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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 42-43/2009)

Zukunft der digitalen Bibliothek


Jeanette Hofmann
Inhalt

Einleitung

Vision einer universalen Bibliothek

Verwaiste Bücher

Googles Buchsuche

Neues Verwertungsmodell

Kritik an Google Books

Fazit

Einleitung
Mit dem elektronischen Publizieren wird ein neues Kapitel in der Organisation von Wissen aufgeschlagen. Wenngleich derzeit kaum abzuschätzen ist, wie weitreichend die bevorstehende Transformation ausfallen wird, zeichnet sich doch ab, dass der Übergang vom physischen Druckwerk zum stofflosen Datensatz neben technischen auch viele politische und rechtliche Probleme aufwirft. Die Digitalisierung sorgt für eine fortlaufende Senkung der Vervielfältigungskosten und eröffnet ein schier unendliches Spektrum neuer Nutzungs- bzw. Verwertungsmöglichkeiten für Wissensinhalte. Die Folge ist ein wachsendes Spannungsverhältnis zwischen dem technisch Möglichen, dem gesellschaftlich Wünschenswerten und dem rechtlich Zulässigen. Die Frage, vor der wir stehen, so der amerikanische Jurist Randal C. Picker, lautet: "How do we match an 18th century legal system with early 21st century opportunities?"[1] Kaum ein anderer Fall verdeutlicht dieses Ächzen im Gefüge der informationellen Handlungsrechte so gut wie Google Books, das neue Geschäftsfeld des Suchmaschinenbetreibers.

Zur Person
Jeanette Hofmann
Dr. rer. pol., geb. 1960; Politikwissenschaftlerin am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB); derzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin am Centre for Analysis of Risk and Regulation der London School of Economics and Political Science, Houghton Street, London WC2A2AE, England/UK.
E-Mail: jeanette@wzb.eu

In Deutschland hat Googles Projekt zur Digitalisierung von Büchern eine vielleicht überfällige Diskussion über die Verfügungsrechte von (gedrucktem) Wissen im Informationszeitalter ausgelöst. Die gegenwärtige Engführung auf die Frage von Recht und Unrecht läuft jedoch Gefahr, die Bedeutung von Google Books zu unterschätzen. Der Vorwurf des Textraubs verstellt den Blick auf ein groß angelegtes Experiment nicht-staatlicher Rechtschöpfung, dessen Aussichten auf staatliche Anerkennung gar nicht so schlecht sind.[2] Mehr noch, das Verdikt der Piraterie drückt sich um die Dilemmata herum, die sich daraus ergeben, dass der Traum einer digitalen Bibliothek von Alexandria technisch und finanziell in den Bereich des Möglichen gerückt ist. Ein zentrales Dilemma betrifft die sogenannten Buchwaisen, urheberrechtlich geschützt, aber längst vergriffen, vergessen und vom Rechteinhaber verlassen.
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09. Februar 2012
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