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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 19/2006)

Fußball unterm Hakenkreuz


Nils Havemann
Inhalt

Einleitung

Sport, Politik und Kommerz in der Weimarer Zeit

Der DFB vor der Spaltung

Der DFB als Nutznießer der "Machtergreifung"

Begeisterung für Hitler

Die Ausgrenzung der jüdischen Sportler

Die Auflösung des DFB

Der politische Missbrauch des Fußballs

Begeisterung für Hitler
Nach 1933 erlebte der deutsche Fußball einen enormen Aufschwung, der durch eine sportfreundliche Gesetzgebung, den Bau neuer und großer Arenen und die großzügige finanzielle Förderung der Vereine verstärkt wurde. Während die deutschen Länderspielbilanzen der Jahre 1931 (ein Sieg bei drei Unentschieden und drei Niederlagen) und 1932 (drei Siege und drei Niederlagen) allenfalls von Mittelmaß zeugten, startete die Nationalelf nach der "Machtergreifung" eine imponierende Erfolgsserie, die mit dem dritten Platz bei der Weltmeisterschaft 1934 einen ersten Höhepunkt erreichte. Aus dem Gefühl, dass es nach den Jahren ständiger Krisen und Angst nicht nur im Fußball, sondern auch im ganzen Land rasant "aufwärts" zu gehen schien, erwuchs bei nahezu allen Fußballspielern und Funktionären eine große Begeisterung für Adolf Hitler und das nationalsozialistische Regime.

Diese Euphorie war insofern bemerkenswert, als die führenden Funktionäre des DFB bis Anfang 1933 einem politischen Spektrum zuzuordnen waren, das teilweise in scharfem Gegensatz zur NSDAP stand. Linnemann bezeichnete sich als einen "gottgläubig[en]" Menschen, der bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 das Zentrum gewählt habe.[13] Geschäftsführer Georg Xandry engagierte sich in den Weimarer Jahren für die DDP beziehungsweise für die Deutsche Staatspartei;[14] und Reichstrainer Otto Nerz bekannte sich noch 1938 zu seiner sozialdemokratischen Vergangenheit.[15] Von einer einseitig nationalkonservativen oder nationalsozialistischen Ausrichtung des DFB, wie dies in einigen Publikationen zur Fußballgeschichte immer wieder gerne kolportiert wurde,[16] kann also weder in programmatischer noch in personeller Hinsicht die Rede sein. Der DFB und seine Vereine waren sowohl an der Basis als auch in der Führungsspitze politisch und ideologisch äußerst heterogene Gebilde, die nur von der Begeisterung für den Fußball und dem Willen zusammengehalten wurden, für ihren Sport die optimalen Voraussetzungen zu schaffen.
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10. Februar 2012
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