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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 7-8/2004)

Politische Bildung in der globalen Wissensgesellschaft


Uli Wessely
Inhalt

Einleitung

Bildung im Kontext der Wissensgesellschaft

Lebenslanges Lernen

Herausforderungen an die politische Bildung

Die Zukunft politischer Bildung im Kontext von Globalisierung und Wissensgesellschaft

Lebenslanges Lernen
Der Begriff Wissensgesellschaft bezeichnet die Vorstellung von der individuellen Aneignung, Verarbeitung und Bewertung von Informationen zu Wissen. Damit wird der Bezug zum Bildungssystem implizit hergestellt, in dem die Aneignung und Erschließung von Wissen vermittelt wird. Sofern die These zutrifft, dass sich eine Entwicklung zur Wissensgesellschaft vollzieht, wird damit das Bildungssystem vor neue Herausforderungen gestellt. Die Antwort darauf ist in der Entwicklung zu einer "Lernenden Gesellschaft" zu finden. Dabei löst das Konzept des "Lebenslangen Lernens" das althergebrachte "Lernen fürs Leben" ab.

Lebenslanges Lernen ist in einer zunehmend komplexen Welt unerlässlich, in der handlungsrelevantes Wissen immer schneller veraltet. Die Gesellschaft ändert sich inzwischen viel zu schnell, als dass man ihre Inhalte ein für allemal erlernen könnte. Also gibt es keine abgeschlossene Bildung. Das Konzept des Lebenslangen Lernens bringt eine neue Aufteilung der Lernzeiten auf die Lebenszeit mit sich. Die bisherige komprimierte Bildungszeit in der Kindheit, der Jugend und im jungen Erwachsenenalter soll durchbrochen werden. Das Lebenslange Lernen bildet dabei keine Folgestufe zur Erstausbildung in Schule und Beruf wie bei den Begriffen der Erwachsenenbildung oder der Weiterbildung. Vielmehr geht es beim Lebenslangen Lernen um einen programmatischen Begriff, der auf eine grundlegende Veränderung des Lernverhaltens und der Bildungseinrichtungen zielt. In der Lernenden Gesellschaft sollen sich deren Mitglieder als Lernende begreifen, um den massiven Veränderungen und der Masse an zu verarbeitenden Informationen gerecht werden zu können.

Dabei ist zu beachten, dass Bildung nicht auf technisches und berufliches Fachwissen reduziert werden darf. Ein ökonomisch eingeschränkter Begriff des Lebenslangen Lernens als Anpassung an bestimmte betriebliche Anforderungen greift deutlich zu kurz, so notwendig ohne Frage die zusätzliche Aneignung von fachlichem Spezialwissen in Zukunft auch sein wird. Die notwendigen Qualifizierungen in den Erwerbstätigkeiten verlangen immer stärker allgemeinere - organisatorische, planende und kommunikative - Kenntnisse. Die Unterschiede zwischen allgemeiner und beruflicher Bildung verschwimmen in diesem Prozess zunehmend. In der Wissensgesellschaft erhöht sich die Lebenszeit, die anteilig für Bildung genutzt wird, gegenüber derjenigen, in der einer Erwerbstätigkeit nachgegangen wird. Dabei besteht die Notwendigkeit, Kompetenzen zu erwerben, zu erhalten und anzupassen.

Lebenslanges Lernen in der Wissensgesellschaft kann somit folgendermaßen charakterisiert werden:

- Bildung wird zunehmend außerhalb formaler Lernprozesse und herkömmlicher Bildungsinstitutionen erworben; Lernen wird in den Arbeitsprozess und in die Freizeit verlagert.

- Lernen durchdringt viele Lebensbereiche und erfolgt im öffentlichen Raum.

- Selbst gesteuertes, multimediales und interaktives Lernen findet beispielsweise im Internet statt.

- Die Beziehung zwischen Lernenden und Lehrenden ist einem fundamentalen Wandel unterworfen. Die Rolle des Lernenden wandelt sich immer mehr zu der eines eigeninitiativen Forschers, dersich gemeinsam mit anderen neues Wissen erschließt. Die Lehrenden werden zu Moderatoren im Lernprozess.

Es geht also beim Übergang in die Lernende Gesellschaft um eine grundlegende Veränderung bestehender Muster - weg von den stark institutionalisierten Formen des Lernens hin zum einzelnen Menschen, der in formalen und informellen Lernprozessen Bildung erfährt. Darüber hinaus müssen existierende Bildungsmuster neu definiert werden. So sollte sich Bildung von einer regionalen zur globalen Ausrichtung wandeln und lineares durch vernetztes Denken ersetzt werden.
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10. Februar 2012
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Inhalt
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Politische Bildung
Editorial
Ein halbes Jahrhundert staatliche politische Bildung in Deutschland
Zustand und Perspektiven der politischen Bildungsarbeit in Ostdeutschland
Judentum, Christentum und Islam in europäischen Lehrplänen
Auf dem Weg zu einem europäischen "Geschichtsbild"
Politische Bildung in der globalen Wissensgesellschaft
Politische Bildung für Nachhaltigkeit
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Die Plattform fasst die Internet-Angebote der Bundeszentrale und der Landeszentralen für politische Bildung zusammen, um sie einem breiten Internet-Publikum zur Verfügung zu stellen.
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