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26.5.2002 | Von:
Heribert Dieter

Ostasien nach der Krise: Interne Reformen, neue Finanzarchitektur und monetärer Regionalismus

Drei Jahre nach Beginn der Asienkrise sind in einigen der betroffenen Länder deutliche Zeichen der wirtschaftlichen Belebung zu erkennen. Dennoch: Die Krise hat in Ostasien zu tiefgreifenden Veränderungen geführt.

I. Einleitung

Im Juli 1997 begann mit der Freigabe des Wechselkurses des thailändischen Baht die Asienkrise. Diese Wirtschaftskrise stellt eine Zäsur für die Weltwirtschaft dar. Die Asienkrise war keine kleine, zyklische Wirtschaftskrise, sondern legte die systemischen Mängel der heutigen Weltwirtschaftsordnung offen. Nach dieser Krise wird das lange dominante, vor allem auf Deregulierung und Liberalisierung der Wirtschaft setzende neoliberale Modell mehr und mehr in Frage gestellt. Insbesondere internationale Finanzmärkte sind in die Kritik geraten. Vor allem dort habe man es, so zahlreiche Beobachter, in zunehmendem Maß mit Spekulation und irrationaler Übertreibung zu tun.


Die südost- und ostasiatischen Krisenländer haben sich zum Teil extrem rasch von der Krise erholt. Insbesondere Südkorea hat innerhalb von zwölf Monaten auf einen Wachstumspfad zurückgefunden und die optimistischsten Prognosen deutlich übertroffen. Falsch wäre es hingegen, daraus den Schluss zu ziehen, die Asienkrise sei bereits in der gesamten Region ökonomisch und politisch überwunden.

Die Asienkrise hat aber das Fundament für ostasiatische Kooperation gestärkt. Es zeichnet sich inzwischen ab, dass die Asienkrise einen Wendepunkt der supranationalen regionalen Zusammenarbeit in Ostasien markiert. Deutlich erkennbar sind heute Versuche, die Region durch Maßnahmen der monetären Kooperation weniger anfällig für neue Krisen und damit zugleich weniger abhängig von den Ländern des Westens und dem von den USA dominierten Internationalen Währungsfonds zu machen. Die Erfahrungen mit der Politik des Internationalen Währungsfonds (IWF) und das Unvermögen, diese Politik entscheidend modifizieren zu können, haben zur Suche nach Alternativen geführt. In Ostasien zeichnet sich eine neue Form der regionalen Zusammenarbeit, ein monetärer Regionalismus, ab.

Außerhalb der Region ist der erste Reformeifer bereits wieder erloschen. Mit dem Titel "neue Finanzarchitektur" wurden Erwartungen geweckt, die nicht realisiert werden können. Eine neue, globale Währungsordnung ist nicht in Sicht. Auch die internationalen Finanzmärkte sollen, betrachtet man die wichtigsten gegenwärtig vorliegenden Konzepte, eher einer milden Reform denn einer radikalen Veränderung unterworfen werden.

In diesem Beitrag wird zunächst die Ursache der Krise in groben Zügen dargestellt. Im Anschluss betrachte ich die recht unterschiedlich verlaufene wirtschaftliche Erholung in den einzelnen Ökonomien. Dann werden die wichtigsten Vorschläge für die Reform des internationalen Finanzsystems erörtert. Die Darstellung der bisher erfolgten Schritte hin zu einem monetären Regionalismus in Ostasien sowie einige theoretische Überlegungen zu diesem Konzept schliessen sich an. Im letzten Punkt diskutiere ich die Konsequenzen dieser Entwicklung für das internationale Finanzsystem.