Sicherheitspolitik im 21. Jahrhundert
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Internationale Migration


21.8.2006
Ängste vor terroristischen Bedrohungen und kultureller Überfremdung prägen die öffentliche Diskussion um die Auswirkungen von Migration. Ihre positiven Effekte werden dabei oft vernachlässigt.

Auch der Terror hat die Verwundbarkeit von Städten deutlich gemacht. Bei den Anschläge vom 11. September 2001 in New York wurden etwa 3.000 Menschen getötet.Auch der Terror hat die Verwundbarkeit von Städten deutlich gemacht. Bei den Anschläge vom 11. September 2001 in New York wurden etwa 3.000 Menschen getötet. (© AP)

Einleitung



Im Jahr 2005 lebten nach Angaben der von der UNO eingesetzten Weltkommission für Internationale Migration fast 200 Millionen Menschen - das sind etwa drei Prozent der Weltbevölkerung - länger als ein Jahr nicht in dem Land, in dem sie geboren wurden. Statistisch genau sind diese Zahlen jedoch nicht. Denn zum einen werden in den amtlichen Statistiken vieler Entwicklungsländer Aus- und Einwanderer nicht systematisch erfasst. Zum anderen beziehen diese Angaben nicht die Dunkelziffer der irregulären Migration mit ein. Als irreguläre Migrantinnen und Migranten werden Menschen bezeichnet, die gesetzeswidrig in ein fremdes Land einreisen oder sich dort unerlaubt aufhalten.

In der medialen Berichterstattung über internationale Migration stehen die damit verbundenen Sicherheitsprobleme gegenwärtig im Zentrum der Aufmerksamkeit. Internationale Migration und internationaler Terrorismus werden dabei häufig miteinander verknüpft. Ängste vor terroristischen Bedrohungen wie kultureller Überfremdung führen insbesondere in den hoch entwickelten Ländern des Westens zu fremdenfeindlichen Abwehrreaktionen und überlagern im öffentlichen Diskurs die positiven Effekte von Migration.

Aktuelle Erkenntnisse



Ausländer in DeutschlandAusländer in Deutschland
Auch wenn die Angaben internationaler Organisationen zum Teil auf Schätzungen beruhen, lassen sich doch einige Trends in der Entwicklung der internationalen Migration beobachten: Danach ist die Anzahl internationaler Migranten seit den 1970er Jahren deutlich gestiegen: von 82 Millionen 1970 auf 175 Millionen 2000. Da inzwischen fast in jedes bzw. aus jedem Land der Welt Menschen ein- bzw. auswandern, ist die klassische Unterscheidung zwischen Herkunfts-, Transit- und Zielländern immer schwieriger zu treffen.

Während der Anteil der im Ausland geborenen Personen in den Entwicklungsländern in den letzten Jahren stagniert oder sogar leicht zurückgegangen ist, ist er in den entwickelten Ländern deutlich gestiegen. So nahm zwischen 1990 und 2000 der Anteil der Migranten an der Gesamtbevölkerung in Nordamerika um 48 Prozent zu (von 27 Millionen auf 40 Millionen) und in Europa um 15,8 Prozent (von 48 Millionen auf 56 Millionen). In Asien hingegen ging er im gleichen Zeitraum um 0,4 Prozent zurück und stagniert bei circa 50 Millionen. Auch in Afrika blieb der Anteil der Migranten an der Gesamtbevölkerung relativ konstant und liegt bei circa 16 Millionen.

Schubkräfte globaler Wanderungsbewegungen

Eine mit dem Bevölkerungswachstum oft nicht Schritt haltende Wirtschaftsentwicklung, Umweltprobleme wie die Ausweitung der Wüsten und damit verbundene Wasserknappheit, Kriege, Bürgerkriege und allgemein instabile politische Ordnungen bilden wesentliche Schubkräfte internationaler Wanderungsbewegungen im 20. und 21. Jahrhundert. Ungleiche Entwicklungschancen, deutliche demografische Unterschiede sowie undemokratische Regierungsführung und damit verbundene politische Instabilität haben zu einem bis heute andauernden Anstieg der internationalen Migration geführt.

Insbesondere die seit den 1970er Jahren beschleunigte Verflechtung internationaler Wirtschaftsbeziehungen (Globalisierung) hat eine verstärkte Öffnung nationaler Grenzen für den Austausch von Gütern, Dienstleistungen und Kommunikationsmedien mit sich gebracht, die internationale Wanderungsbewegungen aus verschiedenen Gründen begünstigt:

  • Beschleunigung und Verbilligung des Transports tragen wesentlich zur Erhöhung der weltweiten räumlichen Mobilität der Menschen bei.
  • Technologische Entwicklungen wie die Einführung von Kabel- und Satellitenfernsehen und die Digitalisierung der Kommunikation verringern die kulturelle Distanz zwischen den Menschen. Bilder westlicher Konsumgesellschaften werden in alle Teile der Welt vermittelt und erzeugen Anreize, in wohlhabendere Gesellschaften abzuwandern.
  • Die Revolutionierung von Transport- und Kommunikationsmöglichkeiten schafft die Grundlage für die Entstehung grenzüberschreitender Netzwerke unter den Migrantinnen und Migranten. E-Mail und Telefon ermöglichen die unkomplizierte und kostengünstige Pflege familiärer und freundschaftlicher Bindungen zu den Daheimgebliebenen.
  • Die Auslagerung von Produktionsstätten aus den westlichen Industrieländern in Niedriglohnländer motiviert die dortige ländliche Bevölkerung, in die Städte abzuwandern. Diese Binnenmigration ist für viele nur der erste Schritt zur grenzüberschreitenden Migration in die Großstädte der so genannten Ersten Welt.


 

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