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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 19/2006)

Fußball unterm Hakenkreuz


Nils Havemann
Inhalt

Einleitung

Sport, Politik und Kommerz in der Weimarer Zeit

Der DFB vor der Spaltung

Der DFB als Nutznießer der "Machtergreifung"

Begeisterung für Hitler

Die Ausgrenzung der jüdischen Sportler

Die Auflösung des DFB

Der politische Missbrauch des Fußballs

Sport, Politik und Kommerz in der Weimarer Zeit
Das Diktum von der strengen Trennung zwischen Sport und Politik schrieb sich der DFB bereits bei seiner Gründung im Jahre 1900 auf die Fahne. Allerdings hielt er sich in den ersten beiden Jahrzehnten seines Bestehens nur selten daran. Vor allem im Ersten Weltkrieg teilte der Verband die verbreitete Kriegseuphorie und betätigte sich in seinen Publikationen als Propagandist deutscher Großmachtfantasien. "Dass wir diese Zeit erleben durften, darum wird uns die Nachwelt einst beneiden", schrieb beispielsweise Georg Blaschke, der ehrenamtliche Geschäftsführer des DFB, 1915 in einem vom Verband herausgegebenen "Kriegsjahrbuch"[2].

Anfang der zwanziger Jahre setzte bei der großen Mehrheit des DFB ein Umdenken ein. Zwar ging der nationale Gedanke bei der Dachorganisation des deutschen Fußballs nie verloren, doch bemühte sie sich nun, den schmalen Grat zwischen nationaler Grundhaltung und nationalistischer Aggressivität deutlich zu verbreitern. So schrieb Felix Linnemann, der 1925 zum DFB-Vorsitzenden aufstieg, zwei Jahre nach Kriegsende, dass "unmenschlicher nationaler Hass" im Fußball keinen Platz finden dürfe, weil er "den ausgleichenden und völkerversöhnenden Sport zum Tummelplatz politischer oder nationaler Leidenschaft werden lässt"[3].

Grund für diesen allmählichen Gesinnungswandel war vor allem die Einsicht, dass ein unkontrollierbarer Nationalismus den Interessen des Verbandes zuwiderlief. Länderspiele wurden in der Weimarer Zeit zu einer der wichtigsten Finanzquellen des DFB, sodass der Verband ungeachtet aller politischen Krisen und Konflikte in jenen Jahren zu einem Herold der Völkerverständigung wurde. Selbst bei Spielen zwischen deutschen und ausländischen Vereinsmannschaften auf heimischem Boden kassierte der DFB ein Prozent der Bruttoeinnahmen und auf fremdem Boden vier Prozent der vom Gastgeber gewährten "Reiseentschädigung"[4].

Das ausgeprägte kommerzielle Bewusstsein beim DFB, das sich in den zwanziger Jahren auch in dem Abschluss von Werbeverträgen mit Brauereien und Tabakherstellern offenbarte, entsprang der Notwendigkeit, eine stetig wachsende Organisation finanzieren zu müssen. Denn der Fußball entwickelte sich ungeachtet von Krieg, Besatzung und Inflation in Deutschland zur populärsten Sportart.

Die Mitgliederzahl des DFB, die 1920 bei rund 468.000 lag, wuchs im Durchschnitt um rund 40.000 jährlich. Für die Pioniere des deutschen Fußballs galt es daher, eine Infrastruktur für den Spielbetrieb aufzubauen. Die Beschaffung neuer Spielplätze, der Kauf von Sportgeräten, Fahrtkosten und die Bezahlung von Angestellten, die sich um die alltägliche Arbeit in einer rasch wachsenden Organisation kümmerten, verschlangen den Großteil der Einnahmen. Den Rest legte der DFB auf die hohe Kante, um für schlechtere Zeiten vorzusorgen, sodass er 1928 in seiner Vermögensaufstellung einen Betrag von fast 41.000 Reichsmark aufwies.[5]

Mit Beginn der Weltwirtschaftskrise geriet der gesamte deutsche Fußball in Bedrängnis. Als die allgemeine Not Anfang der dreißiger Jahre ihrem Höhepunkt entgegenstrebte, wurde die finanzielle Grundlage der Vereine und seiner Dachorganisation gleich von drei Seiten unterspült, nämlich durch sinkende Einnahmen aus dem Verkauf von Eintrittskarten, geringere Mitgliedsbeiträge und die Streichung öffentlicher Zuschüsse. Darüber hinaus begannen viele Spieler konsequenter als zuvor, Geld für ihre sportlichen Leistungen zu verlangen, und stellten damit das strenge Amateurstatut in Frage, das der DFB vor allem aus steuerrechtlichen Gründen heftig verteidigte.

Bei einer offiziellen Zulassung des Berufsfußballs, der in Ländern wie England, Österreich, Ungarn oder der Tschechoslowakei längst Normalität geworden war, wäre dem DFB und den ihm angeschlossenen Vereinen die Rechtsform der Gemeinnützigkeit aberkannt worden, mit der die Befreiung von fast allen Steuern verbunden war.[6] Mit Entsetzen schaute der DFB in den zwanziger Jahren nach Österreich, wo ihm die fiskalischen Folgen einer Einführung des Berufsfußballs drastisch vor Augen geführt wurden. Dort bewegten sich Vereine wie Rapid Wien stets am Rande des Bankrotts, weil sich Lustbarkeitssteuer, Körperschaftssteuer, Fürsorgeabgabe, Verbandssteuer und Warenumsatzsteuerrasch auf über 73 Prozent der Einnahmen summierten, wobei von dem kümmerlichen Rest auch noch Wohnbausteuer, Abgaben zur Kranken- und Unfallversicherung sowie Gehälter für Spieler und Verwaltungspersonal bestritten werden mussten.[7]
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10. Februar 2012
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