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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 24/2001)
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Sozio-ökonomische Aspekte nachhaltigkeits- orientierten Konsumwandels |

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Joachim H. Spangenberg / Sylvia Lorek
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V. Wohlstand, Konsum und Umwelt |
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Wenn jeder Kaufakt mit Umweltfolgen verbunden ist, dann erscheint es plausibel, dass je mehr Geld ein Individuum oder auch ein Land zur Verfügung hat und für seinen Konsum ausgeben kann, es desto mehr die Umwelt belastet ("Grenzen des Wachtums"-Hypothese).
Es kann aber auch der entgegengesetzte Standpunkt eingenommen werden: Je mehr Reichtum vorhanden ist, desto eher kann in umweltschonende Technologien investiert werden bzw. desto eher besteht die Möglichkeit, ökologisch verträgliche Produkte zu kaufen, die heute in der Regel teurer sind ("Grenzen durch Wachstum"-Hypothese). Das Verhältnis von Konsumniveau und Ökoeffizienz bestimmt das Wechselspiel von Reichtum und Ökologie. Welche Präferenzen haben aber die Reichen konkret, für welche Art von Konsum entscheiden sie sich, wie viel davon verbrauchen sie und mit welchen Wirkungen auf die Umwelt
? Ist ihr Lebensstil schon dadurch in seinem Wesen nachhaltig, weil die Besitzstruktur der Reichen auf Dauerhaftigkeit, auf Erhalten und Vererben angelegt ist? Wie wirkt die Polarisierung der Einkommens- und Vermögensverhältnisse
auf Konsumstrukturen und Umweltbelastung? Mit Hilfe der oben genannten Indikatoren kann die einkommensspezifische Ausprägung des Konsums in den prioritären Handlungsfeldern analysiert und so die Umweltwirkung wachsenden Wohlstandes identifiziert werden
.
Die Antwort auf die Frage, ob der zunehmende Wohlstand zu einem abnehmenden Umweltverbrauch führt, lautet: Dies ist nicht der Fall. In zwei der drei für den Umweltverbrauch entscheidenden Bedarfsfeldern (Bauen und Wohnen sowie Mobilität) ist eine gleichgerichtete Entwicklung von Umweltverbrauch und dem Grad des materiellen Wohlstandes festzustellen. Wohlstand in Deutschland geht also mit erhöhtem Umweltverbrauch einher, ist eher mehr Normal-Konsum als anderer, ökologischer Konsum. Dies ist insbesondere deshalb bedenklich, weil die reichen Bevölkerungsgruppen nach wie vor eine Orientierungsfunktion für die Bevölkerungsmehrheit haben und so einem qualitativen Wandel der Konsummuster hin zu mehr Zukunftsfähigkeit diametral entgegenstehen.
Wenn also Reichtum unter den gegenwärtigen Konsummustern die Umweltbelastung erhöht, führt dann umgekehrt nachhaltiger Konsum zu Wohlstandsverlusten? Auch gegen diese in der politischen Debatte zum Teil offen vertretene Ansicht sprechen die vorliegenden Untersuchungen. So zeigt eine Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), dass zwei zentrale Strategien nachhaltigen Konsums - ökologische Produktwahl und gemeinsame Produktnutzung - sich durch positive gesamtwirtschaftliche Effekte auszeichnen
. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg in den Modellrechnungen um jeweils rund 20 Milliarden DM und die Beschäftigtenzahl um ca. 130 000, während der Reststoffanfall sank. Die Wirkung auf die Einkommensverteilung war neutral bzw. positiv. Untersuchungen zum Effekt der Einführung langlebiger Konsumgüter
bestätigen diesen Trend: Der Umweltverbrauch sinkt, während der Lebensstandard steigt. Allerdings muss angemerkt werden, dass die Verflechtungen von Produktions- und Konsumsphäre sich nicht auf das Einkommen reduzieren lassen, sondern von vielfältigen sozialen Faktoren geprägt sind. |
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10. Februar 2012
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