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11.5.2010 | Von:
Hans-Jürgen Krug

Von der Vielstimmigkeit zur Marke: 60 Jahre ARD-Hörfunkprogramme

Aus dem lockeren Zusammenschluss regionaler Hörfunkanbieter ist inzwischen ein fest kooperierender Verband geworden. Unter dem gemeinsamen "ARD-Label" sind mittlerweile mehr als fünfzig Radioprogramme vereint.

Einleitung

Die neue, regional strukturierte Nachkriegshörfunklandschaft war rund fünf Jahre alt, als sich am 9. und 10. Juni 1950 der Bayerische Rundfunk (BR), der Hessische Rundfunk (HR), der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR), Radio Bremen (RB), der Süddeutsche Rundfunk (SDR) und der Südwestfunk (SWF) zur "Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland", kurz ARD,[1] zusammenschlossen. Es war ein lockerer Zusammenschluss, eine Arbeitsgemeinschaft eben, die vor allem bei der Lösung gemeinsamer Anliegen helfen sollte. "So viel Einheit wie nötig, so viel Vielfalt wie möglich", beschrieb SDR-Intendant Hans Bausch einmal die frühe ARD-Philosophie[2] und das Beharren der einzelnen Mitglieder auf Autonomie. Die drei Buchstaben stünden für "Alle reden durcheinander", hielt später ein Uralt-Kalauer fest. Eine andere, weniger populäre Deutung lautet: "Alle reisen dauernd."

Im Juni 1950 gab es in Deutschland noch kein Fernsehen, die sechs ARD-Mitglieder sendeten ausschließlich Hörfunk. Das Radio war das neue bundesdeutsche Leitmedium, es war kulturorientiert und auf dem elektronischen Markt konkurrenzlos. Eine normale Hörerin, ein normaler Hörer konnten in der Regel nur das Mittelwellenprogramm des eigenen "Haussenders" hören, die ersten UKW-Programme "UKW West" und "UKW Nord" (vom NWDR) waren erst wenige Tage alt und mit den fast ausschließlich verbreiteten reinen Mittelwellenempfängern überhaupt noch nicht zu empfangen. Die Radioprogramme waren Einschaltprogramme und relativ einfach gemacht, Sendung folgte auf Sendung, man nannte das später "Kästchenradio"; abrupte Wechsel zwischen Politik, Kultur oder Musik waren selbstverständlich. Der Besitz eines Hörfunkapparates kostete zwei DM Gebühren im Monat - und da die Hörerzahlen auch nach dem Zweiten Weltkrieg rapide stiegen, konnten die gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Sender insgesamt "beträchtliche Reserven"[3] bilden.

Fußnoten

1.
"Das vertraute Kürzel ARD wurde erst 1954 eingeführt." Hans Bünte, Geschichte und Geschichten des Senders an der Saar - die Chronik, in: Axel Buchholz/Fritz Raff (Hrsg.), Geschichte und Geschichten des Senders an der Saar. 50 Jahre Saarländischer Rundfunk, Freiburg 2007, S. 71.
2.
Zit. nach: Verena Wiedemann, Einheit in der Vielfalt, in: ARD-Kulturbuch, o.O. 2008, S. 62.
3.
Konrad Dussel, Deutsche Rundfunkgeschichte, Konstanz 20042, S. 201.

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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 9-10/2009)

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