbände treten in der Regel als formell verfaßte Organisationen auf. Sie sind gekennzeichnet durch einen kontinuierlichen Bestand, definierte Ziele, zum Beispiel in Form eines Programms, und einen formalisierten Aufbau, zum Beispiel durch Satzung oder Statut. Arbeitsteilig wird zwischen Aufgaben der Mitglieder und des Vorstandes unterschieden; es werden für bestimmte Aufgaben besondere Gremien und Funktionsträger benannt und regelmäßig Mitgliedsbeiträge erhoben. Ab einer bestimmten Größe entwickelt sich dann ein hauptamtlicher Funktionärskörper und ein in verschiedenen Stufen gegliederter Verbandsaufbau.

Ein kleinerer Verband kennt nur die Mitgliedschaft und den Vorstand. Große Verbände kennen zahlreiche abgestufte Organisationsebenen, die von lokalen, regionalen bis zu nationalen und sogar internationalen Ebenen reichen können. Nur wenige Organisationen umfassen alle diese Ebenen. Aber bereits ein relativ kleiner Verband wie amnesty international reicht von der lokalen bis zur internationalen Ebene. Der Großverband Deutsches Rotes Kreuz ist zwar national organisiert, mit lokalem und regionalem Unterbau, gleichzeitig ist er aber mit dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes weltweit verflochten. Die meisten großen nationalen Interessenorganisationen gehören internationalen Dachverbänden an. Von der Basis bis zur Spitze durchgehend lokal bis international organisierte Verbände sind aber selten, da sich die Verbände in der Regel an nationalem Recht orientieren müssen.

Die Tendenz zur Europäisierung und noch darüber hinaus zur Globalisierung von Politik, Wirtschaft und Kultur schafft deshalb auch große Probleme für die Willensbildung der Verbände. Denn die Mitglieder sind in einem nationalen Verband über Delegierte auf Landes- und Bundesvertreterversammlungen - beispielsweise dem DGB-Bundeskongreß, der sich deshalb gerne "Parlament der Arbeit" nennen läßt - auf allen Stufen beteiligt. Auf der europäischen oder sogar weltweiten Ebene wirken aber meist nur wenige Vorstandsmitglieder mit. Probleme der Entfernung und der Sprache sowie der Kompromißzwänge mit den Verbänden anderer Länder kommen hinzu und bewirken oft ein Eigenleben der internationalen Dachverbände.

Zahlreiche Spitzenverbände sind überhaupt nur als Dachverbände auf nationaler Ebene aktiv; die eigentliche Mitgliedschaft besteht aus Einzelverbänden, nicht aus Personen. Dies gilt in der Bundesrepublik für die Unternehmerverbände BDI, BDA oder auch für den DIHT, ebenso für den Beamtenbund, den Bauernverband oder den Deutschen Mieterbund. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund ist nur ein Dachverband der Einzelgewerkschaften. Die Willensbildung in solchen Großorganisationen ist aufgrund der vielen Stufen mehrfach gebrochen und verläuft durch entsprechend komplizierte Kanäle.
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10. Februar 2012
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Interessenverbände
Zu diesem Heft
Was sind Verbände?
Wie, wann und warum entstanden Verbände?
Die Vielfalt der Verbände
Handlungsfelder der Interessenverbände
Innenleben der Verbände
Aktionsformen der Verbände
Verbände im Blick von Wissenschaft und Politik
Die Zukunft der Verbändegesellschaft
Literaturhinweise
Redaktion
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