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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 51-52/2006)

Brasilien nach den Wahlen 2006


Silvana Krause
Inhalt

Einleitung

Herausforderungen für die erste Regierung Lulas

Die Präsidentschaftswahlen 2006

Perspektiven der neuen Lula-Regierung

Einleitung
Der Wahlsieg von Luiz Inacio Lula da Silva im Jahr 2002 stellte für die in Brasilien erst 1985 eingeführte Demokratie eine Herausforderung dar, denn er führte zu einem Machtwechsel, und viele Politikwissenschaftler sahen darin sogar den Beginn einer neuen politischen Phase des Landes. Die Partei Lulas, die Arbeiterpartei (Partido dos Trabalhadores = PT), symbolisierte einerseits den Kampf der sozialen Bewegungen und Gewerkschaften aus den 1980er Jahren, andererseits aber stellte sie eine Option für die noch junge Demokratie Brasiliens dar. Lula kündigte einen wirklichen Richtungswechsel an, da seine Partei sich im politischen Umgestaltungsprozess nach den Wahlen an keiner Regierungskoalition beteiligt hatte und als klare Opposition auftrat. Das Profil der PT[1] unterschied sich seit ihrer Gründung erheblich von den anderen Parteien. Sie war eine Partei mit einer fest gefügten sozialen Bezugsgruppe,[2] mit den Charakteristika einer Massenpartei, und sie war nie von der Unterstützung des Staatsapparats abhängig. Sie hatte immer darauf geachtet, Abstand zu Führungsbündnissen und Parteien zu halten, die am Militärregime oder am Pakt zur politischen Umgestaltung und der Konstruktion einer neuen Regierung beteiligt waren.

Zur Person
Silvana Krause
Dr. phil., Professorin für Politikwissenschaft an der Föderalen Universität des Goiás, 74001 - 970 Goiânia, Brasilien.
E-Mail: krause@fchf.ufg.br

Nach drei erfolglosen Versuchen, die Präsidentschaftswahlen zu gewinnen (1989, 1994 und 1998), präsentierte sich Lula, zu jener Zeit Gewerkschaftsführer, 2002 erneut als Kandidat, dieses Mal jedoch mit einer neuen Wahlstrategie und einer signifikanten Veränderung seines Profils.

Seine Wahlkampfstrategie bestand in der Vermittlung eines beweglicheren und weniger radikalen Bildes seiner Person. Lula signalisierte Bereitschaft zu Verhandlungen und der Aufnahme des Dialogs mit Unternehmern und war vertrauensvoll genug, um Vereinbarungen zu treffen. Er regierte, ohne die Armut aus dem Blick zu verlieren, denn schließlich stammt er nicht nur aus der Gewerkschaftsbewegung der Metallindustrie in Sao Paulo, sondern kommt aus der ärmsten Region des Landes, dem Nordosten.

Was seine Wahlkampfstrategie noch deutlicher macht, ist die Vereinbarung einer Koalition, die nicht aus Parteien des linken Spektrums zusammengesetzt, sondern eher in der Mitte-Rechts-Richtung angesiedelt ist. Deren Kandidat für den Posten des Vizepräsidenten Brasiliens ist José de Alencar von der Liberalen Partei (Partido Liberal = PL), der ein erfolgreicher Unternehmer ist und somit auch die Unternehmerverbände des Landes repräsentiert.

Eine weitere wichtige Strategie Lulas bestand darin, keine radikale Position gegen den bis dahin amtierenden Präsidenten Fernando Henrique Cardoso einzunehmen, sondern sogar dessen Politik der Inflationskontrolle zu loben und keinerlei Streit über den "Plano Real" einzugehen, der die brasilianische Wirtschaft seit 1994 stabilisierte. Diese Änderung von Image und Wahlkampfstrategie zeigte Wirkung und führte zum Sieg Lulas im zweiten Wahlgang gegen den Kandidaten der bis dahin regierenden Brasilianischen Partei der Sozialdemokraten (Partido da Social Democracia Brasileira=PSDB),[3] José Serra.
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09. Februar 2012
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