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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 20/2003)
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Dynamik der demografischen Alterung, Bevölkerungs-Schrumpfung und Zuwanderung in Deutschland |

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Prognosen und Auswirkungen Herwig Birg
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VIII. Generationenerneuerung durch Geburten oder Generationenersatz durch Migration? |
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Das regionale Mosaik aus demographisch wachsenden, stagnierenden und schrumpfenden Nationen und Regionen wird vielfältiger und kontrastreicher. Demographische Strukturen wie die Altersstruktur beeinflussen die Kosten des sozialen Sicherungssystems und haben als Lohnnebenkosten einen großen Anteil am Niveau der Lohnstückkosten eines Landes. Auf diese Weise bestimmen demographische Strukturen und Prozesse die Wettbewerbsposition bei der internationalen und interregionalen Konkurrenz der Produktionsstandorte um die Ansiedlung zukunftsträchtiger Industriebetriebe. Die internationale Mobilität des Produktionskapitals und des Humankapitals sind der sichtbare Ausdruck der ökonomischen Globalisierung, die von einer parallelen demographischen Globalisierung begleitet wird und sich im Innern eines Landes in der räumlichen Bevölkerungsdynamik fortsetzt.
Die Welt ist demographisch tief gespalten. Eine Minderheit hoch entwickelter Länder mit hohem Wohlstand und Geburtendefiziten steht einer überwältigenden Mehrheit armer Länder mit Geburtenüberschüssen und stark wachsender Bevölkerung gegenüber. Im 21. Jahrhundert wird der Kontrast zwischen Wachstum und Schrumpfung noch schärfer, das demographische Gefälle steiler, so dass sich der Einwanderungsdruck in die Industrieländer erhöht. Der Geburtenüberschuss beträgt allein in Indien in einem einzigen Jahr 16 Mio. - das ist so viel wie die Summe aller Geburtendefizite in Deutschland bis 2040.
Deutschland verzeichnet seit 1972 Geburtendefizite, die durch Einwanderungsüberschüsse kompensiert bzw. überkompensiert werden. Es ist unter den großen Industrieländern der Welt das Land mit der höchsten Zuwanderung und nahm im Vergleich zu den USA und Westeuropa mit großem Abstand die meisten Asylbewerber und Flüchtlinge auf. Die Zahl der Zuwanderungen pro Jahr erreichte schon 1970 die gleiche Größenordnung wie die Zahl der Geburten im Inland.
Bei einer Fortsetzung der Strategie der kompensatorischen Einwanderungen wären die Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft gravierender, als es der Öffentlichkeit und Politik bewusst ist bzw. bewusst gemacht wird. Nicht zuletzt infolge der mangelnden Information über die Fakten werden die Konsequenzen von der Bevölkerung, der Politik und den Medien unterschiedlich bewertet und außerordentlich kontrovers diskutiert. Dies kann nicht verwundern, zumal auch die so genannte Süssmuth-Kommission sich der entscheidenden Frage gar nicht gestellt hat: Kann bzw. soll Deutschland wie in den vergangenen Jahrzehnten die durch Tod ausscheidenden Generationen langfristig durch Zuwanderer aus kulturell völlig anderen Gesellschaften ersetzen? Dass Zuwanderer, um nach Deutschland einwandern zu können, zuvor irgendwo geboren, erzogen und ausgebildet werden müssen - dieser wichtige Gesichtspunkt spielte bisher weder in den Empfehlungen der Süssmuth-Kommission noch bei den Befürwortern der Zuwanderung in der Wirtschaft bzw. bei den Vertretern der Kirche eine wesentliche Rolle. Niemand scheint etwas Anstößiges daran zu finden, dass Deutschland die Mühen und Kosten der Geburt und der Erziehung von Kindern anderen Ländern überlässt.
Betrüblich ist, dass auch viele Kirchenvertreter dieser demographischen Ausbeutung das Wort reden, anstatt den darin liegenden demographischen Kolonialismus zu bekämpfen. Auch wenn man jedem Menschen die mit einer Zuwanderung verbundene Verbesserung der Lebensumstände gönnt, so sind doch die Interessen des aufnehmenden Landes und des Herkunftslandes als weitere Gesichtspunkte für die Beurteilung von politischen Konzeptionen in die Überlegung einzubeziehen.
Deutschland hat viel zu verlieren - eine weltweit bewunderte Kultur und seinen hohen Wohlstand, der auf dieser Kultur beruht, und der sich mit ihr verflüchtigte, wenn sich die massenhafte Einwanderung aus der Dritten Welt fortsetzt. Es ist rätselhaft, von welchen Motiven sich prominente Befürworter ungeregelter Zuwanderung und des Multikulturalismus leiten lassen, die zwar über keine eigene Fachkompetenz auf dem Gebiet der Demographie verfügen, sich aber trotzdem von der Politik und den Medien instrumentalisieren lassen.
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10. Februar 2012
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