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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 12/2001)
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Fortgesetzte Umweltzerstörung in Lateinamerika trotz des Diskurses der nachhaltigen Entwicklung? |

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Hugo C. F. Mansilla
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VI. Das Verhalten der Privatunternehmer |
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Einige Angaben über die alltägliche Praxis moderner Unternehmer in einigen lateinamerikanischen Ländern sind hier notwendig. In Brasilien erzielt eine Fläche gerodeten oder abgebrannten Waldes zehnmal so hohe Preise wie eine vergleichbare Fläche intakten Regenwaldes
. Aus diesem Grund und weil einige der Zonen, in denen es Großbrände gab, potenziell reich an Mineralien, Edelsteinen und Erdöl sind, verhalten sich alle in Frage kommenden Regierungen und Interessenverbände sehr ähnlich: Sie lassen die Wälder und Buschlandschaften wochen- oder monatelang brennen, bevor sie eine halbherzige Löschaktion angehen, welche dann durch bürokratische Kompetenzstreitigkeiten noch eine Zeitlang aufgeschoben wird. Eine abgebrannte Waldfläche bietet noch weitere Vorteile, denn es entfallen lästige rechtliche Einschränkungen (Nationalpark, geschützte Naturzone, Indianerreservat), die einer ökonomischen Nutzung des Bodens im Wege stehen können; in der Regel wandern die dort ansässigen Ureinwohner mehr oder minder friedlich aus.
Die Privatunternehmer Boliviens behaupten ernsthaft, dass die Privatisierung der Wälder zu einer beinahe spontanen Regeneration der ausrottungsgefährdeten Edelholzarten beitragen könne. Ein sehr eindeutiger und an Zynismus grenzender Ausdruck dieser Haltung ist bei dem damaligen Vorsitzenden der Interessenvertretung der holzverarbeitenden Betriebe auszumachen. Er erklärte 1994, dass die Holzgewinnung in Bolivien einen ausgesprochen langsamen und schonenden Rhythmus aufweise; wenn dieser Rhythmus beibehalten werde, gäbe es genügend Holz für 18 750 Jahre! Die Vereinigung der Privatunternehmer Boliviens beklagt sich ihrerseits seit 1993, dass die Unternehmer vom Staat zu wenig Konzessionen erhielten, um Wälder wirklich roden zu können. In vielen Gegenden begnügten sich die Holzindustriellen damit, von Dritten gefällte Bäume aufzukaufen, d. h. Bäume, die sonst auf dem Boden verfaulen würden. Einer der wichtigsten Holzindustriellen Boliviens, der 80 Prozent seiner Produktion nach Europa und in die USA ausführt, erklärte, dass sein Unternehmen überhaupt keine Schäden bei den Wäldern verursache, denn er lasse nur sehr alte oder kranke Bäume fällen, die sowieso bald sterben würden.
Es muss bedacht werden, dass in Bolivien bereits 1996 rund 220 000 qkm in der tropischen Waldzone Privateigentum waren; damit befindet sich die Mehrheit der Regenwälder im Privatbesitz. Dieser Tatbestand hat weder die rasch voranschreitende Waldvernichtung noch die zunehmende Desertifikation tropischer Böden verhindern können. Nach allen verfügbaren Informationen kann von einer Wiederaufforstung der von Privatunternehmern gerodeten Flächen keine Rede sein. Wiederaufforstung in tropischen Gegenden ist technisch außergewöhnlich schwierig und unergiebig. Der Bau von Straßen und Pfaden geschieht gewohnheitsmäßig durch Waldbrand, und auch das Fällen einzelner Bäume bringt die Zersetzung des sie umgebenden Vegetationsmantels mit sich. Beide Vorgänge tragen dazu bei, die außergewöhnlich dünne Humusschicht tropischer Böden und den auf der Oberfläche liegenden Vorrat an Nahrungselementen unwiederbringlich zu vernichten. Außerdem: Holzunternehmer senken ihre Betriebskosten, indem sie die kostspielige und ungewisse Aufforstung in praxi beiseite lassen und sich das nächste Stück Forst zum Bäumefällen vornehmen, in einer Region, in der die Baumbestände unendlich zu sein scheinen und wo die Kontrollen durch die zuständigen Behörden gleich null sind.
Fazit: Das täglich-praktische Verhalten der staatlichen Bürokratie, der Privatunternehmer, der Bauernverbände und sogar der indigenen Interessenvertretungen legt den Schluss nahe, dass unter diesen Umständen nachhaltige Entwicklung in Lateinamerika sich als eine leere Floskel oder als eine modische Rechtfertigungsideologie erweist. |
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10. Februar 2012
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