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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 21/2005)

50 Jahre Nuklearwaffen in Deutschland


Otfried Nassauer
Inhalt

Einleitung

Atombewaffnung der Bundeswehr

Flexible Erwiderung und Atomwaffensperrvertrag

Der Weg der neunziger Jahre

Einleitung
Jahrestage werden oft gefeiert - gerade, wenn es runde sind. In diesem Jahre wird die Bundeswehr 50, und die Bundesrepublik ist seit 50 Jahren Mitglied der NATO. 60 Jahre liegt der Sieg der Alliierten über das nationalsozialistische Deutschland zurück. 60 Jahre sind es, seit die Angriffe auf Hiroshima und Nagasaki deutlich machten, welch unglaubliche Zerstörungsgewalt Atomwaffen haben. Es gibt in diesem Jahr aber noch einen runden Jahrestag, der in der Öffentlichkeit keine Rolle spielt: Vor 50 Jahren begann die Stationierung atomarer Waffen in Deutschland.

Zur Person
Otfried Nassauer
geb. 1956; freier Journalist und seit 1991 Leiter des Berliner Informationszentrums für Transatlantische Sicherheit (BITS). Rykestr. 13, 10405 Berlin. www.bits.de

Im März 1955 brachten die US-Streitkräfte ihre ersten atomaren Fliegerbomben in die Bundesrepublik. Schon einen Monat später folgten Sprengköpfe für atomare Marschflugkörper vom Typ Matador und Artilleriegranaten vom Kaliber 280 Millimeter. Bald darauf Sprengköpfe für Honest John- und Corporal-Raketen, 203-Millimeter-Geschosse und atomare Landminen. Zu Beginn des Jahres 1960 lagerten in der Bundesrepublik schon zehn unterschiedliche Typen von Atomwaffen.[1] Jede Einzelne dieser Waffen besaß eine größere maximale Sprengkraft als jene Waffe, die Hiroshima zerstörte.[2] So begann eine atomare Aufrüstungswelle, zu deren Höhepunkt etwa 7 300 US-Atomwaffen in Europa lagern sollten.[3]

Die Stationierung atomarer Waffen in der Bundesrepublik erfolgte zwei Monate vor dem deutschen NATO-Beitritt und schuf Tatsachen im Rahmen einer vor allem von den USA und Großbritannien entwickelten NATO-Strategie, welche die Bundesrepublik als Neu-Mitglied akzeptieren musste.[4] Diese war zum einen das Ergebnis der Tatsache, dass es der NATO nicht gelungen war, glaubhafte Pläne für die Bereitstellung von 96 Divisionen gegen einen Angriff aus dem Osten binnen 90 Tagen zu entwickeln. Zum anderen war sie das Ergebnis des Glaubens an die Einsetzbarkeit atomarer Waffen. Die Bedeutung dieses Faktors wuchs, als die USA unter Präsident Eisenhower im Herbst 1953 zur "New Look"-Politik übergingen. Im Strategie-Dokument, NSC 162/2, hieß es: "Die Hauptabschreckung gegen eine Aggression gegen Westeuropa ist die manifestierte Entschlossenheit der USA, ihre atomare Fähigkeit und massive Vergeltungsmacht zu nutzen, wenn die Region angegriffen wird."[5] In der NATO setzte sich die neue Sichtweise schnell durch. Das zum Zeitpunkt des NATO-Beitritts der Bundesrepublik gültige Strategie-Dokument, die MC 48, hielt fest: "Die Überlegenheit bei atomaren Waffen und der Fähigkeit, sie einzusetzen, wird in der vorhersehbaren Zukunft der wichtigste Faktor in einem größeren Krieg sein." Schon die für die Anfangsverteidigung der NATO verfügbaren Kräfte müssen "mit einer integrierten atomaren Fähigkeit" ausgestattet sein.[6] Die NATO müsse vorbereitet sein, einem größeren konventionellen Angriff mit dem massiven Einsatz taktischer und strategischer nuklearer Waffen zu begegnen.
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09. Februar 2012
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Editorial
Bürgerbundeswehr - Essay
50 Jahre Bundeswehr
Zur Transformation der Bundeswehr
Militärreform und Grundgesetz: Zum Konzept der "Inneren Führung"
50 Jahre Nuklearwaffen in Deutschland
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Wie kann der Politikfähigkeit des Militärischen Genüge getan werden? Am Beispiel des Afghanistan-Einsatzes geht der Autor dieser Frage auf unterschiedlichen Ebenen nach – der politischen Klasse, der Militärelite und der Bürgergesellschaft.
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