Die bpbBestellenNewsletterPressePartnerImpressumKontakt

Home
   
FAQ Index
Suche

Themen
Publikationen
Arbeitsmaterialien Medien
Aus Politik und Zeitgeschichte
AV-Medienkatalog
CD-ROM/ CD/ DVD
Einzel-
publikationen
Entscheidung im Unterricht
Filmhefte
fluter
HanisauLand
Informationen zur politischen Bildung
Info aktuell
Internet-Angebote
Mobile Angebote
Karten
Pocket
Rechtsreihe
Schriftenreihe
Spicker Politik
Thema im Unterricht
Themenblätter im Unterricht
Themen und Materialien
Zeitbilder
Spiele
Sonstige
Was geht?
Suche
Veranstaltungen
Wissen
Lernen


Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 01-02/2005)

Zeitgeschichte in Europa - oder europäische Zeitgeschichte?


Jost Dülffer
Inhalt

Einleitung

Meistererzählungen der Zeitgeschichte

Europäische Zeitgeschichte

Schlussbemerkungen

Einleitung
Was Zeitgeschichte sein kann, stellt einen alten Streit dar. Bereits im Ersten Weltkrieg wurde von dem späteren Kölner Historiker Justus Hashagen ein recht zeitbezogener Begriff entwickelt,[1] der nahtlos auf die deutsche Apologie einer "Kriegsunschuld" im "Kampf gegen Versailles" angewandt werden konnte: Sie kam aus der Zeitzeugenschaft und wollte nationalpädagogisch eine bestimmte Sicht der Dinge "beweisen". Sucht man dagegen nach inhaltlichen Zäsuren, dann sollte man sich mit dem Plädoyer von Margit Szöllösi-Janze auseinander setzen, die mit dem Begriff der Wissensgesellschaft eine Schlüsselkategorie ausdifferenziert.[2] Sie datiert den Beginn der Zeitgeschichte bereits um 1880 und vermag in diesem Rahmen nachfolgende weitere Zäsuren zu setzen. Zeitbezogener Ansatz oder epochenprägende Entwicklung lautet also die aufgeworfene Alternative, die Hans Rothfels programmatisch im Jahr 1953 zur (Neu-)Begründung der Zeitgeschichte beantwortete:[3] Beides treffe zu, wenn man mit dem Jahr 1917 beginne. Sie sei die Epoche der Mitlebenden und eine historische Zäsur mit dem Eintritt der USA in den Weltkrieg und der bolschewistischen Revolution.

Zur Person
Jost Dülffer
Dr. phil., geb. 1943; Professor für Neuere Geschichte an der Universität zu Köln. Historisches Seminar, Universität zu Köln, Albertus-Magnus-Platz, 50923 Köln.
E-Mail: duelffer@uni-koeln.de


Zeitgeschichte im ersten Sinn ist in jeder Gesellschaft und vor jeder Wissenschaft da. Geschichte wird berichtet, ist ein Teil des kommunikativen Gedächtnisses, das wissenschaftlicher Korrektur nur schwer zugänglich ist, aber gerade daher eine besondere Herausforderung für die Geschichtswissenschaft bildet. Darüber hinaus gibt es positiv gesehen die Chance der Zeitzeugenbefragung, negativ die Schwierigkeit der Sperrfristen von Akten in Archiven. Das sollte nach wie vor ein wichtiges Kriterium für Zeitgeschichte bilden. Schon daher kann der Epocheneinschnitt gut 50 Jahre nach Rothfels' Ausführungen nicht mehr 1917 sein, sondern sollte in der politischen Geschichte, die auf alle Bereiche des menschlichen Lebens ausstrahlt, eher auf 1945 mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs samt seinem besonderen Charakter als Vernichtungskrieg bzw. auf 1989/90 mit dem Ende kommunistischer Herrschaft gelegt werden. Das gilt für Europa, aber auch für weite Teile der übrigen Welt. Beide Daten bilden relative Konstruktionen, die ihren Sinn haben. Man kann also nach meinem Vorschlag die ältere Zeitgeschichte nach Rothfels zu den Akten legen und mit Hans-Peter Schwarz neben der neueren auch eine "neueste Zeitgeschichte" unterscheiden.[4] Zeitgeschichte wird so zu einer rollierenden Form der Annäherung, die immer wieder neu zu bestimmen ist.

Was hier für die deutsche Zeitgeschichte aufgeführt ist, gilt natürlich auch im größeren Rahmen. Schon Rothfels argumentierte welthistorisch. Heute wäre man mit inhaltlichen Kriterien wohl vorsichtiger. Bedeutet europäische Zeitgeschichte nicht dasselbe wie deutsche Zeitgeschichte, nur im größeren Rahmen? Otto von Bismarck reagierte allergisch, wenn von Europa statt von nationalen Interessen die Rede war, aber auch in jüngster Zeit titelte etwa brillant Timothy Garton Ash "Im Namen Europas", als er die bundesdeutsche Heuchelei europäischer Argumentationsmuster anstelle offener deutscher Interessenbenennung zu entlarven trachtete.[5]

In der Gegenwart ist Europa in aller Munde, da doch 2004 die Osterweiterung auf 25 Staaten vollzogen worden ist, wobei gelegentlich die Bezugsgrößen durcheinander geraten; mal heißt es - korrekt - Osterweiterung der EU, mal aber auch - fälschlich - Europas. Gerade in ehemaligen "Oststaaten" ist seit den achtziger Jahren häufig von einer "Rückkehr nach Europa" die Rede gewesen - in welches Europa, und: War "Osteuropa" nicht auch immer Europa? Je enger die Staaten Europas zur europäischen Integrationsorganisation gehören, desto eher hört die genannte Unterscheidung auf - aber "Zeitgeschichte" bestimmt sie allemal.
Themen | Wissen | Veranstaltungen |
Publikationen | Lernen |
Die bpb | Bestellen | Newsletter | Presse | Partner |
Impressum | Datenschutz | Kontakt | Home
08. Februar 2012
Druck-Version
Artikel versenden
PDF-Version
Inhalt
Bild vergrößern
Zeitgeschichtsforschung
Editorial
Zwei deutsche Diktaturen im 20. Jahrhundert?Essay
Zwischen Abgrenzung und Verflechtung: deutsch-deutsche Geschichte nach 1945
Zeitgeschichte in Europa - oder europäische Zeitgeschichte?
Sowjetische Geschichte nach Stalin
Weltgeschichte als Geschichte der sich globalisierenden Welt
Biographik und Zeitgeschichte
Lexikonsuche
Suchen Sie in unseren Online-Lexika Begriffe aus Politik, Wirtschaft und Kultur.

Suchwort:

Sonstige
Publikationsverzeichnis
Publikationsverzeichnis
112 Seiten, über 600 Titel, zahlreiche Neuerscheinungen. Das Verzeichnis zum aktuellen Publikationsprogramm der bpb. Hier kostenlos bestellen
Publikationsverzeichnis