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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 17-18/2006)

Entstalinisierung und die Krisen im Ostblock


Mark Kramer
Inhalt

Einleitung

Die Geheimrede und die Unruhen in Osteuropa

Antisowjetische Ressentiments

Vom Posener Aufstand zur Oktober-Krise

Einleitung
Im Februar 1956 hielt der Erste Sekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU), Nikita S. Chruschtschow, eine "Geheimrede" auf dem XX. Parteitag der KPdSU, in der er Exzesse und Verbrechen seines drei Jahre zuvor verstorbenen Amtsvorgängers Josef Stalin anprangerte. Die Auswirkungen dieser Rede sollten schnell weit über die Sowjetunion hinausreichen.

Zur Person
Mark Kramer
Professor, geb. 1962; Director of Cold War Studies at Harvard University und Senior Fellow am Davis Center for Russian and Eurasian Studies. Cold War Studies Center, Harvard University, 1730 Cambridge, MA 02138, USA.
E-Mail: mkramer@fas.harvard.edu

In den meisten osteuropäischen Staaten, insbesondere in Polen und Ungarn, entwickelten sich Unruhen und Instabilität. Bis zum Herbst sah sich die Sowjetunion in beiden Ländern vor ernsten politischen Krisen, die in Polen mit friedlichen Mitteln, in Ungarn durch den Einsatz sowjetischer Truppen gelöst wurden. Im Folgenden soll die Entstehungsgeschichte der Krisen des Jahres 1956 diskutiert werden, vor allem die entscheidende Bedeutung der sowjetischen Entstalinisierungskampagne für den gesamten Ostblock. Ihre Folgen hätten das kommunistische Machtgefüge im Herbst 1956 beinahe zum Einsturz gebracht.

Inoffiziell hatte die Entstalinisierung schon bald nach Stalins Tod im März 1953 eingesetzt. Die offizielle Kampagne aber begann erst mit jener Rede Chruschtschows am Abend des 25. Februar 1956 auf einer eilig einberufenen, geschlossenen Sitzung zum Abschluss des XX. Parteitages der KPdSU in Moskau. Chruschtschows vehemente Verurteilung des Stalinismus (so selektiv sie auch war) betraf auch all jene osteuropäischen Führer, die unter Stalins Patronat an die Macht gekommen waren und treu an stalinistischen Grundsätzen festgehalten hatten.

Zu den belasteten Führern gehörte auch der Erste Sekretär der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PVAP), Boleslaw Bierut, ein Hardliner, der die zum XX. Parteitag entsandte polnische Delegation anführte und den Text der Rede bereits vorab erhalten hatte. Seine Mitstreiter sagten später, Bierut sei angesichts Chruschtschows Aussagen "fassungslos" und "am Boden zerstört" gewesen. Weil die polnische Reaktion auf die Geheimrede so bedeutsam war und sich derart schnell massive Unruhen im Land entwickelten (schneller noch als in Ungarn), ist es gerechtfertigt, den polnischen "Sonderfall" hier genauer zu untersuchen. Die aufgezeigten Entwicklungen waren - wenn auch weniger deutlich - 1956 in allen anderen Staaten des Ostblocks erkennbar, auch in der DDR und in der Sowjetunion selbst.[1]

Aus dem Amerikanischen übersetzt von Susanne Laux, Königswinter.
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09. Februar 2012
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Krisenjahr 1956
Editorial
Die bedeutsamste Rede des Kommunismus - Essay
Die Internationale der Einäugigen - Essay
Entstalinisierung und die Krisen im Ostblock
Warschau-Budapest 1956
Reformdebatten in der DDR
Die Suezkrise
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